- 1:Info & Termine.
- 2:BewegtSein & Balance.
- 3:Spiritualität & Lebenskunst.
- 4:Körper & Psyche.
- 4.1:Chuck & Lency Spezzano.
- 4.2:Embodiment.
- 4.3:Achtsamkeit.
- 4.4:Meditation.
- 4.5:Epigenetik.
- 4.6:Freier Wille.
- 4.7:Individuelle Realität.
- 4.8:Big Five.
- 5:Gesundheit & Ernährung.
- 6:Erde & Mensch.
- 7:Web & More.
- 8:Links & Empfehlungen.
- 9:Michael Ditsch.
Weiterführende Literatur

- Persönlichkeits-psychologie
Jens Asendorpf
Springer 2011

- Führen mit dem Big-Five-Persönlichkeitsmodell
Das Instrument für optimale Zusammenarbeit
Pierce J. Howard, Jane Mitchell Howard
Handelsblatt
Campus Verlag 2008

- Persönlichkeit
Entwicklung
Sozialverhalten
Basiswissen Teil 3
Gehirn&Geist 2011
Big Five
Sich selbst und andere erkennen

"Allen Menschen ist zuteil, sich selbst zu erkennen und verständig zu denken." schreibt
Herakleitos (DK 22 B 116) und auch der Spruch "Gnothi seauton" (Erkenne dich selbst) auf der Säule der Vorhalle des Apollontempels in Delphi erinnert an die menschliche Fähigkeit zur Selbsterkenntnis. Seit der Mensch Wissenschaft betreibt, messen und einteilen kann, wird auch versucht, menschliche Eigenschaften zu beschreiben.
"So unterschiedlich wir sind. Jeder ist ein Unikat. Doch das Gewimmel der Merkmale ist nicht so regellos, wie es scheint. Die Vielfalt hat ein Gerüst, einen verborgenenen Ordnungsrahmen. Inspiziert und vergleicht man die persönlichen Eigenarten vieler tausend Individuen einer Bevölkerung, so stößt man auf Muster." Saum-Aldehoff, 2007, S. 9
Allerdings hatten die meisten Persönlichkeitsmodelle den Nachteil, dass sie auf subjektiven Annahmen und eingeschränkten Blickwinkeln beruhten. Die amerikanischen Psychologen Gordon Willard Allport und Harold Odbert entwickelten daher in den 1930er Jahren einen lexikalischen Ansatz zur Persönlichkeitsbeschreibung. "In unserer Sprache bündeln wir Eigenschaften zu Traits, zu großen Grundzügen der Persönlichkeit. In der Sprache selbst steckt also ein Persönlichkeitsschema - eine implizite Theorie der Persönlichkeit." Saum-Aldehoff, 2007, S. 38
Aus diesem Ansatz heraus entstanden im weiteren Verlauf der Forschung die fünf grundlegenden Persönlichkeitseigenschaften (Big Five), welche bis heute welweit als plausibles Modell anerkannt sind: Extraversion, Neurotizismus, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für neue Erfahrungen.
Die Big Five basieren auf nachprüfbaren wissenschaftlichen Kriterien und durchgeführte Test erfüllen die Forderungen nach Objektivität (verschiedene Anwender erhalten dieselben Ergebnisse), Reliabilität (Zuverlässigkeit der Ergebnisse) und Validität (Gültigkeit des Verfahrens).
Natürlich sind die Big Five in der Persönlichkeitspsychologie nicht unumstritten und werden daher auch kritisch diskutiert. Bessere Modelle sind zur Zeit allerdings nicht in Sicht. "Persönlichkeit ist ein kompliziertes Geflecht von Wechselwirkungen. Bei allen Unzulänglichkeiten liefern die Analogien der Sprache, die sich im Big-Five-Modell spiegeln, noch immer die prägnanteste und umfassendste Beschreibung dessen, was uns als Menschen seelisch unterscheidet." Saum-Aldehoff, 2007, S. 44
Die Big Five stellen ein Kontinuum zwischen Eigenschaftspolen dar und sind daher eher als Achsen zu verstehen. Ein individuelles Persönlichkeitsprofil ergibt sich erst durch die Verknüpfung der Grundeigenschaften und ihrer Unterskalen (Jeweils sechs Facetten. Siehe Tabelle unten). Das eigene Persönlichkeitsprofil kann durch einen Test (Link siehe unten) ermittelt werden.
Das Big Five Persönlichkeitsprofil bleibt über die ganze Lebenspanne erstaunlich stabil und daher ist eine genetische Komponente zu vermuten. "Aber die Befunde belegen, dass jeder Mensch von Geburt an ein relativ beständiges persönliches Naturell als Mitgift erhält, dass Persönlichkeit also nicht allein ein Produkt der Erziehung oder der 'Verhältnisse' ist, sondern auf einem biologischen Fundament aufbaut." Saum-Aldehoff, 2007, S. 176
Selbst traumatische Erfahrungen, psychologische Therapien oder kognitive Verfahren können das persönliche Profil kaum beeinflussen. "Doch dramatische Wandlungen sind rar. Seelische Neugeburten finden nicht statt. Keiner wird per Willensakt ein anderer Mensch." Saum-Aldehoff, 2007, S. 183
Selbsterkenntnis über die eigene Persönlichkeit erleichtert uns die Gestaltung unserer individuellen Lebenswirklichkeit. "Die Gene indes sind mächtige Steuerleute in diesem Prozess der Selbstfindung. Individuen formen die Umwelt, in der sie leben. Und die Art, wie sie diese Umwelt gestalten, hängt entscheidend von ihrem natürlichen Temperament ab. Die Verhaltensgenetikerin Sandra Scarr nennt das niche picking. So wie sich ein Biber seine Lebensnische schafft, indem er einen Fluss aufstaut, richten wir Menschen uns in Nischen ein, die zu unseren Neigungen, unserer Persönlichkeit passen - und damit eben letztlich auch zu unseren genetischen Anlagen." Saum-Aldehoff, 2007, S. 185
| Big Five | Facetten |
|---|---|
| Extraversion bzw. Introversion | Herzlichkeit, Geselligkeit, Durchsetzungsfähigkeit, Aktivität, Erlebnishunger, Glückserleben |
| Neurotizismus | Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Depression, Soziale Befangenheit, Impulsivität, Verletztlichkeit |
| Verträglichkeit | Vertrauen, Freimütigkeit, Altruismus, Entgegenkommen, Bescheidenheit, Gutherzigkeit |
| Gewissenhaftigkeit | Kompetenz, Ordnungsliebe, Pflichtbewusstsein, Leistungsstreben, Selbstdisziplin, Besonnenheit |
| Offenheit für Neues | Offenheit für Fantasie, Offenheit für Ästhetik, Offenheit für Gefühle, Offenheit für Handlungen, Offenheit für Ideen, Offenheit des Normen- und Wertesystems |

