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michaelditsch.de
Lesetipp: stern Gesund Leben 3/2011
Kategorie: Körper & PsycheSehnsucht nach Ruhe
E-Mails und Konferenzen, Überstunden und Termindruck: Immer mehr Menschen, denen scheinbar alle Türen offen stehen, fühlen sich heute ausgebrannt. Ruhelos, fremdbestimmt und geschwächt taumeln sie in die Grauzone vor der Depression, die unter dem Modebegriff "Burnout" Karriere gemacht hat - und deshalb oft verkannt wird. stern Gesund Leben widmet seine neue Ausgabe den Treibern hinter dem Erschöpfungssyndrom unserer Zeit und wirksamen Heilmethoden. Ein umfangreicher Therapiekompass zeigt Warnsignale, den Verlauf des Krankheitsbildes und geeignete Behandlungsformen für die verschiedenen Schweregrade des Ausbrennens. Außerdem liefert das neue Heft einen international anerkannten Stress-Test dänischer Forscher für das persönliche Burnout-Risiko und alltagsnahe Ideen zur Entschleunigung. Daneben untersucht stern Gesund Leben auch gesellschaftliche Ursachen für das neue Volksleiden.
© Text und Bild Stern Gesund Leben
Kommentar:
"Philosophen sehen bereits das Zeitalter der Müdigkeit heraufziehen, mit dem Seeleninfarkt als Massenphänomen". Dieser Satz steht auf S. 16 des neuen Stern Gesund Leben. Der dazugehörige Artikel beschreibt sehr gut das Phänomen "Burnout" und zeigt auch einige Ursachen für das wachsende Gefühl der Überforderung. Auswirkungen der Globalisierung, der Optimierungswahn oder der Verlust des Sozialen führen zur Erschöpfung des Individuums.
Sehr deutlich erklärt der Artikel von Claus Leggewie ab S. 26 die individuelle Überforderung: "Wie soll die Seele gesunden, wenn die Welt, in der wir arbeiten, krank ist?" und weiter "Der Pariser Soziologe Alain Ehrenberg sprach 1998 von der 'Müdigkeit, man selbst sein zu müssen'. Die Häufigkeit von Depressionen und Suchtkrankheiten aller Art führte er auf die Überforderung des (post)modernen Menschen zurück, in Erfüllung des Versprechens der autonomen Persönlichkeit jederzeit für alles selbst verantwortlich sein zu sollen". Der Einzelne ist meist nicht in der Lage, um die Rahmenbedingungen seiner Existenz zu ändern. "Therapeuten sind überfordert, wenn sie Menschen 'heilen' sollen, die an soziale Grenzen gestoßen sind". Eine Lösung sieht Claus Leggewie in der Ausrichtung auf unsere Zukunft und der Veränderung unserer Lebensweise: "Hilfe benötigen nämlich nicht nur die seelisch Kranken, verbesserungsbedürftig sind vor allem die defekten Marktverhältnisse, mit denen jüngsten Umfragen zufolge annähernd zwei Drittel der Deutschen schlicht nicht mehr einverstanden sind (ein historischer Wert). Vor allem drei Dinge werden vermisst: der Schutz der Umwelt, der sorgsame Umgang mit Ressourcen und soziale Gerechtigkeit".
Lesenswert auch das Interview "Erbliche Belastung" mit Frederike Otto ab S. 62.

