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		<lastBuildDate>Fri, 13 Jan 2012 06:53:00 +0100</lastBuildDate>
		
		
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			<title>Buchtipp: &quot;Stille in der Stadt&quot; von Ursula Richard</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/buchtipp-stille-in-der-stadt-von-ursula-richard.html</link>
			<description>Ein City-Guide für kurze Auszeiten und überraschende Begegnungen</description>
			<content:encoded><![CDATA[Mitten im Trubel einen Ort zu finden, der aufatmen lässt, das wünschen sich viele Stressgeplagte. Überraschend und entlastend: Es ist nicht nötig, aus der Stadt zu fliehen, um sich zu erholen. Mit Achtsamkeit und einer veränderten Wahrnehmung bietet die Großstadt wieder erfrischende Begegnungen und pulsierendes Leben. Großstadtmeditationen - Entspannung beginnt am Hauptbahnhof. Übungen zur Entschleunigung. Auszeiten: Kirchen, Parks und Treppenhäuser.&nbsp;© Bild und Text Kösel. Stille in der Stadt - Ein City-Guide für kurze Auszeiten und überraschende Begegnungen, Ursula Richard, Kösel, 2011
<b>Kommentar</b>
Ein Phänomen, welches mir öfter bei der Praxis west-östlicher Wege begegnet, ist die Trennung zwischen Alltag und Übungspraxis. Das Üben des Weges wird oft als etwas &quot;Heiliges&quot; oder &quot;Besonderes&quot; empfunden, welches nur zu bestimmten Zeiten und an speziellen Orten durchgeführt werden kann. Einer meiner Lehrer wurde einmal gefragt, wie oft und wie lange er den am Tag übe und welche Tageszeiten besonders geeignet wären. Mein Lehrer hat die Frage zunächst gar nicht verstanden, da er sein tägliches Leben als Übungsweg sieht und nicht in Übungseinheiten oder -zeiten unterteilt. Auch habe ich schon erlebt, daß sich jemand geweigert hat Tai Chi in einer Schulsporthalle zu üben, da der Ort dieser Kunst angeblich nicht angemessen sei. Unverständlich, wenn man selbst erlebt hat, wie in China Tai Chi oder Qigong an jeder Straßenecke praktiziert wird. Das Üben eines Weges wird manchmal auch als Methode zur Selbstoptimierung und Leistungssteigerung benutzt, um in der westlichen Leistungsgesellschaft zu den Siegern zu gehören, oder vielleicht als exotische Wellness-Flucht aus dem, als trostlos empfundenen, Alltag.
In ihrem lesenswerten Buch &quot;Stille in der Stadt&quot; geht Ursula Richard auf ein weit verbreites Mißverständnis spiritueller Wege ein und beschreibt aus ihrer eigenen Lebenserfahrung die Entdeckung der spirituellen Stadtpraxis.
&quot;Solange ich spezielle Zeiten und Orte für Stille und spirituelle Praxis, für Meditation oder Entspannung 'reserviere', um mich frisch, wach und gelassen den weiteren 16 Stunden des Tages widmen zu können, so lange besteht die Gefahr, dass Spiritualität kein integraler Bestandteil meines Lebens ist, sondern lediglich Teil meines Terminkalenders, in dem ich eben auch noch die halbe Stunde Meditation am Morgen oder Abend, die Yogastunde, die Meditationsgruppe einmal in der Woche oder den Vortrag am Wochenende unterbringe. So wird Spiritualität unweigerlich zu einer unter anderen Selbstoptimierungsstrategien.&quot; Loc. 46-49
Ursula Richard lebt und arbeitet in Berlin und praktiziert seit 1985 Zen. Obwohl die buddhistische Sichtweise in ihrem Buch vorherrschend ist, geht Ursula Richard auch auf andere Wege ein und versucht die Essenz des Übens aufzuzeigen. Sie bemerkt daher zurecht: &quot;... dass achtsam über die Straße zu gehen oder einem anderen Menschen die Tür aufzuhalten durchaus mit Spiritualität zu tun hat.&quot; Loc. 64