Buchtipp
Es gibt Menschen, die mit beneidenswerter Gelöstheit auf wildfremde Personen zugehen, andere stehen auf Partys linkisch am Rand. Während manche das Leben unbeschwert nehmen, grübeln andere über die Kränkungen und Missgeschicke des Tages nach. Was unterscheidet uns voneinander und warum verhalten wir uns so, wie wir es tun? Seit den Anfängen der Psychologie suchen Forscher nach den Grundachsen der Persönlichkeit, aber erst in jüngster Zeit hat sich ein Konzept durchgesetzt: das Fünf-Faktoren-Modell, die "Big Five". Wie sich diese fünf Grundzüge der Persönlichkeit im Alltag bemerkbar machen und wie sie sich im Laufe des Lebens verändern - davon erzählt dieses Buch. © Bild und Text Patmos. Big Five - Sich selbst und andere erkennen, Thomas Saum-Aldehoff, Patmos, 2007
Extraversion - Introversion
Extraversion bzw. Introversion sind die bekanntesten und am gründlichsten erforschten Persönlichkeitsdimensionen der Big Five. "Die beiden Persönlichkeitstypen unterscheiden sich im Grad der äußeren Stimulation, die sie brauchen, um optimal zu funktioneren. Introvertierte fühlen sich mit weniger Stimulation 'in ihrem Element', beispielsweise, wenn sie ein Glas Wein mit einem guten Freund trinken, ein Kreuzworträtsel lösen oder ein Buch lesen. Extravertierte genießen den zusätzlichen Kick, wenn sie andere Menschen kennenlernen, auf Skiern gefährliche Pisten hinunterfahren oder die Stereoanlage weit aufdrehen." Cain, 2011, S. 26
Extraversion und Introversion sind keine Gegensätze, sondern bezeichnen Skalen der inneren und äußeren Sinneserfahrung. Ein extravertierter Mensch ist eher außenorientiert, auf seine Umwelt gerichtet, kontaktfreudiger und gewinnt Energie aus dem Zusammensein mit anderen Menschen. Ein introvertierter Mensch ist eher innenorientiert, konzentrierter, intensiver und gewinnt Energie aus dem Beisichsein.
"Introversion sollte nicht als Gegensatz zu Extraversion, sondern als Fehlen von Extraversion verstanden werden. Introvertierte erledigen Dinge oft lieber alleine und wirken eher verschlossen, aber nicht wegen mangelnder sozialer Kompetenzen oder aufgrund sozialer Ängste, sondern einfach, weil sie es oft vorziehen, allein und unabhängig zu sein. Deshalb sind sie aber nicht unbedingt unglücklich; es fehlt ihnen lediglich das Bedürfnis nach Geselligkeit und die zugewandte Herzlichkeit der Extravertierten." Persönlichkeitspsychologie, Jens Asendorpf, Springer, 2011, S. 67

