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		<lastBuildDate>Sun, 22 Apr 2012 18:14:00 +0200</lastBuildDate>
		
		
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			<title>Buchtipp: &quot;Einfach Ballengang&quot; von Dirk Beckmann</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/buchtipp-einfach-ballengang-von-dirk-beckmann.html</link>
			<description>Natürliches Gehen</description>
			<content:encoded><![CDATA[Lernen Sie das funktionale Bewegungsmuster Ballengang und werden Sie ein völlig neuer Mensch. Beseitigen Sie die Ursachen diverser Fußprobleme oder Rückenschmerzen und fühlen Sie sich beweglicher, dynamischer und leistungsstärker - und das ganz natürlich. Zusätzlich wird sich Ihre Körperhaltung verbessern und Sie können mit einer tollen Ausstrahlung punkten. Im Buch erfahren Sie, wie es geht. Locker und leicht geschrieben und natürlich mit vielen Fotos und Übungsbeispielen, damit Sie sofort loslegen können.&nbsp;© Bild und Text Books on Demand. Einfach Ballengang: Natürliches Gehen, Dirk Beckmann, Books on Demand, 2012
<b>Kommentar</b>
Beim Praktizieren von chinesischen Kampf- und Gesundheitskünsten wird sehr viel Wert auf korrektes Stehen und Gehen gelegt. Die optimale Körperausrichtung im Stand und in der Bewegung ist wesentlicher Teil der Übung. Bei der Schrittarbeit wird ständig die Verbindung von Stabilität und Dynamik gesucht. Beim Laufen einer Form, wie z.B. im Taijiquan, ist jeder Schritt und jede Fußbewegung zugleich der Ausgangspunkt für die nächste Anwendung. Sicheres Absetzen eines Fußes mit gleichzeitiger stabiler Gewichtsverlagerung des ganzen Körpers ermöglicht z.B. die sofortige Ausführung einer Wurftechnik. Voraussetzung für alle Anwendungen ist eine gut entwickelte Körperwahrnehmung und eine angepasste Körperspannung. Auffallend ist dabei, dass bei der Schrittarbeit oft mit dem Fußballen zuerst der Boden berührt wird.
In seinem 44 Seiten umfassenden Buch über den Ballengang geht Dirk Beckmann in humorvoller Weise auf die chinesischen Künste ein:
&quot;Ähnliche Effekte werden seit tausenden von Jahren mit zahlreichen Meditations-Formen oder Chi-Gong-Übungen erzielt. Allerdings sind diese häufig wesentlich komplizierter und geheimnisumhüllter. Manchmal geht es aber auch ganz einfach und ganz ohne 'Chi' und 'Chakren', die in meinen Augen auch nichts weiter als Hilfskonstrukte sind. Wenn sie Ihnen helfen, dann nutzen Sie sie. Ansonsten überlassen Sie das 'Chi' getrost den 'Chi-nesen'.&quot; Loc. 319
Tatsächlich sind die asiatischen Lehren, genauso wie ihre westlichen Entsprechungen, im jeweiligen kulturellen Kontext funktionierende Modelle zur Beschreibung der Realität. Allerdings scheint Dirk Beckmann sein Wissen auch aus asiatischen Quellen zu beziehen.
Wird in der Übungspraxis chinesischer Künste auf vorfußbasierte Schrittarbeit geachtet, dominiert im beschuhten alltäglichen Gehen der Fersengang. Warum eigentlich? Auf die Frage nach den Ursprüngen des Fersenganges kann Dirk Beckmann keine zufriedenstellende Antwort geben. Aber das ist für den Praktiker Beckmann auch nicht wichtig. Die Vernachlässigung umfassender theoretischer Erörterungen zeichnet den kleinen Ratgeber auch aus. Nach einer kurzen Einführung in die Grundlagen der beiden Gangarten Ballen- und Fersengang, wird der Leser in den folgenden Kapiteln mit vielen praktischen, gut erklärten und gut bebilderten Übungen an den Ballengang herangeführt.
Sehr gut haben mir die Vorübungen zur Körperwahrnehmung und die Anleitungen für die Übungen gefallen. Erinnern sie doch sehr an die eigene Übungspraxis. Langsamkeit, spielerisches Üben und Achtsamkeit werden von Dirk Beckmann immer wieder betont.
Im 7. Kapitel geht Dirk Beckmann auf die sehr wichtige Frage nach dem richtigen Schuhwerk ein. Allerdings werden nur grundlegende Aussagen zum optimalen Schuh gemacht. Die Forderung nach Zehenfreiheit und Verzicht auf einen Absatz ist nachvollziehbar. Leider gibt es keine Hinweise auf mögliche Alternativen zum herkömmlichen Schuhwerk. Auch auf seiner Website (s.u. Link) sind dazu bisher keine Informationen zu finden.
In der Lauf- oder Marathon Szene wird schon länger über die Vor- und Nachteile von Vorfuß- und Fersenlauf diskutiert. Dirk Beckmann hat mit seinem lesenswerten Buch die Aufmerksamkeit auf das normale Gehen gelenkt. Allerdings ist bei der Umsetzung mit Bedacht vorzugehen. Bewegungsgewohnheiten lassen sich nicht so schnell ändern und es können dabei auch viele Fehler gemacht werden.]]></content:encoded>
			<category><a href="bewegtsein-balance.html" target="_self" title="BewegtSein &amp; Balance">BewegtSein &amp; Balance</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Sun, 22 Apr 2012 18:14:00 +0200</pubDate>
			
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		<item>
			<title>Lesetipp: Psychologie Heute 05 / 2012</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/lesetipp-psychologie-heute-05-2012.html</link>
			<description>Nur nicht aufgeben! Warum Durchwursteln oft die beste Strategie ist</description>
			<content:encoded><![CDATA[Wir haben ein Problem - und suchen nach der richtigen Lösung. Wir müssen eine Entscheidung treffen - und setzen alles daran, dass es nur ja keine falsche ist. Wir haben ein Ziel - und hoffen, es auf geradem Weg erreichen zu können. Doch immer öfter müssen wir feststellen: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Wir müssen Kompromisse finden, Umwege gehen, improvisieren. Das Durchwursteln ist zu einer Kernkompetenz der modernen Lebensgestaltung geworden.&nbsp;© Bild und Text Psychologie Heute
<b>Kommentar</b>
Der Untertitel des neuen Psychologie Heute Heftes hat mich sehr neugierig gemacht: &quot;Warum Durchwursteln oft die beste Strategie ist&quot;. Durchwursteln und Strategie? Das klang für mich, irgendwie, sehr daoistisch. Und tatsächlich schreibt Heiko Ernst in seinem sehr lesenswerten Editorial:
&quot;'Experimentelles Leben' - das heißt alltagssprachlich: Manchmal hilft nur Durchwursteln. Manchmal gibt es keine einfachen oder schnellen Lösungen für die Aufgaben, die das Leben uns stellt. Weil es trotzdem irgendwie weitergehen muss, improvisieren wir und finden Kompromisse und Zwischenlösungen ...&quot; und weiter &quot;Denn noch immer wirkt die Verheißung der Moderne, der Mythos vom geradlinigen Lebensplan, vom allzeit glücklichen Ehe- und Familienleben, vom planbaren Aufstieg und sicheren Erfolg. Und so streben viele Menschen immer wieder nach dem Maximum oder dem Optimum. Dabei übernehmen sie sich regelmäßig, weil 'gut genug' für sie keine akzeptable Qualitätsstufe ist.&quot;
Durchwursteln, Versuch und Irrtum, experimentelles Leben, oder evolutionärer Prozess, diese Begriffe lassen sich auch sehr gut dem Daoismus zuordnen. Sehr schön beschreibt Günter Wohlfahrt das Dao:
&quot;Der Weg, von dem am Anfang des Laozi die Rede ist, ist aber auch kein Weg, den wir mit eigener Kraft 'wegen' (richten, regulieren, bahnen) oder machen können. Es sei denn, dieses Machen wäre ein Machen ohne zu machen, ein Tun ohne zu tun, ein wei wu wei. Wohl ist dieser Weg ein Weg, den man gehen kann, aber so, dass er sich beim Gehen von selbst macht, ohne Absicht, so wie das Wassers sich von selbst seinen Lauf sucht. Der beständige, ständig sich ändernde Weg ist ein wegloser Weg, ein Weg ohne Weg. Er ist ein Weg, der sich wegen und während des Gehens vielleicht von selbst macht, in dem wir den Weg Weg sein lassen. Beim Gehen ist dieser Weg weg, wir vergessen ihn unterwegs, so geht es am besten. Dieser Weg vollendet sich - von selbst so beim Gehen, ...&nbsp; Hören wir auf, nach 'dem Weg' zu suchen, zu fragen, ihn zu planen oder gar gewaltsam zu bahnen. Machen wir uns auf&nbsp; den Weg. Frei-gelassen finden wir uns in offener Weite, den Weg unter unseren Füßen.&quot; Zhuangzi, Wohlfahrt, Reclam, 2003, S. 57
In seinem hervorragenden Artikel geht der Autor Axel Wolf ab S. 20 dem Prinzip des Durchwursteln auf den Grund. Ausgangspunkt seiner Analyse ist &quot;... die immer noch gern gehegte Illusion, dass es so etwas wie einen Masterplan gibt: die eine umfassende, rationale, sichere, 'richtige' Lösung für ein hochkomplexes Problem.&quot; S. 21 <br />Auch sogenannte Experten oder Computersimulationen scheitern an den Unwägbarkeiten des Lebens. Allerdings ist dieses Phänomen nicht nur unseren modernen Umwelten geschuldet, sondern war, meiner Meinung nach, schon immer ein Bestandteil des menschlichen Lebens. Deshalb finden sich in allen Weisheitslehren der Menschheit auch Hinweise für den Umgang mit der Unberechenbarkeit und Unvorhersagbarkeit des Lebenslaufes.
