md | bewegtSein & balance

bewegtSein & balance
michaelditsch.de

Lesetipp: Psychologie Heute 2011/07

Kategorie: Körper & Psyche

Von: Michael Ditsch

Das schaff ich schon!

Lesetipp: Psychologie Heute 2011/07

Zuversicht bewahren in schwierigen Zeiten. Resilienz: Ein Schutzschild für die Seele. "Mir passiert schon nichts." Nach diesem Motto leben wohl die meisten Menschen. Doch dann geschieht etwas: eine Trennung, eine Krankheit, ein Unfall, eine Kündigung, die Natur zeigt ihre Gewalt - und wir sind geschockt, traumatisiert und fragen uns: Wie weiter leben? Die Resilienzforschung zeigt: Wir brauchen besondere psychische Bewältigungsmechanismen, um unter äußerst belastenden Lebensumständen nicht zusammenzubrechen und zuversichtlich zu bleiben. Und: Wir können lernen, unsere seelische Widerstandskraft zu stärken.

© Text und Bild Psychologie Heute

Kommentar:
In seinem lesenswerten Editorial schreibt Heiko Ernst: "Es kann jeden von uns jederzeit treffen. Wir sind und bleiben verletzlich, zerbrechlich, in der psychologischen Fachsprache: vulnerabel. Der Mensch ist weniger der Macher seines Schicksals, meint der Philosoph Odo Marquard, er ist die Summe dessen, was ihm im Laufe seines Lebens so alles widerfährt. Wir können uns mit diesem Gedanken wohl nicht so recht anfreunden - wir wären lieber Macher, wie wir überhaupt die Machbarkeit zum Fetisch der Moderne erhoben haben." Das Thema des Heftes ist Resilienz, also die Fähigkeit Schicksalschläge auszuhalten und daran zu wachsen. Interessant ist dabei die Frage, ob Resilienz erlernbar ist. Heiko Ernst bemerkt dazu: "Der amerikanische Resilienzexperte Glen Elder warnt allerdings davor, einem Machbarkeitswahn in Sachen Resilienz zu erliegen. Er erinnert an den unberechenbaren Rest von Schicksal: '... nicht einmal große Begabung und Fleiß garantieren, dass man die Widrigkeiten des Lebens meistern kann - wenn die Chance dazu fehlt.' Wir brauchen neben resilienten Kampfeswillen und Lebensmut auch eine Möglichkeit, um diese überhaupt ausspielen zu können. Manchmal ist Glück eben doch Glückssache."
Der Artikel von Ursula Nuber ab S. 20 " Leben mit einer dicken Haut" beschäftigt sich mit Resilienz. Das Thema ist heutzutage sehr aktuell "weil die seelische 'Elastizität' vieler Menschen durch die vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit besonders beansprucht zu sein scheint." Auch wenn in dem Artikel die positiven Wirkungen von Resilienz mit vielen Beispielen, wie z.B. Viktor Frankl, aufgezeigt werden, ist Resilienz sicher nicht die Lösung für alle Lebenssituationen: "Manchmal geht es eben nicht um Resilienz und um Anpassung, sondern um Verweigerung und Auflehnung."
Lesenswert auch das Interview "Das Internet ist noch nicht erwachsen" mit Sherry Turkle über die Auswirkungen unseres Online-Daseins auf unsere Psyche: "Wir laufen dadurch Gefahr, uns eine Reflektionslosigkeit anzugewöhnen, einen Mangel an kritischem Hinterfragen."
Ein weiteres lesenswertes Interview findet sich ab S. 60. Der Arbeitssoziologe Stephan Voswinkel über die Anerkennungskultur in den Unternehmen: "Wer keine Anerkennung sät, wird auch keine Leistung ernten."