Buchtipp
Selbstsicheres Auftreten und die Beherrschung von Small Talk sind nicht alles. Susan Cains glänzendes Plädoyer für die Qualitäten der Stillen. "Ein leerer Topf klappert am lautesten". Aber wer der Welt etwas Bedeutendes schenken will, benötigt Zeit und Sorgfalt, um es in Stille reifen zu lassen. "Still" ist ein Plädoyer für die Ruhe, die in unserer Welt des Marktgeschreis und der Klingeltöne zu verschwinden droht. Und für leise Menschen, die lernen sollten, zu ihrem "So-Sein" zu stehen. Ohne sie hätten wir heute keine Relativitätstheorie, keinen "Harry Potter", keine Klavierstücke Chopins, und auch die Suchmaschine "Google" wäre nie entwickelt worden. "Still" baut eine Brücke zwischen den Welten, kritisiert aber das gesellschaftliche Ungleichgewicht zugunsten der Partylöwen und Dampfplauderer. Es herrscht eine "extrovertierte Ethik", die stille Wasser zwingt, sich anzupassen oder unterzugehen. Ihre Eigenschaften - Ernsthaftigkeit, Sensibilität und Scheu - gelten eher als Krankheitssymptome denn als Qualitäten. Zu unrecht, sagt Susan Cain, und stellt sich gegen den Trend, der "selbstbewusstes Auftreten" verherrlicht. "Still" ist das Kultbuch für Introvertierte, hilft aber auch Extrovertierten, ihre Mitmenschen besser zu verstehen. © Text und Bild Riemann. Still - Die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt, Susan Cain, Riemann, 2011 -
Kommentar zum Buch bei michaelditsch.de

Buchtipp
Topothesie ist frei übersetzt eine "lebhafte Schilderung einer wunderschön vorgestellten Welt". Ja, "artgerechte Haltung von Menschen", das wäre es! Hört auf, ruft Dueck, die Lebhaften zu unterdrücken! Lasst das unnütze Erziehen der Braven, sie sind doch schon brav – und werden nur ängstlich Angepasste! Versteht sie, die Scheuen, die Lieben und Friedfertigen, damit sie nicht in Klöster oder Universitäten fliehen müssen! Wer Menschen gerecht gleich behandelt, verwundet sie fast alle. Und die Verletzten reagieren wie Muscheln, die den Schmerz mit Perlmutt überziehen. Der Schmerz und die Perle werden zum Zentrum des Lebens. Und weil die Perle so schön aussieht, bewundern wir sie als unsere glänzende Leistung oder unseren Lebenssinn. Was aber ist Leben wirklich? Das Buch begibt sich auf eine Rundreise zu den unerhörten Wunden der menschlichen Seele, stolpert über die Reste herkömmlicher Vorstellungsmodelle des Menscheninnern hinweg – und wird am Ende wunderbar hell. © Bild und Text Springer. Topothesie - Der Mensch in artgerechter Haltung, Gunter Dueck, Springer Verlag, 2009
Website von Gunter Dueck:
www.omnisophie.com
Basierend auf der Temperamentklassifikation von David Keirsey entwickelt Gunter Dueck ein eigenes Charaktermodell. "Die von mir so genannten richtigen Menschen denken logisch und strukturiert, die wahren mehr intuitiv und ganzheitlich, die natürlichen Menschen erklären das Primat des Willens über das Denken." Dueck, 2009, S. 53

Lesetipp
Psychologie Heute - Heft 01/2011 - Stille Menschen - das Geheimnis der Introvertierten. Wird Ihnen schnell mal alles zu viel? Zu viel Geschwätz, zu viel Informationen, zu viel Hektik? Fühlen Sie sich mit einem guten Buch auf der Couch besser als auf einer lebhaften Party? Dann sind Sie vermutlich introvertiert. Introversion ist eine Persönlichkeitseigenschaft, die oft mit Schüchternheit verwechselt wird. Doch Introvertierte sind nicht schüchtern. Sie sind nur nachdenklicher, genauer und tiefgründiger. Leider wird das oft übersehen, weil die Selbstdarsteller und Schnellredner sich heute immer mehr vordrängen. © Text und Bild Psychologie Heute -
Kommentar zum Heft bei michaelditsch.de
Mehr Informationen
- PSYTESTS-Studie - Fünf Hauptfaktoren der Persönlichkeit
Institut für Psychologie der Humboldt-Universität zu Berlin
www2.psychologie.hu-berlin.de/psytests/ffm/ - Freier Wille -
Freier Wille bei michaelditsch.de - Introversion und Extraversion bei Wikipedia
de.wikipedia.org/wiki/Introversion_und_Extraversion - Big Five (Fünf-Faktoren-Modell) bei Wikipedia
de.wikipedia.org/wiki/Big_Five_(Psychologie) - Myers-Briggs-Typindikator bei Wikipedia
de.wikipedia.org/wiki/Myers-Briggs-Typindikator - Barnum-Effekt bei Wikipedia
de.wikipedia.org/wiki/Barnum-Effekt - Persönlichkeit bei Wikipedia
de.wikipedia.org/wiki/Persönlichkeit - Differenzielle Psychologie bei Wikipedia
de.wikipedia.org/wiki/Differenzielle_Psychologie - Gnothi Seauton bei Wikipedia
de.wikipedia.org/wiki/Gnothi_seauton - Keirsey Temperament Sorter bei Wikipedia
de.wikipedia.org/wiki/Keirsey_Temperament_Sorter