Wahrscheinlich ist die Komplexität unseres modernen Alltags höher als bei unseren Vorfahren. Wahlfreiheit kann da zur Last werden und in vielen Lebensbereichen zu Entscheidungsstress führen. Axel Wolf nennt drei Motive, welche diesen Stress noch verstärken: Wir wollen alles immer richtig machen, wir wollen alles verstehen und begreifen und wir wollen die Kontrolle behalten. Eine mögliche Lösung nennt der Psychologe Barry Schwartz: &quot;... dass die Strategie satisficing (Deutsch etwa: 'Gut genug!') sich als zeit-, nerven- und geldbeutelschonendste - und damit als vernünftigste - Entscheidungsmethode erweist: sich gut informieren, aber dann zu Potte kommen.&quot; S. 22
Sehr interessant finde ich, dass Axel Wolf die Evolution als das erfolgreichste Problemlösungsprogramm bezeichnet und die bewusste Übernahme evolutionärer Prinzipien empfiehlt: &quot;Immer wieder etwas versuchen und dabei das Scheitern in Kauf nehmen, aus Fehlern lernen und so eine allmähliche Verbesserung der Lösungen erreichen - das sind die wesentlichen 'Arbeitsschritte' der Evolution.&quot; S. 23
Auch die Neurobiologen Humberto Maturana und Francisco Varela (siehe Link unten Autopoiesis) haben bereits postuliert, dass die Evolution Fähigkeiten der Lebewesen nicht im absoluten Sinne optimiert, sondern nur so weit entwickelt, wie es für das Überleben eines Organismus in seiner Umwelt notwendig ist.
Ziele, die nicht auf Anhieb erreicht werden können und komplexe Probleme, für die es keine idealen Lösungen gibt, sind Bereiche, in denen durch Versuch und Irrtum, Bereitschaft zum Scheitern und das Lernen aus Fehlern, also mit Durchwursteln, Fortschritte gemacht werden können. Im Wege stehen uns, nach Axel Wolf, dabei nur menschliche Denkfallen und Selbsttäuschungen: &quot;Wir möchten um jeden Preis ein positives, 'fehlerfreies' Selbstbild erhalten, und wir möchten uns nicht vor anderen blamieren. Es gehört offenbar zu den schwierigsten Dingen des Lebens, Fehler zuzugeben und sie ohne großes Aufheben zu korrigieren.&quot; S. 24
Ab S. 26 beschäftigt sich Ingrid Glomp mit dem Durchwursteln in ihrem Artikel: &quot;Das war so nicht geplant! Warum Umwege oft schneller zum Ziel führen&quot;. Ausgangspunkt ist auch hier die moderne Lebenswelt: &quot;Heute leben und agieren wir in und mit einer Fülle von komplexen adaptiven Systemen.&quot; ... &quot;Weil diese Systeme so unüberschaubar sind, können Eingriffe sich noch viel später, ganz woanders oder auf andere Weise auswirken als erwartet. Das bedeutet auch, dass scheinbar offensichtliche Lösungen fehlschlagen oder das Gegenteil bewirken können.&quot; S. 26-27
Mögliche Lösungswege zeigt Ingrid Glomp anhand von Beispielen und Aussagen des Wirtschaftsprofessors John Kay und des Ökonomen und Journalisten Tim Harford. Sehr gut gefällt mir der letzte Absatz des Artikels: &quot;Und wer schlau ist, macht keine großen Pläne für die Zukunft. Denn wie sagte schon John Lennon: 'Leben ist, was dir passiert, während du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu machen.'&quot;
Lesenswert in diesem Heft finde ich noch das Interview mit dem Soziologen und Psychologen Martin Dornes ab S. 30: &quot;Die meisten Menschen sind nicht überfordert&quot; und der Artikel von Edward Hoffman: &quot;Die Psychologie des Zen: Eine Erinnerung an D. T. Suzuki&quot;]]></content:encoded>
			<category><a href="spiritualitaet-lebenskunst.html" target="_self" title="Spiritualität &amp; Lebenskunst">Spiritualität &amp; Lebenskunst</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Tue, 10 Apr 2012 21:19:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Buchtipp: &quot;Wege zur Weisheit&quot; von Hanne Tügel</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/buchtipp-wege-zur-weisheit-von-hanne-tuegel.html</link>
			<description>Der Traum vom richtigen Leben</description>
			<content:encoded><![CDATA[Der Traum vom richtigen Leben und wie man ihn verwirklicht. Weisheit lässt sich nicht erlernen wie eine Fremdsprache, man kann sie nicht herbeizwingen und man bekommt sie nicht verliehen wie eine Auszeichnung. Und doch gibt es Wege, dem Schicksal gelassen, achtsam und mit Humor zu begegnen. Die Wissenschaftsjournalistin Hanne Tügel hat sich aufgemacht, die vielfältigen Vorstellungen und Lehren des hohen Ideals Weisheit zu ergründen und sie auf ihre Alltagstauglichkeit hin zu prüfen. Ob Buddhismus, Philosophie oder die Traumzeit der Aboriginies, neugierig erkundet sie die vielfältigen Konzepte, mit denen sich Menschen seit Jahrtausenden Einsicht erhoffen und sieht sich an, wie sie uns dem Traum vom richtigen Leben näher bringen. Dabei begegnet sie u.a. Neurowissenschaftlern, Caféhausphilosophen, Musikern, Dichtern und Weisheitsforschern - eine spannende Reise, die uns alle ein Stück weiser macht. © Bild und Text Fischer. Wege zur Weisheit, Hanne Tügel, Fischer, 2011
<b>Kommentar</b>
Das Buch &quot;Wege zur Weisheit&quot; von Hanne Tügel habe ich gekauft, weil mir beim Durchblättern die Überschrift des 7. Kapitels besonders aufgefallen ist: 
&quot;Die Empfehlung von Daoisten, Mystikern und Faultieren an den Rest der Welt: Zu viel Tun ist ungesund. Welche Bedeutung die Versenkung und die Kunst des Wu wei für Weisheit haben&quot; und weiter &quot;Faultiere - die heimlichen Daoisten der Wildnis&quot;
Faultiere und Daoismus? Dieses Buch musste ich lesen. Und tatsächlich, zu meiner Freude begegnen mir Laozi und das Daodejing schon im ersten Kapitel mit der Überschrift: &quot;Wer weiß, redet nicht. Wer redet, weiß nicht. Die Weisheit als Paradox - einfach und geheimnisvoll; leicht zu erkennen, schwer zu erringen&quot;. Laozi, Faultierqualitäten und Wu wei werden öfters erwähnt. Allerdings geht es in dem Buch nicht nur um den Daoismus, sondern um eine facettenreiche Annäherung an den schwierigen Begriff Weisheit. 
Der Untertitel des Buches &quot;Der Traum vom richtigen Leben&quot; hat mich dann wieder stutzig gemacht. Ein &quot;richtiges&quot; Leben? Kann es das überhaupt geben? Was wäre der Maßstab für ein &quot;richtiges&quot; Leben und wer würde ihn festlegen? Aber Hanne Tügel tappt nicht in die Falle mancher &quot;Lebensberatungsbücher&quot; und verschont den Leser mit Tipps und Ratschlägen für das &quot;richtige&quot; Leben, was immer das auch sein mag. Stattdessen schreibt Sie, sehr offen und ehrlich, schon im Prolog: &quot;Eine letztgültige Antwort, der 'Weisheit letzter Schluss', ist auf den folgenden Seiten nicht zu finden.&quot; S. 15
Diese Offenheit und Ehrlichkeit von Hanne Tügel ist die große Stärke dieses Buches: &quot;Seit gut 5000 Jahren geistert der Begriff der Weisheit durch die Weltgeschichte, ohne das die Gelehrten sich darauf einigen können, wie man ihn eingrenzen kann.&quot; S. 17 Die Autorin versucht daher erst gar nicht eine eigene Interpretation des Begriffes zu liefern. &quot;Statt eindeutiger Analysen sind in diesem Buch deshalb eher Anregungen, Annäherungsversuche, Anekdoten zu erwarten.&quot; S. 18
Und so nimmt die Autorin den Leser mit auf eine spannende Reise durch die Menschheitsgeschichte und betrachtet dabei den Begriff der Weisheit aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Ihre Auswahl ist sicher subjektiv und unvollständig, aber neben den üblichen &quot;Weisheitsverdächtigen&quot; wie z.B. die griechischen Philosophen, werden auch weniger bekannte Aspekte aufgezeigt. Wissenschaftliche Ansätze wie das &quot;Defining Wisdom&quot; Forschungsprojekt, Erkenntnisse der Bewusstseinsforschung von Antonio Damasio bis Gerhard Roth, der Weisheitstest von Monika Ardelt, die Bedeutung des Leibes und der Frauen für die Weisheit, der Polylog der Kulturen, oder die Rolle der Kunst.
Sehr gut gefällt mir der kritische und distanzierte Blick, den Hanne Tügel stets beibehält. Die euphorische Idealisierung mancher Weisheitsjünger liegt ihr fern.
