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Lesetipp: GEO Magazin Nr. 08/11
Kategorie: Körper & PsycheDie neue Heilkunst
Die neue Heilkunst: Das Beste zweier Welten. Noch herrscht viel Misstrauen zwischen Medizinern alter Schule und jenen, die auch Akupunktur, Heilkräuter oder Yoga einbeziehen. Doch die Fronten bröckeln. Beide Seiten erforschen neue Wege des Heilens. Studieren, wie der Geist den Körper beeinflusst. Und entwickeln wissenschaftliche Standards auch für alternative Therapien
© Bild und Text GEO Magazin
Kommentar:
Ein guter Artikel über die Annäherung von Schulmedizin und Naturheilkunde. "Die Grabenkämpfe in der Medizin schaden allen, vor allem den Patienten" wird Gustav Dobos, der Pionier der deutschen "Integrativen Medizin", auf S. 120 zitiert.
Messbarkeit und Evidenz sind die Dogmen der modernen "High Tech" Medizin. Allerdings haben die meisten Patienten bescheidenere Ansprüche: "Rund 70 Prozent der Krankeitskosten in den Industriestaaten entstehen durch chronische Leiden; einem Feld, auf dem die Erfahrungsmedizin ihre Stärken hat: mit ganzheitlichen Ansätzen, die nicht nur auf Symptome abzielen, sondern auf das gesamte Befinden, ..." S.120.
Ausführlich werden in dem Artikel die Schwächen der wissenschaftlich orientierten "Evidenz-basierten Medizin" (EBM) dargelegt. Die geforderten randomisierten Doppelblindstudien sind nämlich sehr schwer und nur unter bestimmten Bedingungen erstellbar. Auch gängige Verfahren der Schulmedizin genügen daher den eigenen Ansprüchen nicht.
Der Einfluss der pharmazeutischen und medizintechnischen Industrie in Deutschland wird auch erwähnt. Studien zur Prävention von Krankheiten werden z.B. kaum finanziert. Die Krise unseres Gesundheitssystems wird, ähnlich wie in den USA, aber letztlich zu einer ideologiefreien Erneuerung führen: "Das teuerste System der Welt hat gleichzeitig einen der schlechtesten Versorgungsgrade." S. 123.
Sehr gut wird auch die Bedeutung der "Mind-Body-Medizin" am Beispiel der "Relaxation Response" von Herbert Benson und der "Mindfulness-based Stress Reduction" von Jon Kabat-Zinn erläutert.
Zur Bedeutung des Verhältnisses von Arzt und Patient wird Ted Kaptchuk auf S. 128 zitiert: "Durch die therapeutische Beziehung lassen sich alle Krankheiten beeinflussen, die subjektiv geprägt sind ... Schmerzen, Gemütsleiden, Stressfolgen - und die machen den größten Teil der täglichen Arztpraxis aus."
Erschreckend sind die Zahlen zur Nutzung von Medikamenten: "Tabletten sind das wichtigste Instrument der Medizin, doch trotz der hohen Kosten, die sie verursachen - 2009 waren es in der gesetzlichen Versicherung 30 Milliarden Euro -, wird jedes fünfte Medikament nicht vorschriftsmäßig eingenommen." S. 129
Gut ist auch, dass die Prävention von Krankheiten mehr in den Mittelpunkt rückt. Aber auch hier sind es die enormen Kosten, welche zum Umdenken zwingen: "... summiert sich der Wertschöpfungsausfall durch Krankheit in Deutschland auf jährlich 225 Milliarden Euro; 3600 Euro pro Arbeitnehmer." S. 130
Wie auch in der Neurowissenschaft endlich geistige Prozesse und Methoden, wie z.B. die Meditation, untersucht werden, öffnet sich nun auch die Medizin den bisher abgelehnten Verfahren der Naturheilkunde. Bei beiden ist es ein Gewinn für Praktizierende und Patienten, da durch die offene wissenschaftliche Betrachtung der dogmatische, religiöse oder esoterische Balast mancher Praktiken und Lehren abgelegt werden kann.
Anzumerken bleibt noch, dass an diesem Montag die Nachrichtenmagazine "Spiegel" und "Focus" mit Titelgeschichten zur "Burnout-Falle" (Spiegel 30/11) und dem "Wunder Selbstheilung" (Focus 30/11) erschienen sind. Aktuelle Themen wie es scheint.