In der &quot;spirituellen Szene&quot; wird das alltägliche Leben meist als minderwertig und belastend empfunden. Die lästigen täglichen Verrichtungen, der Stress in Familie und Beruf, der Lärm und Schmutz der Stadt, das Elend in manchen Stadtvierteln. Wie anders dagegen das Praktizieren der &quot;edlen und heiligen&quot; Wege in besonders schöner Umgebung und mit ganz besonderen Menschen. Ursula Richard entlarvt dieses Mißverständnis und zeigt wie sinnlos diese Fluchten sind: &quot;Ein letztlich vergeblicher Versuch, denn wir sind keine abgetrennten, isolierten Inseln, die für sich allein 'Rettungspakete schnüren' könnten.&quot; Loc. 76-77
Sehr gelungen finde ich, wie Ursula Richard im ersten Teil ihres Buches die wesentliche Elemente ihrer spirituellen Stadtpraxis herausarbeitet. &quot;Im ersten Kapitel des Buches geht es mir darum, ausführlich zu zeigen, dass urbane Spiritualität sich vor allem in der bereits angesprochenen Haltung von Achtsamkeit, Offenheit, Anteilnahme und Verbundenheit ausdrückt und dass sie mit traditionellen spirituellen oder religiösen Kontexten verbunden werden kann, aber nicht notwendigerweise muss. Im zweiten und dritten Kapitel wird die Achtsamkeit als ein entscheidendes Werkzeug spiritueller Stadtpraxis näher betrachtet, aber es wird auch beleuchtet, warum wir uns damit oft so schwer tun.&quot; Loc. 108-9
Was mir auch gut gefällt ist, dass Ursula Richard in ihrem Buch sehr bodenständig und menschlich bleibt und nicht in esoterische Glückswelten oder Heilsversprechen abdriftet. Sie weist immer auf die Schwierigkeiten und Probleme hin und klammert auch das Leiden nicht aus. &quot;Es erscheint mir ein wichtiger Teil dieses Weges zu sein, sich mit der Kunst des Scheiterns vertraut zu machen; zu akzeptieren, sich immer wieder als unachtsam, genervt, hektisch und aggressiv zu erleben.&quot; Loc. 128-29
In den weiteren Kapiteln beschreibt Ursula Richard ihre Begegnungen mit Orten und Menschen in der Stadt und zeigt anhand vieler Beispiele, wie spirituelle Stadtpraxis im Alltag aussehen könnte.
Am Ende ihres Buches entwirft Ursula Richard ihre Vision einer &quot;achtsamen Stadt&quot;. Die Gründe für ihre Wunschvorstellung kann ich gut nachvollziehen, allerdings habe ich immer ein ungutes Gefühl im Bauch, wenn Menschen Utopien dafür entwickeln, wie andere Menschen leben sollten.&nbsp;
Ursula Richard hat ein sehr schönes, lesenswertes und reichhaltiges Buch über die spirituelle Stadtpraxis geschrieben. Trotz der vielen Geschichten, Begegnungen und Beschreibungen kommt sie immer wieder auf das Wesentliche zurück.&nbsp;
&quot;Achtsamkeit bedeutet, von Moment zu Moment achtsam zu sein für das, was wir tun, für das, was ist, und wenn wir abschweifen mit unseren Gedanken – und das tun wir ständig -, geduldig wieder in den gegenwärtigen Moment zurückzukehren, wieder und wieder. Mehr gibt es nicht zu tun.&quot; Loc. 317-19]]></content:encoded>
			<category><a href="spiritualitaet-lebenskunst.html" target="_self" title="Spiritualität &amp; Lebenskunst">Spiritualität &amp; Lebenskunst</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 06:53:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Buchtipp: &quot;Das Leben ist eine Öko-Baustelle&quot; von Christiane Paul mit Peter Unfried</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/buchtipp-das-leben-ist-eine-oeko-baustelle-von-christiane-paul-mit-peter-unfried.html</link>
			<description>Mein Versuch, ökologisch bewusst zu leben</description>