&quot;Auch exotische Gurus mit mildem Lächeln und wohlklingenden Belehrungen bleiben Menschen. Es liegt Dummheit und Gefahr darin, bei der Begegnung mit ihnen den kritischen Verstand auszuschalten. Ergebnis ist nicht nur eine persönliche Enttäuschung, wenn das Idol sich als Zerrbild eigener Projektionen entpuppt. Fast noch tragischer ist der psychologische Effekt: Die eigenen Bemühungen lassen nach, wenn man einen Meister so sehr vergöttlicht, dass die Distanz zu ihm unüberbrückbar erscheint.&quot; S. 235
Kritisch sehe ich manche Ansätze von Hanne Tügel, wenn sie den Begriff der Weisheit mit sogenannten &quot;guten Taten&quot; in Verbindung bringt. Gutmenschentum und Weltverbesserung muss nicht unbedingt Weisheit als Motiv zugrunde liegen. Manche gute Tat entsteht auch aus Schuldgefühlen oder schlechtem Gewissen. Auch das Ergebnis bleibt letztlich eine Frage der Bewertung. Oder frei nach Goethes Faust: &quot;Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft.&quot;
Originell finde ich den Epilog: &quot;Wie würden die Weisen von früher heute leben? Hätte Sokrates einen Twitter-Account mit Hunderttausenden von 'Followern'? Würde Jesus mit dem Buddha gemeinsame Sache machen? Wäre Konfuzius Wikipedia-Autor? Wäre Laozi nach der Emigration in ein spirituelles Ökodorf wie das englische Findhorn gezogen?&quot; S. 297 <br />Trotz der Fülle der Erkenntnisse bleibt Hanne Tügel bescheiden: &quot;Über Weisheit zu recherchieren, macht nicht weise&quot; S.297 <br />Lobenswert ist die gute Aufmachung des Buches mit ausführlichen Anmerkungen und gutem Literaturverzeichnis.
Hanne Tügel hat ein sehr schönes und weises Buch über die Weisheit geschrieben. Verständlich, dass der Leser darin keine Antworten findet. Das Leben bleibt ein Mysterium.]]></content:encoded>
			<category><a href="spiritualitaet-lebenskunst.html" target="_self" title="Spiritualität &amp; Lebenskunst">Spiritualität &amp; Lebenskunst</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Sat, 31 Mar 2012 20:44:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Lesetipp: Zeit Wissen Ratgeber 1/2012</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/lesetipp-zeit-wissen-ratgeber-12012.html</link>
			<description>Genießen mit gutem Gewissen</description>
			<content:encoded><![CDATA[Vielen Menschen reicht es heutzutage nicht mehr, wenn ihr Essen gesund ist – es muss auch nachhaltig sein. Die Zutaten sollen möglichst umweltschonend, unter fairen Arbeitsbedingungen produziert und am besten klimaschonend zu uns geliefert worden sein, die Hühner, Schweine oder Kühe sollen artgerecht gelebt haben. Aber ist es überhaupt möglich, alles gleichzeitig zu beachten? Und wie ist es mit der Lust am Essen? Es soll ja auch noch gut schmecken und nicht nur ein gutes Gewissen machen. In diesem Ratgeber wollen wir Ihnen zeigen, wann und wie man all diese Anforderungen zusammenbringen kann – wie Sie also mit guten Gewissen genießen kann. © Bild und Text Zeit Wissen. Zeit Wissen Ratgeber 1/2012.
<b>Kommentar</b>
Der neue Zeit Wissen Ratgeber 1/2012 ist eine Zusammenstellung verschiedener Artikel zum Thema Ernährung aus der Zeit und dem Zeit Wissen Magazin. Eigentlich nicht besonders spektakulär, da sich heutzutage viele Veröffentlichungen mit gesunder und genussvoller Ernährung befassen (Anmerkung s.u.). Interessant ist allerdings, dass in diesem Zusammenhang immer öfter auch über Nachhaltigkeit und Verantwortung berichtet und diskutiert wird. Der Verantwortung ist im aktuellen Ratgeber sogar ein ganzes Kapitel gewidmet. Bemerkenswert finde ich den Artikel &quot;Tiere sind auch nur Menschen&quot; von Iris Radisch ab Seite 52. Frau Radisch ist Literaturredakteurin bei der Wochenzeitung &quot;Die Zeit&quot; und Mitherausgeberin des Buches &quot;Wir haben es satt!: Warum Tiere keine Lebensmittel sind&quot;.
Ihren Artikel nennt die Autorin &quot;Ein Plädoyer für den Vegetarismus&quot; und sie beschäftigt sich darin mit den ethischen Aspekten der Ernährung. Iris Radisch erläutert zunächst bekannte ökologische und gesundheitliche Motive für den Vegetarismus und bezieht sich dabei auch auf den bekannten Autor Jonathan Safran Foer (Tiere essen). Die gängigen Argumente für den Vegetarismus bezeichnet Iris Radisch allerdings als unerheblich. Stattdessen diskutiert Sie zwei Thesen, mit denen das Töten von Tieren meistens gerechtfertigt wird. Zum einen die Naturthese, nach der es naturgegeben ist, dass Tiere, also auch die Spezies Mensch, andere Tiere töten und fressen. Zum anderen die Kulturthese, nach welcher dem Menschen aufgrund seiner geistigen und kulturellen Fähigkeiten das Recht zum Töten &quot;niederer&quot; Arten zusteht. Ihr Hauptargument in beiden Fällen ist, dass sich der Mensch in seiner kulturellen Evolution weiterentwickelt hat und daher unser Verhältnis zu anderen Spezies auf diesem Planeten neu definiert werden muss. Den Artikel von Iris Radisch finde ich sehr ausgewogen und gut geschrieben. Zum Schluss fehlt auch nicht der Hinweis auf die Problematik einer ethischen Diskussion des Vegetarismus.
&quot;Am Ende wird der Verzicht auf Fleisch allen helfen, den Tieren und den Menschen. Er wird nicht alle Menschheitsprobleme lösen. Er löst noch nicht einmal alle moralischen Probleme, vor die uns unser Hunger stellt. Die Grenze des Tötungsverbots sind niemals eindeutig zu bestimmen in der unendlichen Kette der Lebewesen.&quot; S. 61
&quot;Der grelle Scheinwerfer der Erkenntnis durchdringt die Materie, doch die meisten Geheimnisse des Lebens bleiben im Dunkeln. Es ist unmöglich, in unserem Zusammenleben mit den Tieren alles richtig zu machen. Doch gibt uns das noch lange nicht das Recht, alles falsch zu machen.&quot; S. 61
Anmerkung:<br />Fast zeitgleich mit dem Zeit Wissen Ratgeber erscheint das Geo Kompakt Nr. 30 mit dem Titel &quot;Gesunde Ernährung - Von der Evolution des Geschmacksinns bis zur Trennkost: Wie Forscher die Geheimnisse unseres Essverhaltens enträtseln&quot;. Wie bei Geo üblich, besticht das Heft durch sein hervorragendes Bildmaterial. Empfehlenswert, und zum obigen Thema passen, der Artikel &quot;Die Industrie, die uns satt macht&quot; ab S. 66.]]></content:encoded>
			<category><a href="gesundheit-ernaehrung.html" target="_self" title="Gesundheit &amp; Ernährung">Gesundheit &amp; Ernährung</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Thu, 08 Mar 2012 20:16:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Buchtipp: &quot;Du bist, was du schläfst&quot; von Tobias Hürter</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/buchtipp-du-bist-was-du-schlaefst-von-tobias-huerter.html</link>
			<description>Was zwischen Wachen und Träumen alles geschieht</description>
			<content:encoded><![CDATA[Schlafen ist genial. Denn auch wenn es nicht so aussieht, arbeitet das Gehirn dann auf Hochtouren. Tobias Hürter führt uns in seinem Buch durch eine Nacht, die alles andere als verschlafen ist. Der passionierte Schläfer Tobias Hürter, der sich selbst ins Schlaflabor begeben hat, schreibt über mordende Schlafwandler, albtraumhaftes Schnarchen und über Träume, die schlau machen. Lange hat man geglaubt, dass Schlaf nur der Stand-by-Modus des Menschen sei – Stoffwechsel auf Sparflamme, Bewusstsein abgeschaltet. Doch die Forschung findet immer mehr Erstaunliches über das Phänomen Schlaf heraus: Im Land der Träume passiert jede Menge. Geist und Körper vollenden, was sie im Wachen begonnen haben: Unser Gehirn ist im Schlaf aktiver als im Wachen. Es sortiert und ordnet das tagsüber Erfahrene, fügt es zusammen und legt es im Gedächtnis ab. Im Traum spielt es sogar damit. Umso eigenartiger, dass Schlaf noch immer ein Imageproblem hat. Denn Schlafen ist keine Schwäche, sondern eine Fähigkeit!&nbsp;© Text und Bild Piper. Du bist, was du schläfst - Was zwischen Wachen und Träumen alles geschieht, Tobias Hürter, Piper Sachbuch, 2011
<b>Kommentar</b>
In unserer heutigen globalisierten Leistungsgesellschaft gilt vielen der Schlaf als reinste Zeitverschwendung. Viele &quot;Top-Performer&quot; aus dem &quot;knallharten Business&quot; brüsten sich mit ihrem geringen Schlafbedarf. Mit dem Schlaf verbundene Phänomene, wie z.B. das Träumen, sind auch nur eher etwas für &quot;Psycho-Fritzen&quot; oder &quot;Esoterik-Tanten&quot;. Eine ähnliche Einstellung hatte auch der Autor des lesenswerten Buches &quot;Du bist, was Du schläfst&quot;. Der Wissenschaftsjournalist Tobias Hürter, studierter Philosoph und Mathematiker, war sogar auf der Suche nach einem &quot;Sleep Hack&quot;, also einem Trick, um mit möglichst wenig Schlaf auszukommen. Diese Suche lies ihn immer tiefer in die Thematik des Schlafes einsteigen. Das Ergebnis seiner umfassenden Recherche ist ein sehr spannendes Buch über den aktuellen Stand der Schlaf- und Bewusstseinsforschung.
