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Lesetipp: ZEIT WISSEN Ausgabe 06/11

Kategorie: Körper & Psyche

Von: Michael Ditsch

Die Kunst der Entscheidung

Lesetipp: ZEIT WISSEN Ausgabe 06/11

Die Welt steht uns offen. Wir haben heute so viele Möglichkeiten wie nie zuvor – wir müssen uns nur entscheiden. Aber wie? Und auf wen sollen wir hören? Auf Freunde, den Verstand, den Bauch? Bei jeder unserer Entscheidungen werden wir beeinflusst. Von wem und wie zeigen neue Forschungsergebnisse - und sieben Beispiele aus dem wahren Leben, die lehren, Fehlentscheidungen zu vermeiden.

© Text und Bild Zeit Wissen

Kommentar

In der Titelgeschichte des Oktober/November Heftes beschreibt die Zeit Wissen Redaktion 7 Beispiele zum Thema Entscheidungen: unter Stress (S. 17), bei der Wahl des richtigen Partners (S. 19), beim Einkaufen (S. 20), bei der Berufswahl (S. 20), beim Geldanlegen (S. 22), für oder gegen Kinder (S. 24), beim Essen (S. 26). Ab S. 28 zusätzlich das Thema Fehlentscheidungen.

Zu Beginn des hervorragenden Artikels über die Kunst der Entscheidung schildern die Autoren, wie der Neurologe Antonio Damasio anhand klinischer Studien zu der Erkenntnis gekommen ist, dass ohne Gefühl der Verstand hilflos ist. Die Patienten von Damasio hatten durch Krankheit oder Unfälle die Fähigkeit zu Fühlen verloren und konnten in Folge dessen keine Entscheidungen mehr treffen.

"Mit dem Verstand stellt man sich Situationen vor, zu denen die Optionen führen könnten, und wägt ab, wie man sich in diesen Situationen fühlen würde. Eine beachtliche mentale Leistung, zu der nur Menschen fähig sind. Wer Gefühl oder Verstand verliert, verirrt sich im Dickicht der Möglichkeiten." S.16

Anhand der geschilderten Beispiele wird immer wieder aufgezeigt, wie selten wir eigentlich wirklich rational entscheiden und wie unsere Entscheidungen beeinflußt werden.

"Auch wenn wir glauben, souverän zu sein, lassen wir uns von Faktoren beeinflussen, die wir nicht einmal bemerken." S. 16

"'In bedrohlichen Situationen schüttet das Gehirm Noradrenalin aus', sagt der Bremer Hirnforscher Gerhard Roth. Der Botenstoff lässt uns blitzschnell reagieren, schaltet aber weite Teile der Großhirnrine ab. 'Rationale Entscheidungen sind dann praktisch nicht mehr möglich', sagt Roth." S. 17

Das Beispiel "Geld investieren" passt gut zur aktuellen Diskussion über das Finanzsystem:

"Entscheidungen, bei denen es um Geld geht. Lange meinte die Wissenschaft, die Menschen handelten dabei rational. Heute ist der Homo oeconomicus beerdigt. Denn wir begehen ständig finanzielle Dummheiten. Die Neuroökonomie hat dafür eine Erklärung: unsere Emotionen - Gier und Lust, Angst und Panik. Unser Gehirn ist nicht für die Wallstreet gemacht. Eher für die Wildnis." S. 22

Sehr gut finde ich auch folgenden Satz zum Thema Fehlentscheidungen:

"Auch wenn sich Entscheidungen später als falsch herausstellen, gibt es in dem Moment, in dem wir sie treffen, häufig gute Gründe dafür. Deshalb proklamieren viele Psychologen: Fehlentscheidungen gibt es nicht." S. 28

Bei Entscheidungen ist es, meiner Meinung nach, oft schwierig zu beurteilen, ob sie nun richtig oder falsch waren. Wir können ja nicht wissen, wohin uns eine andere Entscheidung geführt hätte und wer hat nicht schon erlebt, dass sich angebliche Fehlentscheidungen Jahre später als ein Segen herausstellen.

Sehr gut auch der Beitrag "Können wir wirklich frei entscheiden?" von Tobias Hürter auf S. 26:

"Freier Wille bedeutet, dass Menschen selbstbestimmt handeln. Ihre Wünsche und Absichten sind Ursachen ihrer Handlungen. So gesehen ist es nicht überraschend, dass sich Entscheidungen aus Reizmustern im Gehirn vorhersagen lassen. Denn dort sind auch unsere Wünsche und Absichten versteckt."

Weitere lesenswerte Artikel: "Die süße Illusion" über Zucker (S. 56), "Allein - und gemein?" über Einzelkinder (S. 88), "Der Tod der anderen" über Schicksalschläge (S. 94) und das Dossier Mobilität ab S. 78.