			<content:encoded><![CDATA[Engagiert, aber ohne erhobenen Zeigefinger: ein Plädoyer für die Verantwortung des Einzelnen. Christiane Paul ist richtig wütend – weil die Regierungen dieser Welt anscheinend nicht willens sind, die großen ökologischen Fragen konsequent anzugehen. &quot;Hallo, aufwachen!&quot;, würde sie den Politikern gerne zurufen. Aber sie findet auch, dass jeder Einzelne Verantwortung übernehmen muss. Sehr engagiert und zugleich selbstironisch erzählt sie von ihrem Versuch, das Leben ihrer Familie so umwelt- und klimaverträglich wie möglich zu gestalten. Für Umweltschutz hat sich Christiane Paul schon als Jugendliche interessiert. Aber seit sie Kinder hat, ist ihr die Bedrohung unseres Planeten durch den Klimawandel noch stärker bewusst. Dass wir uns von liebgewonnenen Gewohnheiten verabschieden müssen, weiß sie, aber was heißt das konkret? Christiane Paul berichtet von ihren Anstrengungen, ihren Lebensstil von der Ernährung bis zur Mobilität umweltfreundlich zu gestalten. Sie streitet sich mit Promiwirten über die Frage, ob Heizpilze sein müssen, diskutiert mit dem New Yorker Literaturstar und Vegetarier Jonathan Safran Foer, ob ihre Kinder kein Fleisch mehr essen sollen, befragt Ernährungsberater, Klimawissenschaftler und Politiker. Sie merkt, wie schnell man als berufstätige Mutter mit zwei kleinen Kindern an die eigenen Grenzen kommt und wie leicht man anderen mit Bekehrungsversuchen auf die Nerven geht. Doch auch wenn das ökologisch korrekte Leben manchmal reichlich mühsam ist, will sie mit ihrem Verhalten ansteckend wirken - damit sich alle für eine globale Zukunft engagieren. Das Leben ist eine Öko-Baustelle - Mein Versuch, ökologisch bewusst zu leben; Christiane Paul mit Peter Unfried; Ludwig Verlag; 2011
© Bild und Text Ludwig Verlag
<b>Kommentar</b>
Christiane Paul ist gelernte Ärztin, Schauspielerin, verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Aus dieser subjektiven Perspektive heraus schreibt sie in ihrem Buch über unsere moderne Lebenswelt und deren Herausforderungen angesichts der globalen ökologischen Krisen. Diese subjektive Perspektive ist die große Stärke des Buches, da sie den Leser zwingt seine eigene Lebenssituation zu reflektieren und eigene Einstellungen und Verhaltensweisen zu hinterfragen. Natürlich werden im Buch auch Fakten zum Klimawandel genannt, Experten befragt und die politische Situation analysiert, letztlich geht es aber darum, was jeder von uns angesichts der globalen Bedrohungen in seinem eigenen Leben zu ändern bereit ist. 
&quot;Mein Buch handelt davon, was wir in unserem Alltag tun können, es handelt von den ökologischen Versuchen in meinem eigenen Leben und natürlich auch von den Grenzen des privaten Tuns.&quot; Location 99&nbsp; 
Die Dimension und Komplexität der globalen Krisen übersteigt das eigene Vorstellungsvermögen. Ratlosigkeit, Ohnmachtsgefühle oder Resignation sind oft die Folge. Eine andere Möglichkeit will Christiane Paul in ihrem engagierten und selbstironisch geschriebenen Buch aufzeigen, indem sie ihren eigenen Weg zu einer umwelt- und klimaverträglich Lebensweise schildert. Sehr gut gefällt mir, dass sie dabei nicht besserwisserisch oder mit der großen Moralkeule daher kommt, sondern sehr selbstkritisch die großen und kleinen Probleme aus ihrem persönlichen Alltag untersucht. Welchen Schwierigkeiten ein ökologisch besorgter Mensch begegnen kann, zeigt Christiane Paul sehr gut an Beispielen aus der Erziehung ihrer Kindern, aus Gesprächen mit der eher skeptisch eingestellten Schwester, oder aus ihrem Beruf als Schauspielerin.&nbsp; 
Neben der persönlichen Familien- und Lebensgeschichte bilden die Gespräche mit Experten einen weiteren Schwerpunkt des Buches. Fakten und Hintergründe zum Klimawandel werden intensiv erörtert, aber auch hier bleibt Christiane Paul ihrer Linie treu und fragt nach den jeweiligen persönlichen Konsequenzen und Verhaltensweisen.&nbsp;&nbsp; 