Sehr gelungen finde ich die Idee, dass sich die Gliederung des Buches an einer &quot;Dramaturgie der Nacht&quot; orientiert. Die einzelnen Kapitel sind den jeweiligen zeitlichen Schlafphasen zugeordnet. Begeistert hat mich auch, dass er für das Motto seines Buches ein Zitat von Heraklit ausgewählt hat:
&quot;Die Wachenden haben eine einzige und gemeinsame Welt, die Schlafenden aber wenden sich ihrer eigenen Welt zu.&quot; Loc. 39
Überhaupt habe ich mich gefreut, einige meiner Lieblingsautoren wie z.B. Zhuangzi, Thomas Metzinger oder V. S. Ramachandran in dem Buch zu entdecken.
Neben Phänomenen des Schlafes wie Gähnen, Schlafrhythmen, Schlaflosigkeit, Schlafwandeln oder Klarträume, beschäftigt sich der Autor auch mit der historischen Betrachtung des Schlafes. Besonders erstaunt hat mich die Veränderung des Schlafes durch den kulturellen Wandel.
&quot;Dieser Fund setzt das Ideal des monolithischen Nachtschlafs in ein ganz neues Licht. Denn der ist offenbar nicht naturgegeben, sondern ein kulturelles Produkt. Tatsächlich zeigt ein Blick in andere Kulturen, dass die nahtlose, vom Rest des Lebens getrennte Nachtruhe eine Spezialität der neueren westlichen Zivilisation ist.&quot; Loc. 1848
&quot;Hinweise aus verschiedenen Richtungen sprechen dafür, dass die Natur ursprünglich einen mehrphasigen Schlafrhythmus für uns vorgesehen hatte.&quot; Loc. 2050
Tobias Hürter gibt in seinem Buch einen fundierten und faktenreichen Einblick in die neuesten Erkenntnisse neurowissenschaftlicher Forschung. Seine bewegendsten Momente hat das Buch allerdings für mich, wenn philosophische Fragestellungen tangiert werden.
&quot;'Bewusstsein ist das Erleben einer Welt', definiert Thomas Metzinger. Für die Frage, ob Bewusstsein oder nicht, ist es egal, ob diese Welt wirklich existiert. 'Bewusstheit kann man sich nicht einbilden', sagt Metzinger. Träume beweisen, dass das menschliche Gehirn keine Außenwelt braucht, um ein Hier und Jetzt zu erleben.&quot; Loc. 1540
&quot;Wachen und Träumen sind deshalb nicht sicher zu unterscheiden, weil es keinen wesentlichen Unterschied zwischen ihnen gibt. Das Gehirn hat kein Traummodul. Wir träumen mit denselben Hirnarealen, verknüpft in denselben Netzwerken, mit denen wir tagsüber die Welt erleben. In etwas anderer Zusammensetzung zwar, in einem etwas anderen chemischen Hirnmilieu, aber darauf kommt es nicht an. Schlafbewusstsein und Traumbewusstsein beruhen auf den gleichen neuronalen Prozessen. 'Wir halluzinieren dauernd', sagt der indische Hirnforschern V.S. Ramachandran, 'und was wir Wahrnehmung nennen, sind einfach jene Halluzinationen, die am besten zu den aktuellen Sinnesdaten passen.'&quot; Loc. 2942
&quot;Was Sie dabei erleben, ist eine Art von Traum, sagt der amerikanische Psychologe Stephen LaBerge: 'Der einzige Unterschied ist, dass Ihr Traum jetzt von Sinnesdaten geprägt ist.' Diese Sinnesdaten setzen einen konstruktiven Prozess in Gang, in dem Sie nachvollziehen, was um Sie herum geschieht. Im Traum läuft der gleiche Prozess in Ihrem Gehirn, nur ohne Daten von außen. 'Träumen ist Wahrnehmen ohne die Beschränkung durch Sinnesdaten von außen', sagt LaBerge. 'Wahrnehmen ist Träumen, beschränkt durch Sinnesdaten von außen.' Die wirkliche Welt und die Traumwelt sind einander nicht deshalb so ähnlich, weil Träume so realistisch sind, sondern weil wir die Wirklichkeit so traumhaft erleben. Das Traumbewusstsein ist nicht anderes als das Bewusstsein, das uns die Welt erlebbar macht. Wir erträumen uns die Welt.&quot; Loc. 2986
&quot;'Zu fragen, warum wir träumen, ist zu fragen, warum wir bewusst sind', sagt LaBerge, 'es gehört zur Funktion des Gehirns, dass es immer ein Modell der Wirklichkeit entwirft.' Im Wachen ist es die äußere Wirklichkeit, im Schlaf die innere. So bekommen wir unverfälscht zu sehen, was uns bewegt. Träume sind ganz und gar ehrlich zu uns. Das ganze Leben ist ein Traum - das klingt wie eine wilde Phantasie des Alt-Hippies LaBerge. Aber die harte Wissenschaft bestätigt ihn.&quot; Loc. 2991
&quot;'Wach sein ist nichts anderes als ein traumartiger Zustand, angepasst an die Grenzen, die ihm bestimmte Reize von außen setzen', schreibt Llinás.&quot; Loc. 3006
&quot;Das neue Bild des träumenden Gehirns zeigt, dass der Mensch sein eigenes Universum ist.&quot; Loc. 3012
Ganz besonders freut es mich natürlich, wenn sich modernste wissenschaftliche Erkenntnis und west-östliche Weisheitstraditionen einander nähern.
&quot;In die östliche Denktradition fügt sich die Einheit des Bewusstseins über Schlafen und Wachen hinweg besser. Die jahrtausendealte Kunst des Traumyogas betrachtet Bewusstseins als etwas, das durch alle Zeiten des Tags und der Nacht besteht. Sie will ihre Schüler zu der Erkenntnis führen, dass jedes Erleben, ob wach oder schlafend, ein Traum ist. Der chinesische Philosoph Meister Zhuang schrieb im 4. Jahrhundert vor Christus: 'Ich weiß nicht, ob es Zhuang war, der geträumt hat, er sei ein Schmetterling, oder ob ich jetzt ein Schmetterling bin, der träumt, Zhuang zu sein.&quot; Loc. 2951]]></content:encoded>
			<category><a href="koerper-psyche.html" target="_self" title="Körper &amp; Psyche">Körper &amp; Psyche</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Sat, 03 Mar 2012 08:19:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Buchtipp: &quot;Stille in der Stadt&quot; von Ursula Richard</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/buchtipp-stille-in-der-stadt-von-ursula-richard.html</link>
			<description>Ein City-Guide für kurze Auszeiten und überraschende Begegnungen</description>
			<content:encoded><![CDATA[Mitten im Trubel einen Ort zu finden, der aufatmen lässt, das wünschen sich viele Stressgeplagte. Überraschend und entlastend: Es ist nicht nötig, aus der Stadt zu fliehen, um sich zu erholen. Mit Achtsamkeit und einer veränderten Wahrnehmung bietet die Großstadt wieder erfrischende Begegnungen und pulsierendes Leben. Großstadtmeditationen - Entspannung beginnt am Hauptbahnhof. Übungen zur Entschleunigung. Auszeiten: Kirchen, Parks und Treppenhäuser.&nbsp;© Bild und Text Kösel. Stille in der Stadt - Ein City-Guide für kurze Auszeiten und überraschende Begegnungen, Ursula Richard, Kösel, 2011
<b>Kommentar</b>
Ein Phänomen, welches mir öfter bei der Praxis west-östlicher Wege begegnet, ist die Trennung zwischen Alltag und Übungspraxis. Das Üben des Weges wird oft als etwas &quot;Heiliges&quot; oder &quot;Besonderes&quot; empfunden, welches nur zu bestimmten Zeiten und an speziellen Orten durchgeführt werden kann. Einer meiner Lehrer wurde einmal gefragt, wie oft und wie lange er den am Tag übe und welche Tageszeiten besonders geeignet wären. Mein Lehrer hat die Frage zunächst gar nicht verstanden, da er sein tägliches Leben als Übungsweg sieht und nicht in Übungseinheiten oder -zeiten unterteilt. Auch habe ich schon erlebt, daß sich jemand geweigert hat Tai Chi in einer Schulsporthalle zu üben, da der Ort dieser Kunst angeblich nicht angemessen sei. Unverständlich, wenn man selbst erlebt hat, wie in China Tai Chi oder Qigong an jeder Straßenecke praktiziert wird. Das Üben eines Weges wird manchmal auch als Methode zur Selbstoptimierung und Leistungssteigerung benutzt, um in der westlichen Leistungsgesellschaft zu den Siegern zu gehören, oder vielleicht als exotische Wellness-Flucht aus dem, als trostlos empfundenen, Alltag.
In ihrem lesenswerten Buch &quot;Stille in der Stadt&quot; geht Ursula Richard auf ein weit verbreites Mißverständnis spiritueller Wege ein und beschreibt aus ihrer eigenen Lebenserfahrung die Entdeckung der spirituellen Stadtpraxis.
