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Buchtipp: "Der unsichtbare Gorilla" von Chabris/Simons

Kategorie: Körper & Psyche

Von: Michael Ditsch

Wie unser Gehirn sich täuschen lässt

Buchtipp: "Der unsichtbare Gorilla" von Chabris/Simons

Christopher Chabris und Daniel Simons wurden durch ihr "Gorilla-Experiment" weltberühmt: Sie ließen einen Mann im Gorillakostüm durch ein Basketballspiel laufen - und die Hälfte der Zuschauer nahm ihn überhaupt nicht wahr. Überall lässt sich diese Unaufmerksamkeitsblindheit beobachten: Polizisten gehen an schweren Unfällen vorbei. Hollywoodfilme wimmeln von Fehlern. Denn unsere Wahrnehmung funktioniert absolut selektiv. Die Autoren entlarven die Beschränktheit unserer Wahrnehmung, unserer Fähigkeit zu erinnern und unserer Auffassungsgabe. Vor allem aber zeigen sie, wie oft wir völlig unbegründet auf unsere Intuitionen vertrauen. Und wie wir unserem Bewusstsein doch noch auf die Sprünge helfen können. Christopher Chabris , Daniel Simons, Der unsichtbare Gorilla, Wie unser Gehirn sich täuschen lässt, Piper, 2011

© Text und Bild Piper

Kommentar:
Ein spannend zu lesendes Buch über sechs Illusionen unseres Alltags. Neben der Illusion von Aufmerksamkeit, welche Chabris/Simons mit ihrem Gorilla Experiment aufgezeigt haben, werden noch Illusionen von Gedächtnis, Selbstvertrauen, Wissen, Ursache und Möglichkeit entlarvt.

Wissenschaftliche Forschungen der kognitiven Psychologie zu geistigen Leistungen finde ich persönlich sehr beunruhigend, zeigen sie doch auf, wie wenig wir uns auf unsere Wahrnehmung oder Erinnerung verlassen können.

Chabris/Simons räumen auch mit etlichen falschen Vorstellungen über die Funktionsweise unseres Gehirns auf: "Das Gedächtnis speichert kein genaues Duplikat der Wirklichkeit, sondern eine neu geschaffene Version ... jedes Mal, wenn wir eine Erinnerung abrufen, kombinieren wir die Details, an die wir uns erinnern, aufs Neue mit unseren Erwartungen darüber, woran wir uns erinnern sollten". (S. 73)

Erschreckend auch wie beeinflußbar unser Verhalten und unsere Entscheidungen sind: "Bringt man Menschen zusammen, bevor sie sich für eine Entscheidung gefunden haben, garantiert das fast, dass die Entscheidung dieser Gruppe kein Ergebnis unabhängiger Meinungsäußerungen und Beiträge sein wird. Stattdessen wird sie von Gruppendynamik, Persönlichkeitskonflikten und anderen sozialen Faktoren beeinflußt, die wenig damit zu tun haben, wer warum über welches Wissen verfügt". (S. 133)

Zwar geben Chabris/Simons auch Hinweise, wie wir die Auswirkungen der Alltags-Illusionen begrenzen können, aber auf S. 318 bemerken sie: "Allerdings ist die Fähigkeit, den Geist bewusst zu überwachen, begrenzt".

Am Ende ihres Buches schreiben Chabris/Simons auf S. 322: "Wenn Sie die Alltags-Illusionen in ihrer Weltsicht berücksichtigen, sind Sie sich zwar Ihrer selbst nicht mehr so sicher wie früher, aber Sie gewinnen neue Einsichten über die Funktionsweise Ihres Geistes und ein neues Verständnis, warum die Menschen so handeln, wie sie handeln".

Ach, und ein Daumenkino enthält das Buch auch!

Video zum Buch: undefinedhttp://www.youtube.com/watch?v=xvoMlkttoD0