Der Klimawissenschaftler Anders Levermann nimmt Flugreisen in Kauf, um in der öffentlichen Diskussion über Klimapolitik seinen Standpunkt zu vertreten. Jonathan Safran Foer, Vegetarier und Autor des Buches &quot;Tiere essen&quot;, sieht es schon als Erfolg, wenn überhaupt weniger Fleisch gegessen wird. Die Ernährungsmedizinerin Ute Gola differenziert bezüglich der vegetarischen Ernährung zwischen Kindern, Erwachsenen und familiären Traditionen. Der langjährige Air-Berlin-Chef Achim Hunold ist der Meinung, dass es ein Ökoflugzeug niemals geben werde. Als persönliche Konsequenz aus seinen Erkenntnissen verzichtet der Soziologe und Klimakultur-Forscher Harald Welzer auf Langstreckenflüge. Als erster Politiker hat der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer sein Amt mit dem Wahlkampfthema Klimawandel gewonnen. Der britische Journalist Leo Hickman, Autor von &quot;Fast nackt&quot;, einem Selbstexperiment in ethisch korrektem Leben, zweifelt manchmal angesichts von sieben Milliarden Menschen, ob überhaupt etwas auszurichten ist.&nbsp; 
Man könnte meinen, dass wieder einmal eine Prominente ein Buch über eine gute Sache geschrieben hat, um ihren Marktwert zu steigern. Bei Christiane Paul trifft dies allerdings nicht zu. Ihre persönliche Betroffenheit und Besorgnis ist echt und beim Lesen ständig zu spüren. Vielleicht ist es notwendig, dass Prominente ihre Popularität nutzen, um drängende Fragen unserer Zeit weiteren Bevölkerungkreisen zugänglich zu machen. Als Schlussfolgerung ihrer Auseinandersetzung mit dem Klimawandel schreibt sie am Ende des Buches:&nbsp; 
&quot;Mein Fazit: bei sich selbst anfangen, andere mitnehmen und so eine umweltverantwortliche Politik möglich machen. Nicht das Ideale beschwören, sondern das Mögliche tun.&quot; Loc. 4594&nbsp; 
Nachdenklich hat mich eine Aussage von Leo Hickmann gemacht: &quot;..., dass es letztlich eine Ökokatastrophe in einem westlichen Industrieland brauche, vermutlich sogar in den USA, damit Regierungen und Gesellschaften wirklich aufwachten. Loc. 4562&nbsp; 
Hoffen wir das Beste!
<link http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/christiane-paul-das-leben-ist-eine-oeko-baustelle-man-kann-die-augen-nicht-mehr-zumachen-11489799.html _blank external-link-new-window "Rezension bei Faz.net"><img alt="undefined" src="fileadmin/md/main/img/external_link_new_window.gif" />Rezension bei Faz.net</link>]]></content:encoded>
			<category><a href="erde-mensch.html" target="_self" title="Erde &amp; Mensch">Erde &amp; Mensch</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Sun, 27 Nov 2011 09:10:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Lesetipp: SPIEGEL WISSEN 4/2011</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/lesetipp-spiegel-wissen-42011.html</link>
			<description>Rücken ohne Schmerz - Neue Therapien für Körper und Seele</description>
			<content:encoded><![CDATA[Rückenleiden sind die Volkskrankheit schlechthin: Mehr als 80 Prozent aller Deutschen spüren mindestens einmal in ihrem Leben Schmerzen im Kreuz - meistens sogar sehr viel häufiger. Hexenschuss, Ischias, Nackenweh und Lendenschmerzen sind, nach dem Schnupfen, der zweithäufigste Grund, zum Arzt zu gehen, und der häufigste Grund für den Besuch beim Alternativmediziner. Doch den Betroffenen drohen unsinnige Ratschläge und gefährliche Behandlungen; vor allem wird viel zu oft unnötigerweise an der Wirbelsäule operiert. SPIEGEL-Redakteure haben bei Bewegungsmedizinern, Evolutionsbiologen, Orthopäden, Chirurgen, Schmerztherapeuten, Psychiatern, Psychologen und Stressforschern recherchiert und berichten, was dem Kreuz wieder aufhilft. Gestützt durch wissenschaftliche Beweise, propagieren sie neue Therapien, die auf Körper und Seele gleichermaßen wirken und den Rückenschmerz tatsächlich besiegen können.
