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Buchtipp: "Das Leben ist eine Öko-Baustelle" von Christiane Paul mit Peter Unfried
Kategorie: Erde & MenschMein Versuch, ökologisch bewusst zu leben
Engagiert, aber ohne erhobenen Zeigefinger: ein Plädoyer für die Verantwortung des Einzelnen. Christiane Paul ist richtig wütend – weil die Regierungen dieser Welt anscheinend nicht willens sind, die großen ökologischen Fragen konsequent anzugehen. "Hallo, aufwachen!", würde sie den Politikern gerne zurufen. Aber sie findet auch, dass jeder Einzelne Verantwortung übernehmen muss. Sehr engagiert und zugleich selbstironisch erzählt sie von ihrem Versuch, das Leben ihrer Familie so umwelt- und klimaverträglich wie möglich zu gestalten. Für Umweltschutz hat sich Christiane Paul schon als Jugendliche interessiert. Aber seit sie Kinder hat, ist ihr die Bedrohung unseres Planeten durch den Klimawandel noch stärker bewusst. Dass wir uns von liebgewonnenen Gewohnheiten verabschieden müssen, weiß sie, aber was heißt das konkret? Christiane Paul berichtet von ihren Anstrengungen, ihren Lebensstil von der Ernährung bis zur Mobilität umweltfreundlich zu gestalten. Sie streitet sich mit Promiwirten über die Frage, ob Heizpilze sein müssen, diskutiert mit dem New Yorker Literaturstar und Vegetarier Jonathan Safran Foer, ob ihre Kinder kein Fleisch mehr essen sollen, befragt Ernährungsberater, Klimawissenschaftler und Politiker. Sie merkt, wie schnell man als berufstätige Mutter mit zwei kleinen Kindern an die eigenen Grenzen kommt und wie leicht man anderen mit Bekehrungsversuchen auf die Nerven geht. Doch auch wenn das ökologisch korrekte Leben manchmal reichlich mühsam ist, will sie mit ihrem Verhalten ansteckend wirken - damit sich alle für eine globale Zukunft engagieren. Das Leben ist eine Öko-Baustelle - Mein Versuch, ökologisch bewusst zu leben; Christiane Paul mit Peter Unfried; Ludwig Verlag; 2011
© Bild und Text Ludwig Verlag
Kommentar
Christiane Paul ist gelernte Ärztin, Schauspielerin, verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Aus dieser subjektiven Perspektive heraus schreibt sie in ihrem Buch über unsere moderne Lebenswelt und deren Herausforderungen angesichts der globalen ökologischen Krisen. Diese subjektive Perspektive ist die große Stärke des Buches, da sie den Leser zwingt seine eigene Lebenssituation zu reflektieren und eigene Einstellungen und Verhaltensweisen zu hinterfragen. Natürlich werden im Buch auch Fakten zum Klimawandel genannt, Experten befragt und die politische Situation analysiert, letztlich geht es aber darum, was jeder von uns angesichts der globalen Bedrohungen in seinem eigenen Leben zu ändern bereit ist.
"Mein Buch handelt davon, was wir in unserem Alltag tun können, es handelt von den ökologischen Versuchen in meinem eigenen Leben und natürlich auch von den Grenzen des privaten Tuns." Location 99
Die Dimension und Komplexität der globalen Krisen übersteigt das eigene Vorstellungsvermögen. Ratlosigkeit, Ohnmachtsgefühle oder Resignation sind oft die Folge. Eine andere Möglichkeit will Christiane Paul in ihrem engagierten und selbstironisch geschriebenen Buch aufzeigen, indem sie ihren eigenen Weg zu einer umwelt- und klimaverträglich Lebensweise schildert. Sehr gut gefällt mir, dass sie dabei nicht besserwisserisch oder mit der großen Moralkeule daher kommt, sondern sehr selbstkritisch die großen und kleinen Probleme aus ihrem persönlichen Alltag untersucht. Welchen Schwierigkeiten ein ökologisch besorgter Mensch begegnen kann, zeigt Christiane Paul sehr gut an Beispielen aus der Erziehung ihrer Kindern, aus Gesprächen mit der eher skeptisch eingestellten Schwester, oder aus ihrem Beruf als Schauspielerin.
Neben der persönlichen Familien- und Lebensgeschichte bilden die Gespräche mit Experten einen weiteren Schwerpunkt des Buches. Fakten und Hintergründe zum Klimawandel werden intensiv erörtert, aber auch hier bleibt Christiane Paul ihrer Linie treu und fragt nach den jeweiligen persönlichen Konsequenzen und Verhaltensweisen.
Der Klimawissenschaftler Anders Levermann nimmt Flugreisen in Kauf, um in der öffentlichen Diskussion über Klimapolitik seinen Standpunkt zu vertreten. Jonathan Safran Foer, Vegetarier und Autor des Buches "Tiere essen", sieht es schon als Erfolg, wenn überhaupt weniger Fleisch gegessen wird. Die Ernährungsmedizinerin Ute Gola differenziert bezüglich der vegetarischen Ernährung zwischen Kindern, Erwachsenen und familiären Traditionen. Der langjährige Air-Berlin-Chef Achim Hunold ist der Meinung, dass es ein Ökoflugzeug niemals geben werde. Als persönliche Konsequenz aus seinen Erkenntnissen verzichtet der Soziologe und Klimakultur-Forscher Harald Welzer auf Langstreckenflüge. Als erster Politiker hat der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer sein Amt mit dem Wahlkampfthema Klimawandel gewonnen. Der britische Journalist Leo Hickman, Autor von "Fast nackt", einem Selbstexperiment in ethisch korrektem Leben, zweifelt manchmal angesichts von sieben Milliarden Menschen, ob überhaupt etwas auszurichten ist.
Man könnte meinen, dass wieder einmal eine Prominente ein Buch über eine gute Sache geschrieben hat, um ihren Marktwert zu steigern. Bei Christiane Paul trifft dies allerdings nicht zu. Ihre persönliche Betroffenheit und Besorgnis ist echt und beim Lesen ständig zu spüren. Vielleicht ist es notwendig, dass Prominente ihre Popularität nutzen, um drängende Fragen unserer Zeit weiteren Bevölkerungkreisen zugänglich zu machen. Als Schlussfolgerung ihrer Auseinandersetzung mit dem Klimawandel schreibt sie am Ende des Buches:
"Mein Fazit: bei sich selbst anfangen, andere mitnehmen und so eine umweltverantwortliche Politik möglich machen. Nicht das Ideale beschwören, sondern das Mögliche tun." Loc. 4594
Nachdenklich hat mich eine Aussage von Leo Hickmann gemacht: "..., dass es letztlich eine Ökokatastrophe in einem westlichen Industrieland brauche, vermutlich sogar in den USA, damit Regierungen und Gesellschaften wirklich aufwachten. Loc. 4562
Hoffen wir das Beste!


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