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Lesetipp: GEO Magazin Nr. 06/Mai 2011
Kategorie: Körper & PsycheWie das Leben gelingt
Lebenslauf-Forschung: Wie wir werden, was wir sind. Wenn Menschen auf ihr Leben zurückblicken, sagen sie häufig: Es musste so kommen. Es war mir schon in die Wiege gelegt. Wie plausibel ist dieser Gedanke? Ein Forscherteam hat 814 Frauen und Männer über 90 Jahre hinweg begleitet - und am Ende festgestellt: Das menschliche Leben ist ein Experiment, dessen Ausgang offener ist, als viele denken.
© Text und Bild Geo Magazin
Kommentar:
"Die Wissenschaft vom glücklichen Ich" lautet der Untertitel der neuen Ausgabe des Geo Magazins. Glücksforschung scheint ja gerade "in" zu sein und auch der Büchermarkt wird von Glücksratgebern überschwemmt. Allerdings handelt der Geo-Artikel von der Harvard-Studie für Entwicklung im Erwachsenenalter. Seit über 90 Jahren läuft diese Studie und sie ist eine der aufwendigsten Langzeit-Untersuchungen der Humanwissenschaften. "Ihr Ziel ist es, zu bestimmen, welche inneren und äußeren Kräfte dazu beitragen, dass Menschen bis ins hohe Alter körperlich und seelisch gesund bleiben." (S. 113) Es geht dabei auch um die Frage, ob wir unseres Glückes Schmied sind und unser Leben selbst bestimmen können. Doch obwohl Abwehrstrategien gegen die Widernisse des Lebens definiert werden können, ist eine Aussage doch sehr ernüchternd: "Das Leben könnte so leicht sein, wenn wir uns in jeder Situation bewusst für die jeweils heilsamste Abwehrstrategie entscheiden könnten. Aber das steht nicht in unserer Macht. Unsere seelischen Immunreaktionen lassen sich genauso wenig bewusst steuern wie die Wirkung von Antikörpern in unserer Blutbahn." (S. 126) Ein interessantes Ergebnis der Studie ist der Abgleich von Erinnerungen und den tatsächlich dokumentierten Ereignissen: "Wenn man Lebensläufe in Echtzeit dokummentiert, stellt sich bald heraus: Je länger ein Mensch lebt, desto mehr entfernt sich seine Interpretation der Vergangenheit von dem, was objektiv geschehen ist." und weiter "Die meisten Erinnerungen aber werden fortlaufend gefiltert und geschönt, damit sie mit dem jeweils aktuellen Selbstbild übereinstimmen." (S. 125)
Letztlich kann ich an dieser Stelle nur meine Anmerkung zum Heft GEO WISSEN Nr. 47 - 05/11 wiederholen:
"Doch trotz aller Studien und Forschungen, trotz all der Versuche der Typologisierung und Klassifzierung von Menschen, trotz aller Ratschläge und Regeln, jeder Mensch ist mit seiner eigenen Existenz konfrontiert. Das Leben bleibt ein Mysterium."