© Text und Bild Spiegel Wissen
<b>Kommentar</b>
Es ist schon sehr verwunderlich, dass im 21. Jahrhundert das mechanistisch-descartianisches Welt- und Menschenbild noch große Teile unseres Gesundheitssystems dominiert. Der Mensch wird immer noch als eine Art Maschine gesehen, die wie ein Auto zu funktionieren hat und bei Fehlfunktion dementsprechend repariert werden kann. Die Computermetapher ist vorherrschend, Hard- und Software sind getrennt und werden daher unterschiedlich behandelt.
Das einleitende Kapitel &quot;Das Kreuz mit dem Kreuz&quot; beginnt mit einem Artikel von Spiegel Redakteur Jörg Blech, welcher bereits einige sehr gute Bücher zum Thema Gesundheit verfasst hat, wie z.B. &quot;Die Krankheitsfinder&quot; oder &quot;Heilen mit Bewegung&quot;. Jörg Blech formuliert auch das durchgängige Thema des Heftes, dass sich nämlich gerade beim Rückenschmerz die Einheit von Körper und Seele sehr deutlich zeigt.
&quot;Dauerhafte seelische Anspannungen, verursacht durch mangelnde Stressbewältigung, lösen im Körper krank machende Vorgänge aus, die zu Schmerzen führen oder bestehende verstärken können.&quot; S. 17
Sehr gut ist auch das Interview mit dem Orthopäden Reiner Gradinger über unnötige Eingriffe und schwarze Schafe unter den Ärzten. Interessant seine These über den Zusammenhang von Ich-Gesellschaft und Krankheit.
&quot;Es geht uns das Gefühl für das Normale verloren, für das, was alle haben und was dazugehört, Alterserscheinungen zum Beispiel. Heute geht man schon wegen Kleinigkeiten zum Arzt. Da ist eine Überängstlichkeit entstanden. Und die zunehmende Konzentration auf sich selbst, diese Ichbezogenheit, verschlimmert jedes Wehwehchen. Wer sich überwiegend mit sich selbst beschäftigt, überhöht alles, was ihm geschieht.&quot; S. 24
Das Kapitel &quot;Körper und Seele&quot; wird von dem interessanten Artikel &quot;Kampf dem Seelenschmerz&quot; von Bettina Musal ab S. 28 eingeleitet. Gerade beim Thema Schmerz zeigen sich die Auswirkungen unseres westlichen Welt- und Menschenbildes, mit seiner vorherrschenden Trennung von Körper und Psyche. 
&quot;Psychosoziale Einflussfaktoren entscheiden mit darüber, ob aus einem akuten ein wiederkehrender und schließlich ein chronischer Schmerz wird.&quot; S. 33
Werden körperliche Probleme gesellschaftlich akzeptiert, gelten psychische Ursachen immer noch als sehr suspekt. Das Interview mit dem Psychosomatiker Ulrich T. Egle ab S. 37 liefert dazu interessante Erkenntnisse.
&quot;Wenn ich dem Patienten sage, der Rückenschmerz ist psychisch bedingt, denken viele, der will mich als Simulanten überführen, der bezweifelt, dass ich wirklich Schmerzen habe.&quot; S. 37
&quot;Wer in der Kindheit ein hohes Maß an Belastung aushalten musste, hat eine hohe Stress-Vulnerabilität und damit beispielsweise ein Depressionsanfälligkeit, ist also mit größerer Wahrscheinlichkeit anfällig für Rückenschmerzen.&quot; S. 39
Sehr faszinierend fand ich einen weiteren Artikel (&quot;Zum Laufen geboren&quot; ab S. 41.) von Jörg Blech über die evolutionsbiologische Hintergründe des menschlichen Rückens.