&quot;Solange ich spezielle Zeiten und Orte für Stille und spirituelle Praxis, für Meditation oder Entspannung 'reserviere', um mich frisch, wach und gelassen den weiteren 16 Stunden des Tages widmen zu können, so lange besteht die Gefahr, dass Spiritualität kein integraler Bestandteil meines Lebens ist, sondern lediglich Teil meines Terminkalenders, in dem ich eben auch noch die halbe Stunde Meditation am Morgen oder Abend, die Yogastunde, die Meditationsgruppe einmal in der Woche oder den Vortrag am Wochenende unterbringe. So wird Spiritualität unweigerlich zu einer unter anderen Selbstoptimierungsstrategien.&quot; Loc. 46-49
Ursula Richard lebt und arbeitet in Berlin und praktiziert seit 1985 Zen. Obwohl die buddhistische Sichtweise in ihrem Buch vorherrschend ist, geht Ursula Richard auch auf andere Wege ein und versucht die Essenz des Übens aufzuzeigen. Sie bemerkt daher zurecht: &quot;... dass achtsam über die Straße zu gehen oder einem anderen Menschen die Tür aufzuhalten durchaus mit Spiritualität zu tun hat.&quot; Loc. 64
In der &quot;spirituellen Szene&quot; wird das alltägliche Leben meist als minderwertig und belastend empfunden. Die lästigen täglichen Verrichtungen, der Stress in Familie und Beruf, der Lärm und Schmutz der Stadt, das Elend in manchen Stadtvierteln. Wie anders dagegen das Praktizieren der &quot;edlen und heiligen&quot; Wege in besonders schöner Umgebung und mit ganz besonderen Menschen. Ursula Richard entlarvt dieses Mißverständnis und zeigt wie sinnlos diese Fluchten sind: &quot;Ein letztlich vergeblicher Versuch, denn wir sind keine abgetrennten, isolierten Inseln, die für sich allein 'Rettungspakete schnüren' könnten.&quot; Loc. 76-77
Sehr gelungen finde ich, wie Ursula Richard im ersten Teil ihres Buches die wesentliche Elemente ihrer spirituellen Stadtpraxis herausarbeitet. &quot;Im ersten Kapitel des Buches geht es mir darum, ausführlich zu zeigen, dass urbane Spiritualität sich vor allem in der bereits angesprochenen Haltung von Achtsamkeit, Offenheit, Anteilnahme und Verbundenheit ausdrückt und dass sie mit traditionellen spirituellen oder religiösen Kontexten verbunden werden kann, aber nicht notwendigerweise muss. Im zweiten und dritten Kapitel wird die Achtsamkeit als ein entscheidendes Werkzeug spiritueller Stadtpraxis näher betrachtet, aber es wird auch beleuchtet, warum wir uns damit oft so schwer tun.&quot; Loc. 108-9
Was mir auch gut gefällt ist, dass Ursula Richard in ihrem Buch sehr bodenständig und menschlich bleibt und nicht in esoterische Glückswelten oder Heilsversprechen abdriftet. Sie weist immer auf die Schwierigkeiten und Probleme hin und klammert auch das Leiden nicht aus. &quot;Es erscheint mir ein wichtiger Teil dieses Weges zu sein, sich mit der Kunst des Scheiterns vertraut zu machen; zu akzeptieren, sich immer wieder als unachtsam, genervt, hektisch und aggressiv zu erleben.&quot; Loc. 128-29
In den weiteren Kapiteln beschreibt Ursula Richard ihre Begegnungen mit Orten und Menschen in der Stadt und zeigt anhand vieler Beispiele, wie spirituelle Stadtpraxis im Alltag aussehen könnte.
Am Ende ihres Buches entwirft Ursula Richard ihre Vision einer &quot;achtsamen Stadt&quot;. Die Gründe für ihre Wunschvorstellung kann ich gut nachvollziehen, allerdings habe ich immer ein ungutes Gefühl im Bauch, wenn Menschen Utopien dafür entwickeln, wie andere Menschen leben sollten.&nbsp;
Ursula Richard hat ein sehr schönes, lesenswertes und reichhaltiges Buch über die spirituelle Stadtpraxis geschrieben. Trotz der vielen Geschichten, Begegnungen und Beschreibungen kommt sie immer wieder auf das Wesentliche zurück.&nbsp;
&quot;Achtsamkeit bedeutet, von Moment zu Moment achtsam zu sein für das, was wir tun, für das, was ist, und wenn wir abschweifen mit unseren Gedanken – und das tun wir ständig -, geduldig wieder in den gegenwärtigen Moment zurückzukehren, wieder und wieder. Mehr gibt es nicht zu tun.&quot; Loc. 317-19]]></content:encoded>
			<category><a href="spiritualitaet-lebenskunst.html" target="_self" title="Spiritualität &amp; Lebenskunst">Spiritualität &amp; Lebenskunst</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 06:53:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Buchtipp: &quot;Das Leben ist eine Öko-Baustelle&quot; von Christiane Paul mit Peter Unfried</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/buchtipp-das-leben-ist-eine-oeko-baustelle-von-christiane-paul-mit-peter-unfried.html</link>
			<description>Mein Versuch, ökologisch bewusst zu leben</description>
			<content:encoded><![CDATA[Engagiert, aber ohne erhobenen Zeigefinger: ein Plädoyer für die Verantwortung des Einzelnen. Christiane Paul ist richtig wütend – weil die Regierungen dieser Welt anscheinend nicht willens sind, die großen ökologischen Fragen konsequent anzugehen. &quot;Hallo, aufwachen!&quot;, würde sie den Politikern gerne zurufen. Aber sie findet auch, dass jeder Einzelne Verantwortung übernehmen muss. Sehr engagiert und zugleich selbstironisch erzählt sie von ihrem Versuch, das Leben ihrer Familie so umwelt- und klimaverträglich wie möglich zu gestalten. Für Umweltschutz hat sich Christiane Paul schon als Jugendliche interessiert. Aber seit sie Kinder hat, ist ihr die Bedrohung unseres Planeten durch den Klimawandel noch stärker bewusst. Dass wir uns von liebgewonnenen Gewohnheiten verabschieden müssen, weiß sie, aber was heißt das konkret? Christiane Paul berichtet von ihren Anstrengungen, ihren Lebensstil von der Ernährung bis zur Mobilität umweltfreundlich zu gestalten. Sie streitet sich mit Promiwirten über die Frage, ob Heizpilze sein müssen, diskutiert mit dem New Yorker Literaturstar und Vegetarier Jonathan Safran Foer, ob ihre Kinder kein Fleisch mehr essen sollen, befragt Ernährungsberater, Klimawissenschaftler und Politiker. Sie merkt, wie schnell man als berufstätige Mutter mit zwei kleinen Kindern an die eigenen Grenzen kommt und wie leicht man anderen mit Bekehrungsversuchen auf die Nerven geht. Doch auch wenn das ökologisch korrekte Leben manchmal reichlich mühsam ist, will sie mit ihrem Verhalten ansteckend wirken - damit sich alle für eine globale Zukunft engagieren. Das Leben ist eine Öko-Baustelle - Mein Versuch, ökologisch bewusst zu leben; Christiane Paul mit Peter Unfried; Ludwig Verlag; 2011
© Bild und Text Ludwig Verlag
<b>Kommentar</b>
Christiane Paul ist gelernte Ärztin, Schauspielerin, verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Aus dieser subjektiven Perspektive heraus schreibt sie in ihrem Buch über unsere moderne Lebenswelt und deren Herausforderungen angesichts der globalen ökologischen Krisen. Diese subjektive Perspektive ist die große Stärke des Buches, da sie den Leser zwingt seine eigene Lebenssituation zu reflektieren und eigene Einstellungen und Verhaltensweisen zu hinterfragen. Natürlich werden im Buch auch Fakten zum Klimawandel genannt, Experten befragt und die politische Situation analysiert, letztlich geht es aber darum, was jeder von uns angesichts der globalen Bedrohungen in seinem eigenen Leben zu ändern bereit ist. 