&quot;Rückenschmerzen hielten Evolutionsmediziner lange für den Preis des aufrechten Gangs. Doch Vergleiche zwischen Affen und Menschen zeigen: Der Rücken taugt in Wahrheit bestens für die Bewegung auf zwei Beinen.&quot; S. 41
Simon Book beschreibt in seinem Artikel ab S. 53 über die traurige Tatsache, dass von Rückenschmerzen bereits Kinder betroffen sind.
&quot;Rückenschmerzen sind längst nicht mehr nur ein Problem der Alten. Bis zu 50 Prozent der Schulkinder klagen gelegentlich über Rückenschmerzen, etwa 300000 Kinder sind deswegen in Behandlung. Und die Zahlen steigen.&quot; S. 53
Gut finde ich, dass nicht nur komplexe therapeutische Verfahren erwähnt werden, sondern auch einfache Maßnahmen und die Ursachen in dem Artikel benannt werden. Z.B. wird die Kinderorthopädin Rösch zitiert: &quot;'Zwischen den Schulstunden sollte einfach mal Toben angesagt sein' meint sie. Der Sportunterricht komme sowieso zu kurz.&quot; S. 54
Zum Schluss des Kapitels &quot;Körper und Seele&quot; wird in dem Artikel &quot;GAU für den Sozialstaat&quot; ab S. 56 von Katrin Elger und Laura Gitscher die Ursachen in Arbeitswelt und deren gesamtwirtschaftlichen Folgen betrachtet.
&quot;Stress, Unzufriedenheit oder Überforderung im Beruf erweisen sich als wahres Rückengift. Während Mediziner und Psychologen noch nach Lösungen suchen, haben Ökonomen das Ausmaß der Katastrophe durchgerechnet: Jeder Lendenlahme kostet die deutsche Volkswirtschaft durchschnittlich 1322 Euro pro Jahr.&quot; S. 57
Sehr interessant sind in o.g. Kapitel auch die Ergebnisse verschiedener Studien über die Ursachen der vielen Krankmeldungen. Körperliche Schwerarbeit, Fehlhaltungen und ergonomische Defizite spielen fast keine Rolle. Vielmehr sind psychische Probleme am Arbeitsplatz und die Ausuferung des Wohlfahrtsgedanken Hauptursachen der Rückenmisere.
&quot;Um Ansprüche gegenüber dem Sozialstaat durchsetzen zu können, müsse ein Rückenpatient möglichst krank sein - anstatt zu versuchen, gesund zu werden.&quot; S. 59
&quot;Tatort Wirbelsäule&quot; ab S. ist das beeindruckendste Kapitel des ganzen Heftes. So deutlich und fundiert wie in diesen Artikeln habe ich selten die Kritik an den konventionellen orthopädischen Behandlungsformen lesen können.<br />Bezeichnend ist die Aussage des Wirbelsäulenchirurgen Jürgen Harms, dass mindestens 40 Prozent aller chirurgischen Eingriffe an der Wirbelsäule überflüssig seien (S. 67). Erwähnt wird auch, dass Gier eine Ursache für die kostenintensiven Operationen ist. &quot;Das Stechen und Schneiden an der Wirbelsäule hat sich zu einem Industriezweig ausgewachsen, private Rückendoktoren fischen regelrecht nach Patienten (S. 68).
Mit dem Kapitel &quot;Gesunder Rücken&quot; wird das Heft zum Thema Rückenschmerzen abgeschlossen. Etliche therapeutische und präventive Methoden werden vorgestellt und beschrieben. Wie zu vermuten, spielen Bewegung und Entspannung eine wesentliche Rolle bei der Prävention und Behandlung von Rückenschmerzen.
Das Spiegel Wissen Nr. 4/2011 ist wirklich sehr gelungen. Von Anfang bis Ende ein stimmiges Heft mit vielen spannenden Artikeln zum Thema Rückenschmerzen.