&quot;Mein Buch handelt davon, was wir in unserem Alltag tun können, es handelt von den ökologischen Versuchen in meinem eigenen Leben und natürlich auch von den Grenzen des privaten Tuns.&quot; Location 99&nbsp; 
Die Dimension und Komplexität der globalen Krisen übersteigt das eigene Vorstellungsvermögen. Ratlosigkeit, Ohnmachtsgefühle oder Resignation sind oft die Folge. Eine andere Möglichkeit will Christiane Paul in ihrem engagierten und selbstironisch geschriebenen Buch aufzeigen, indem sie ihren eigenen Weg zu einer umwelt- und klimaverträglich Lebensweise schildert. Sehr gut gefällt mir, dass sie dabei nicht besserwisserisch oder mit der großen Moralkeule daher kommt, sondern sehr selbstkritisch die großen und kleinen Probleme aus ihrem persönlichen Alltag untersucht. Welchen Schwierigkeiten ein ökologisch besorgter Mensch begegnen kann, zeigt Christiane Paul sehr gut an Beispielen aus der Erziehung ihrer Kindern, aus Gesprächen mit der eher skeptisch eingestellten Schwester, oder aus ihrem Beruf als Schauspielerin.&nbsp; 
Neben der persönlichen Familien- und Lebensgeschichte bilden die Gespräche mit Experten einen weiteren Schwerpunkt des Buches. Fakten und Hintergründe zum Klimawandel werden intensiv erörtert, aber auch hier bleibt Christiane Paul ihrer Linie treu und fragt nach den jeweiligen persönlichen Konsequenzen und Verhaltensweisen.&nbsp;&nbsp; 
Der Klimawissenschaftler Anders Levermann nimmt Flugreisen in Kauf, um in der öffentlichen Diskussion über Klimapolitik seinen Standpunkt zu vertreten. Jonathan Safran Foer, Vegetarier und Autor des Buches &quot;Tiere essen&quot;, sieht es schon als Erfolg, wenn überhaupt weniger Fleisch gegessen wird. Die Ernährungsmedizinerin Ute Gola differenziert bezüglich der vegetarischen Ernährung zwischen Kindern, Erwachsenen und familiären Traditionen. Der langjährige Air-Berlin-Chef Achim Hunold ist der Meinung, dass es ein Ökoflugzeug niemals geben werde. Als persönliche Konsequenz aus seinen Erkenntnissen verzichtet der Soziologe und Klimakultur-Forscher Harald Welzer auf Langstreckenflüge. Als erster Politiker hat der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer sein Amt mit dem Wahlkampfthema Klimawandel gewonnen. Der britische Journalist Leo Hickman, Autor von &quot;Fast nackt&quot;, einem Selbstexperiment in ethisch korrektem Leben, zweifelt manchmal angesichts von sieben Milliarden Menschen, ob überhaupt etwas auszurichten ist.&nbsp; 
Man könnte meinen, dass wieder einmal eine Prominente ein Buch über eine gute Sache geschrieben hat, um ihren Marktwert zu steigern. Bei Christiane Paul trifft dies allerdings nicht zu. Ihre persönliche Betroffenheit und Besorgnis ist echt und beim Lesen ständig zu spüren. Vielleicht ist es notwendig, dass Prominente ihre Popularität nutzen, um drängende Fragen unserer Zeit weiteren Bevölkerungkreisen zugänglich zu machen. Als Schlussfolgerung ihrer Auseinandersetzung mit dem Klimawandel schreibt sie am Ende des Buches:&nbsp; 
&quot;Mein Fazit: bei sich selbst anfangen, andere mitnehmen und so eine umweltverantwortliche Politik möglich machen. Nicht das Ideale beschwören, sondern das Mögliche tun.&quot; Loc. 4594&nbsp; 
Nachdenklich hat mich eine Aussage von Leo Hickmann gemacht: &quot;..., dass es letztlich eine Ökokatastrophe in einem westlichen Industrieland brauche, vermutlich sogar in den USA, damit Regierungen und Gesellschaften wirklich aufwachten. Loc. 4562&nbsp; 
Hoffen wir das Beste!
<link http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/christiane-paul-das-leben-ist-eine-oeko-baustelle-man-kann-die-augen-nicht-mehr-zumachen-11489799.html _blank external-link-new-window "Rezension bei Faz.net"><img alt="undefined" src="fileadmin/md/main/img/external_link_new_window.gif" />Rezension bei Faz.net</link>]]></content:encoded>
			<category><a href="erde-mensch.html" target="_self" title="Erde &amp; Mensch">Erde &amp; Mensch</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Sun, 27 Nov 2011 09:10:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Lesetipp: SPIEGEL WISSEN 4/2011</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/lesetipp-spiegel-wissen-42011.html</link>
			<description>Rücken ohne Schmerz - Neue Therapien für Körper und Seele</description>
			<content:encoded><![CDATA[Rückenleiden sind die Volkskrankheit schlechthin: Mehr als 80 Prozent aller Deutschen spüren mindestens einmal in ihrem Leben Schmerzen im Kreuz - meistens sogar sehr viel häufiger. Hexenschuss, Ischias, Nackenweh und Lendenschmerzen sind, nach dem Schnupfen, der zweithäufigste Grund, zum Arzt zu gehen, und der häufigste Grund für den Besuch beim Alternativmediziner. Doch den Betroffenen drohen unsinnige Ratschläge und gefährliche Behandlungen; vor allem wird viel zu oft unnötigerweise an der Wirbelsäule operiert. SPIEGEL-Redakteure haben bei Bewegungsmedizinern, Evolutionsbiologen, Orthopäden, Chirurgen, Schmerztherapeuten, Psychiatern, Psychologen und Stressforschern recherchiert und berichten, was dem Kreuz wieder aufhilft. Gestützt durch wissenschaftliche Beweise, propagieren sie neue Therapien, die auf Körper und Seele gleichermaßen wirken und den Rückenschmerz tatsächlich besiegen können.
© Text und Bild Spiegel Wissen
<b>Kommentar</b>
Es ist schon sehr verwunderlich, dass im 21. Jahrhundert das mechanistisch-descartianisches Welt- und Menschenbild noch große Teile unseres Gesundheitssystems dominiert. Der Mensch wird immer noch als eine Art Maschine gesehen, die wie ein Auto zu funktionieren hat und bei Fehlfunktion dementsprechend repariert werden kann. Die Computermetapher ist vorherrschend, Hard- und Software sind getrennt und werden daher unterschiedlich behandelt.
Das einleitende Kapitel &quot;Das Kreuz mit dem Kreuz&quot; beginnt mit einem Artikel von Spiegel Redakteur Jörg Blech, welcher bereits einige sehr gute Bücher zum Thema Gesundheit verfasst hat, wie z.B. &quot;Die Krankheitsfinder&quot; oder &quot;Heilen mit Bewegung&quot;. Jörg Blech formuliert auch das durchgängige Thema des Heftes, dass sich nämlich gerade beim Rückenschmerz die Einheit von Körper und Seele sehr deutlich zeigt.
&quot;Dauerhafte seelische Anspannungen, verursacht durch mangelnde Stressbewältigung, lösen im Körper krank machende Vorgänge aus, die zu Schmerzen führen oder bestehende verstärken können.&quot; S. 17
Sehr gut ist auch das Interview mit dem Orthopäden Reiner Gradinger über unnötige Eingriffe und schwarze Schafe unter den Ärzten. Interessant seine These über den Zusammenhang von Ich-Gesellschaft und Krankheit.
&quot;Es geht uns das Gefühl für das Normale verloren, für das, was alle haben und was dazugehört, Alterserscheinungen zum Beispiel. Heute geht man schon wegen Kleinigkeiten zum Arzt. Da ist eine Überängstlichkeit entstanden. Und die zunehmende Konzentration auf sich selbst, diese Ichbezogenheit, verschlimmert jedes Wehwehchen. Wer sich überwiegend mit sich selbst beschäftigt, überhöht alles, was ihm geschieht.&quot; S. 24
Das Kapitel &quot;Körper und Seele&quot; wird von dem interessanten Artikel &quot;Kampf dem Seelenschmerz&quot; von Bettina Musal ab S. 28 eingeleitet. Gerade beim Thema Schmerz zeigen sich die Auswirkungen unseres westlichen Welt- und Menschenbildes, mit seiner vorherrschenden Trennung von Körper und Psyche. 
&quot;Psychosoziale Einflussfaktoren entscheiden mit darüber, ob aus einem akuten ein wiederkehrender und schließlich ein chronischer Schmerz wird.&quot; S. 33
Werden körperliche Probleme gesellschaftlich akzeptiert, gelten psychische Ursachen immer noch als sehr suspekt. Das Interview mit dem Psychosomatiker Ulrich T. Egle ab S. 37 liefert dazu interessante Erkenntnisse.
&quot;Wenn ich dem Patienten sage, der Rückenschmerz ist psychisch bedingt, denken viele, der will mich als Simulanten überführen, der bezweifelt, dass ich wirklich Schmerzen habe.&quot; S. 37
&quot;Wer in der Kindheit ein hohes Maß an Belastung aushalten musste, hat eine hohe Stress-Vulnerabilität und damit beispielsweise ein Depressionsanfälligkeit, ist also mit größerer Wahrscheinlichkeit anfällig für Rückenschmerzen.&quot; S. 39
Sehr faszinierend fand ich einen weiteren Artikel (&quot;Zum Laufen geboren&quot; ab S. 41.) von Jörg Blech über die evolutionsbiologische Hintergründe des menschlichen Rückens.
&quot;Rückenschmerzen hielten Evolutionsmediziner lange für den Preis des aufrechten Gangs. Doch Vergleiche zwischen Affen und Menschen zeigen: Der Rücken taugt in Wahrheit bestens für die Bewegung auf zwei Beinen.&quot; S. 41
Simon Book beschreibt in seinem Artikel ab S. 53 über die traurige Tatsache, dass von Rückenschmerzen bereits Kinder betroffen sind.
&quot;Rückenschmerzen sind längst nicht mehr nur ein Problem der Alten. Bis zu 50 Prozent der Schulkinder klagen gelegentlich über Rückenschmerzen, etwa 300000 Kinder sind deswegen in Behandlung. Und die Zahlen steigen.&quot; S. 53
Gut finde ich, dass nicht nur komplexe therapeutische Verfahren erwähnt werden, sondern auch einfache Maßnahmen und die Ursachen in dem Artikel benannt werden. Z.B. wird die Kinderorthopädin Rösch zitiert: &quot;'Zwischen den Schulstunden sollte einfach mal Toben angesagt sein' meint sie. Der Sportunterricht komme sowieso zu kurz.&quot; S. 54
Zum Schluss des Kapitels &quot;Körper und Seele&quot; wird in dem Artikel &quot;GAU für den Sozialstaat&quot; ab S. 56 von Katrin Elger und Laura Gitscher die Ursachen in Arbeitswelt und deren gesamtwirtschaftlichen Folgen betrachtet.