Für Praktizierende ostasiatischer Künste ist die Einheit von Körper und Geist keine neue Erkenntnis. Hoffentlich kann das alte mechanistisch-descartianisches Paradigma des Westens bald überwunden werden und eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen an seine Stelle treten.]]></content:encoded>
			<category><a href="koerper-psyche.html" target="_self" title="Körper &amp; Psyche">Körper &amp; Psyche</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Sat, 12 Nov 2011 12:59:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Buchtipp: &quot;Der Sinn des Gebens&quot; von Stefan Klein</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/buchtipp-der-sinn-des-gebens-von-stefan-klein.html</link>
			<description>Warum Selbstlosigkeit in der Evolution siegt und wir mit Egoismus nicht weiterkommen</description>
			<content:encoded><![CDATA[Selbstlos siegt! Welche Gesetze über Erfolg und Misserfolg in unserem Leben bestimmen. Den Selbstlosen gehört die Zukunft: Das ist die erstaunliche Quintessenz des neuen Buches von Stefan Klein, das unser Denken und Handeln verändern wird. Denn die neueste Forschung lässt die Ehrlichen keineswegs als die Dummen dastehen. Entgegen unserem Alltagsglauben schneiden Egoisten nämlich nur kurzfristig besser ab. Auf längere Sicht haben diejenigen Menschen Erfolg, die sich um das Wohl anderer bemühen. Denn nicht nur Wettbewerb, sondern auch Kooperation ist eine Triebkraft der Evolution. Ein Sinn für Gut und Böse ist uns angeboren. Stefan Klein zieht einen faszinierenden Querschnitt durch die aktuellen Ergebnisse der Hirnforschung und der Genetik, der Wirtschaftswissenschaften und der Sozialpsychologie. Er zeigt, welche Gesetze über Erfolg und Misserfolg in unserem Leben bestimmen. Und er stellt dar, warum menschliches Miteinander und das Wohlergehen anderer zu unseren tiefsten Bedürfnissen gehören. Für andere zu sorgen schützt uns nicht nur vor Einsamkeit und Depression. Vielmehr macht uns Selbstlosigkeit glücklicher und erfolgreicher - und beschert uns nachweislich sogar ein längeres Leben.
© Text und Bild Fischer
<b>Kommentar</b>
Stefan Klein hat ein sehr optimistisches Buch über den menschlichen Altruismus geschrieben: &quot;Dieses Buch ist eine Einladung, die freundliche Seite unseres Wesens zu erkunden.&quot; Klein, 2011, S. 16
Allerdings sehe ich das nicht als Nachteil. Eine umfassende Diskussion über die menschliche Natur hätte den Rahmen des Buches gesprengt. Über die dunkle Seite unseres Wesens gibt es außerdem genügend Literatur, wie z.B. &quot;Der Luzifer-Effekt&quot; von Philip Zimbardo.
Der Autor geht im Wesentlichen der Frage nach, ob der Mensch in der Lage sein wird, die Krisen unserer heutigen Zeit im Rahmen einer globalen Gemeinschaft bewältigen zu können. 
&quot;Die Geschichte der Menschheit begann mit einer altruistischen Revolution - unsere Vorfahren fingen an, für ihre Nächsten zu sorgen. Nur gemeinsam hatten sie eine Chance in einer Welt, in der Nahrung knapp wurde, weil das Klima sich wandelte. Heute stehen wir vor einer ähnlichen Schwelle: Die Herausforderung ist, Zusammenarbeit in viel größerem Maßstäben zu lernen. Es ist Zeit für eine zweite altruistische Revolution.&quot; Klein, 2011, S. 16
Zunächst gilt es zu klären, was unter Egoismus und Altruismus zu verstehen ist.