&quot;Stress, Unzufriedenheit oder Überforderung im Beruf erweisen sich als wahres Rückengift. Während Mediziner und Psychologen noch nach Lösungen suchen, haben Ökonomen das Ausmaß der Katastrophe durchgerechnet: Jeder Lendenlahme kostet die deutsche Volkswirtschaft durchschnittlich 1322 Euro pro Jahr.&quot; S. 57
Sehr interessant sind in o.g. Kapitel auch die Ergebnisse verschiedener Studien über die Ursachen der vielen Krankmeldungen. Körperliche Schwerarbeit, Fehlhaltungen und ergonomische Defizite spielen fast keine Rolle. Vielmehr sind psychische Probleme am Arbeitsplatz und die Ausuferung des Wohlfahrtsgedanken Hauptursachen der Rückenmisere.
&quot;Um Ansprüche gegenüber dem Sozialstaat durchsetzen zu können, müsse ein Rückenpatient möglichst krank sein - anstatt zu versuchen, gesund zu werden.&quot; S. 59
&quot;Tatort Wirbelsäule&quot; ab S. ist das beeindruckendste Kapitel des ganzen Heftes. So deutlich und fundiert wie in diesen Artikeln habe ich selten die Kritik an den konventionellen orthopädischen Behandlungsformen lesen können.<br />Bezeichnend ist die Aussage des Wirbelsäulenchirurgen Jürgen Harms, dass mindestens 40 Prozent aller chirurgischen Eingriffe an der Wirbelsäule überflüssig seien (S. 67). Erwähnt wird auch, dass Gier eine Ursache für die kostenintensiven Operationen ist. &quot;Das Stechen und Schneiden an der Wirbelsäule hat sich zu einem Industriezweig ausgewachsen, private Rückendoktoren fischen regelrecht nach Patienten (S. 68).
Mit dem Kapitel &quot;Gesunder Rücken&quot; wird das Heft zum Thema Rückenschmerzen abgeschlossen. Etliche therapeutische und präventive Methoden werden vorgestellt und beschrieben. Wie zu vermuten, spielen Bewegung und Entspannung eine wesentliche Rolle bei der Prävention und Behandlung von Rückenschmerzen.
Das Spiegel Wissen Nr. 4/2011 ist wirklich sehr gelungen. Von Anfang bis Ende ein stimmiges Heft mit vielen spannenden Artikeln zum Thema Rückenschmerzen.
Für Praktizierende ostasiatischer Künste ist die Einheit von Körper und Geist keine neue Erkenntnis. Hoffentlich kann das alte mechanistisch-descartianisches Paradigma des Westens bald überwunden werden und eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen an seine Stelle treten.]]></content:encoded>
			<category><a href="koerper-psyche.html" target="_self" title="Körper &amp; Psyche">Körper &amp; Psyche</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Sat, 12 Nov 2011 12:59:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Buchtipp: &quot;Der Sinn des Gebens&quot; von Stefan Klein</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/buchtipp-der-sinn-des-gebens-von-stefan-klein.html</link>
			<description>Warum Selbstlosigkeit in der Evolution siegt und wir mit Egoismus nicht weiterkommen</description>
			<content:encoded><![CDATA[Selbstlos siegt! Welche Gesetze über Erfolg und Misserfolg in unserem Leben bestimmen. Den Selbstlosen gehört die Zukunft: Das ist die erstaunliche Quintessenz des neuen Buches von Stefan Klein, das unser Denken und Handeln verändern wird. Denn die neueste Forschung lässt die Ehrlichen keineswegs als die Dummen dastehen. Entgegen unserem Alltagsglauben schneiden Egoisten nämlich nur kurzfristig besser ab. Auf längere Sicht haben diejenigen Menschen Erfolg, die sich um das Wohl anderer bemühen. Denn nicht nur Wettbewerb, sondern auch Kooperation ist eine Triebkraft der Evolution. Ein Sinn für Gut und Böse ist uns angeboren. Stefan Klein zieht einen faszinierenden Querschnitt durch die aktuellen Ergebnisse der Hirnforschung und der Genetik, der Wirtschaftswissenschaften und der Sozialpsychologie. Er zeigt, welche Gesetze über Erfolg und Misserfolg in unserem Leben bestimmen. Und er stellt dar, warum menschliches Miteinander und das Wohlergehen anderer zu unseren tiefsten Bedürfnissen gehören. Für andere zu sorgen schützt uns nicht nur vor Einsamkeit und Depression. Vielmehr macht uns Selbstlosigkeit glücklicher und erfolgreicher - und beschert uns nachweislich sogar ein längeres Leben.
© Text und Bild Fischer
<b>Kommentar</b>
Stefan Klein hat ein sehr optimistisches Buch über den menschlichen Altruismus geschrieben: &quot;Dieses Buch ist eine Einladung, die freundliche Seite unseres Wesens zu erkunden.&quot; Klein, 2011, S. 16
Allerdings sehe ich das nicht als Nachteil. Eine umfassende Diskussion über die menschliche Natur hätte den Rahmen des Buches gesprengt. Über die dunkle Seite unseres Wesens gibt es außerdem genügend Literatur, wie z.B. &quot;Der Luzifer-Effekt&quot; von Philip Zimbardo.
Der Autor geht im Wesentlichen der Frage nach, ob der Mensch in der Lage sein wird, die Krisen unserer heutigen Zeit im Rahmen einer globalen Gemeinschaft bewältigen zu können. 
&quot;Die Geschichte der Menschheit begann mit einer altruistischen Revolution - unsere Vorfahren fingen an, für ihre Nächsten zu sorgen. Nur gemeinsam hatten sie eine Chance in einer Welt, in der Nahrung knapp wurde, weil das Klima sich wandelte. Heute stehen wir vor einer ähnlichen Schwelle: Die Herausforderung ist, Zusammenarbeit in viel größerem Maßstäben zu lernen. Es ist Zeit für eine zweite altruistische Revolution.&quot; Klein, 2011, S. 16
Zunächst gilt es zu klären, was unter Egoismus und Altruismus zu verstehen ist.
&quot;Und an der Frage, wer die Kosten trägt und wer den Nutzen hat, offenbart sich sofort, ob sich ein Mensch egoistisch oder altruistisch verhält: Ein Egoist genießt einen Nutzen, für den andere zahlen. Extrem egoistisch benimmt sich etwa ein Dieb. Ein Altruist dagegen nimmt eigene Kosten in Kauf, um für andere Nutzen zu stiften - zum Beispiel, indem er etwas verschenkt, ohne dass eine Gegenleistung zu erwarten steht. Diese Definition verwendet auch die Verhaltensforschung.&quot; Klein, 2011, S. 27
Altruismus ist evolutionsbiologisch allerdings schwer zu erklären. Darwin selbst hatte keine Lösung für die Frage gefunden, wieso die natürliche Selektion altruistisches Verhalten nicht aus dem Genpool entfernt hat.
Im ersten Teil seines Buches zeigt Stefan Klein anhand vieler Fakten aus der Spieltheorie, der Neuro- und der Evolutionsbiologie, &quot;... dass Kooperation und sogar Selbstlosigkeit sich durchsetzen können, weil sie sich oft langfristig lohnen.&quot; Klein, 2011, S. 137
Wie unsere Spezies die Fähigkeit zu altruistischen Handeln erlangt hat und wie erfolgreich sie damit in der Evolution bestehen konnte, beschreibt Stefan Klein im zweiten Teil seines Buches. In seiner Beweisführung erwähnt er auch die Arbeit von Sarah Blaffer Hrdy (siehe Link unten). Die weltweite Entstehung von Hochkulturen (Achsenzeit ca. 500 v.Chr.) stellte den Menschen vor neue Herausforderungen. 
&quot;Statt in überschaubaren Dörfern und Sippen lebten Menschen nun in größeren Verbänden dicht zusammen, oft ohne auch nur im Entferntesten verwandt zu sein. Trotzdem mussten sie lernen, in Eintracht zu leben.&quot; Klein, 2011, S. 242
Für das Zusammenleben in größeren Zivilisationen hat die biologische Evolution den Mensch nicht optimiert. Er musste lernen seine angeboren empathischen Fähigkeiten zu einer allgemeingültigen Moral zu transformieren. Die Essenz dieser Transformation ist die &quot;Goldene Regel&quot;, welche, in verschiedenen Formulierungen, bei allen Kulturen entstanden ist.
&quot;Bis in die Wortwahl gleichen sich auch die Umschreibungen der 'Goldenen Regel', die in all diesen Lehren zentrale Bedeutung hat. Wiederum hat Konfuzius sie als Erster aufgestellt haben: 'Was man mir nicht antun soll, will ich auch nicht anderen Menschen zufügen.&quot; Klein, 2011, S. 248
Von Immanuel Kant wurde die &quot;Goldene Regel&quot; weiterentwickelt: &quot;Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.&quot; Klein, 2011, S. 251
Als Erfolgsgeschichte des selbstlosen Handelns nennt Stefan Klein die Entstehung freier Software, wie z.B. Linux und die vielen selbstlosen Projekte im World Wide Web wie z.B. Wikipedia. Das Internet und die Informationsgesellschaft sieht der Autor auch als eine große Chance für das Zusammenwachsen der globalen Völkergemeinschaft. Die Entstehung einer Weltgemeinschaft ist nach Stefan Klein auch notwendig zur Lösung der derzeitigen und kommenden ökologischen und wirtschaftlichen Krisen.
&quot;Während der längsten Zeit der Menschheitsgeschichte kooperierten unsere Vorfahren, weil ihnen ein gewissen Maß selbstloser Neigungen angeboren war und weil sie Gruppennormen befolgten. Dies, und nicht der in freien Märkten kanalisierte Egoismus, ist das Fundament, auf dem jedes menschliche Zusammenleben ruht.&quot; Klein, 2011, S. 267
&quot;Wenn die Bereitschaft, selbstlos zu handeln, durch vielfältige Gruppenzugehörigkeiten wächst, dann sollte die Vernetzung der Welt bewirken, dass immer mehr Menschen sich altruistisch verhalten. Viel spricht dafür, dass diese Annahme zutrifft.&quot; Klein, 2011, S. 271
Die optimistische Grundhaltung des Buches wird von Stefan Klein bis zum Schluss durchgehalten.
&quot;Zum ersten Mal in der Geschichte zeichnet es sich ab, dass Menschen über alle Grenzen hinweg teilen - weil Kulturen und Kontinente zusammenwachsen, weil Entfernungen kaum mehr zählen, weil Wissen zum wertvollsten Produktionsmittel wird. ... Je mehr Menschen weltweit übereinander wissen und voneinander abhängen, desto stärker steigt der Nutzen der Selbstlosigkeit, während ihre Kosten sinken. Die Zukunft gehört den Altruisten.&quot; Klein, 2011, S. 276
Hoffen wir das Beste!]]></content:encoded>
			<category><a href="koerper-psyche.html" target="_self" title="Körper &amp; Psyche">Körper &amp; Psyche</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Sun, 06 Nov 2011 14:36:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Buchtipp: &quot;Die Kunst des klaren Denkens&quot; von Rolf Dobelli</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/buchtipp-die-kunst-des-klaren-denkens-von-rolf-dobelli.html</link>
			<description>52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen</description>
			<content:encoded><![CDATA[Unser Gehirn ist für ein Leben als Jäger und Sammler optimiert. Heute leben wir in einer radikal anderen Welt. Das führt zu systematischen Denkfehlern - die verheerend sein können für Ihr Geld, Ihre Karriere, Ihr Glück. Wer weiß, wie leicht man sich irren kann, ist besser gewappnet: Rolf Dobelli nimmt die tückischsten &quot;Denkfallen&quot; unter die Lupe, in die wir immer wieder tappen. Und so erfahren wir,- warum wir unser eigenes Wissen systematisch überschätzen (und andere für dümmer halten, als sie sind), - warum etwas nicht deshalb richtiger wird, weil Millionen von Menschen es für richtig halten, - warum wir Theorien nachhängen, selbst wenn sie nachweislich falsch sind. Rolf Dobellis Texte sind nicht nur inhaltlich ausgesprochen bereichernd, sie sind ein echtes Lesevergnügen. Die Kunst des klaren Denkens - 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen, Rolf Dobelli, Carl Hanser Verlag, 2011
© Bild und Text Carl Hanser
<b>Kommentar:</b>
Rolf Dobelli, ein Schweizer Schriftsteller und Unternehmer, hat seine wöchentliche Kolumne &quot;Klarer Denken&quot; bei der Frankfurter Allgemeine Zeitung und der Schweizer SonntagsZeitung, zu einem Buch zusammengefasst.
&quot;Denkfehler, so wie ich den Begriff hier verwende, sind systematische Abweichungen zur Rationalität, zum optimalen, logischen, vernünftigen Denken und Verhalten. Das Wort 'systematisch' ist wichtig, weil wir oft in dieselbe Richtung irren.&quot; Dobelli, 2011, Loc. 243-45
Dobelli argumentiert auf der Basis von Erkenntnissen der Evolutionspsychologie. Die Evolutionspsychologie geht davon aus, dass unsere Verhaltens- und Denkweisen hauptsächlich an ein Leben in Kleingruppen zur Zeit des Pleistozän (ca. 3 Mio. - 10000 Jahre v.Chr.) angepasst sind. Für unsere komplexen modernen Lebenswelten, ausgehend von der neolithischen Revolution vor ca. 10000 Jahren, über die industrielle Kultur bis zur heutigen Informationsgesellschaft, sind die mentalen Fähigkeiten des Menschen nur unzureichend entwickelt. Laut Dobelli sind unsere Hirne auf Reproduktion ausgelegt und nicht auf Wahrheitsfindung. Unsere Fehlentscheidungen und Denkfehler sind daher aus der evolutionären Perspektive zu betrachten:
&quot;Die Evolution 'optimiert' uns nicht im absoluten Sinn. Solange wir besser sind als unsere Konkurrenten (zum Beispiel Neandertaler), verzeiht sie uns die Fehler.&quot;&nbsp; Dobelli, 2011, Loc. 2195-96
Der studierte Betriebswirt Dobelli bringt viele anschauliche Beispiele für Denkfehler aus den Bereichen der Wirtschaft und man spürt, dass ihn auch die derzeitige globale ökonomische und ökologische Krise sehr beschäftigt.
&quot;Die Kontrollillusion ist die Tendenz, zu glauben, dass wir etwas kontrollieren oder beeinflussen können, über das wir objektiv keine Macht haben.&quot; Loc. 825-27<br />&quot;Es wäre für alle Beteiligten unerträglich, sich einzugestehen, dass die Weltwirtschaft ein fundamental unsteuerbares System ist.&quot; Loc. 844-45<br />&quot;Überall dort, wo der Nutzen beim Einzelnen anfällt, die Kosten aber bei der Gemeinschaft, lauert die Tragik der Allmende: CO2-Ausstoß, Abholzung, Wasserverschmutzung, Bewässerung, Übernutzung der Radionfrequenzen, öffentliche Toiletten, Weltraumschrott, Banken, die 'too big to fail' sind. ... Die Tragik ist bloß ein Effekt, der eintritt, wenn die Gruppengröße ungefähr 100 Menschen übersteigt und wir an die Grenze der Regenerationskapazität von Systemen stoßen. Es braucht keine besondere Intelligenz, um zu erkennen, dass wir in zunehmendem Maß mit diesem Thema konfrontiert sein werden.&quot; Dobelli, 2011, Loc. 949-51<br />&quot;Lineares Wachstum verstehen wir intuitiv. Doch wir haben kein Gefühl für exponentielles (oder prozentuales) Wachstum.&quot; Dobelli, 2011, Loc. 1505-6<br />&quot;Nichts, was prozentual wächst, wächst ewig - auch das vergessen die meisten Politiker, Ökonomen und Journalisten. Jedes exponentielle Wachstum kommt irgendwann an eine Grenze - garantiert.&quot; Dobelli, 2011, Loc. 1518-20
Beim Lesen des Buches fühlt man sich immer wieder ertappt, weil Doblin gnadenlos die eigenen menschlichen Schwächen aufdeckt. Besonders beim &quot;Confirmation Bias&quot; ist mir das klar geworden:
&quot;Der Confirmation Bias ist der Vater aller Denkfehler - die Tendenz, neue Informationen so zu interpretieren, dass sie mit unseren bestehenden Theorien, Weltanschauungen und Überzeugungen kompatibel sind. Anders ausgedrückt: Neue Informationen, die im Widerspruch zu unseren bestehenden Ansichten stehen (in der Folge als Disconfirming Evidence bezeichnet, da ein passender deutscher Ausdruck fehlt), filtern wir aus. Das ist gefährlich. 'Tatsachen hören nicht auf zu existieren, nur weil sie ignoriert werden', sagte Aldous Huxley.&quot; Dobelli, 2011, Loc. 488-91
Bedenklich ist der &quot;Confirmation Bias&quot; angesichts der Optimierung und Individualisierung von Suchergebnissen und Empfehlungen der webbasierten Dienste wie z.B. Google, Facebook, oder Amazon.
&quot;Wir bewegen uns zunehmend in Communitys von Gleichdenkenden, die den Confirmation Bias noch verstärken.&quot; Dobelli, 2011, Loc. 550-51
Obwohl wir unsere Denkfehler erkennen können, zeigt Dobelin, dass es unmöglich ist, angesichts unserer biologischen Konstitution und der Komplexität unserer Umwelt, alle unsere Entscheidungen auf rein rationalem Denken zu gründen. Immer wieder blitzen daher bei Dobelin fast schon daoistisch anmutende Erkenntnisse auf. 
&quot;Wirklich Wissende wissen, was sie wissen - und was nicht. Befindet sich jemand von diesem Kaliber außerhalb seines 'Kompetenzkreises', sagt er entweder gar nichts oder: 'Das weiß ich nicht.'&quot; Dobelli, 2011, Loc. 809-11
&quot;Sie erhalten keine Ehrung, keine Medaille, keine Statue mit Ihrem Namen drauf, wenn Sie durch Abwarten genau die richtige Entscheidung treffen - für das Wohl der Firma, des Staates, der Menschheit&quot; Dobelli, 2011, Loc. 1849
Rolf Dobelin gelingt es, auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse, ein unterhaltsames und doch auch weises Buch über das Denken des Menschen zu schreiben.
Zitate aus: Die Kunst des klaren Denkens, Rolf Dobelli, Carl Hanser Verlag Kindle Edition, 2011]]></content:encoded>
			<category><a href="koerper-psyche.html" target="_self" title="Körper &amp; Psyche">Körper &amp; Psyche</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Sun, 09 Oct 2011 18:38:00 +0200</pubDate>
			
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