&quot;Und an der Frage, wer die Kosten trägt und wer den Nutzen hat, offenbart sich sofort, ob sich ein Mensch egoistisch oder altruistisch verhält: Ein Egoist genießt einen Nutzen, für den andere zahlen. Extrem egoistisch benimmt sich etwa ein Dieb. Ein Altruist dagegen nimmt eigene Kosten in Kauf, um für andere Nutzen zu stiften - zum Beispiel, indem er etwas verschenkt, ohne dass eine Gegenleistung zu erwarten steht. Diese Definition verwendet auch die Verhaltensforschung.&quot; Klein, 2011, S. 27
Altruismus ist evolutionsbiologisch allerdings schwer zu erklären. Darwin selbst hatte keine Lösung für die Frage gefunden, wieso die natürliche Selektion altruistisches Verhalten nicht aus dem Genpool entfernt hat.
Im ersten Teil seines Buches zeigt Stefan Klein anhand vieler Fakten aus der Spieltheorie, der Neuro- und der Evolutionsbiologie, &quot;... dass Kooperation und sogar Selbstlosigkeit sich durchsetzen können, weil sie sich oft langfristig lohnen.&quot; Klein, 2011, S. 137
Wie unsere Spezies die Fähigkeit zu altruistischen Handeln erlangt hat und wie erfolgreich sie damit in der Evolution bestehen konnte, beschreibt Stefan Klein im zweiten Teil seines Buches. In seiner Beweisführung erwähnt er auch die Arbeit von Sarah Blaffer Hrdy (siehe Link unten). Die weltweite Entstehung von Hochkulturen (Achsenzeit ca. 500 v.Chr.) stellte den Menschen vor neue Herausforderungen. 
&quot;Statt in überschaubaren Dörfern und Sippen lebten Menschen nun in größeren Verbänden dicht zusammen, oft ohne auch nur im Entferntesten verwandt zu sein. Trotzdem mussten sie lernen, in Eintracht zu leben.&quot; Klein, 2011, S. 242
Für das Zusammenleben in größeren Zivilisationen hat die biologische Evolution den Mensch nicht optimiert. Er musste lernen seine angeboren empathischen Fähigkeiten zu einer allgemeingültigen Moral zu transformieren. Die Essenz dieser Transformation ist die &quot;Goldene Regel&quot;, welche, in verschiedenen Formulierungen, bei allen Kulturen entstanden ist.
&quot;Bis in die Wortwahl gleichen sich auch die Umschreibungen der 'Goldenen Regel', die in all diesen Lehren zentrale Bedeutung hat. Wiederum hat Konfuzius sie als Erster aufgestellt haben: 'Was man mir nicht antun soll, will ich auch nicht anderen Menschen zufügen.&quot; Klein, 2011, S. 248
Von Immanuel Kant wurde die &quot;Goldene Regel&quot; weiterentwickelt: &quot;Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.&quot; Klein, 2011, S. 251
Als Erfolgsgeschichte des selbstlosen Handelns nennt Stefan Klein die Entstehung freier Software, wie z.B. Linux und die vielen selbstlosen Projekte im World Wide Web wie z.B. Wikipedia. Das Internet und die Informationsgesellschaft sieht der Autor auch als eine große Chance für das Zusammenwachsen der globalen Völkergemeinschaft. Die Entstehung einer Weltgemeinschaft ist nach Stefan Klein auch notwendig zur Lösung der derzeitigen und kommenden ökologischen und wirtschaftlichen Krisen.
&quot;Während der längsten Zeit der Menschheitsgeschichte kooperierten unsere Vorfahren, weil ihnen ein gewissen Maß selbstloser Neigungen angeboren war und weil sie Gruppennormen befolgten. Dies, und nicht der in freien Märkten kanalisierte Egoismus, ist das Fundament, auf dem jedes menschliche Zusammenleben ruht.&quot; Klein, 2011, S. 267
&quot;Wenn die Bereitschaft, selbstlos zu handeln, durch vielfältige Gruppenzugehörigkeiten wächst, dann sollte die Vernetzung der Welt bewirken, dass immer mehr Menschen sich altruistisch verhalten. Viel spricht dafür, dass diese Annahme zutrifft.&quot; Klein, 2011, S. 271
Die optimistische Grundhaltung des Buches wird von Stefan Klein bis zum Schluss durchgehalten.
&quot;Zum ersten Mal in der Geschichte zeichnet es sich ab, dass Menschen über alle Grenzen hinweg teilen - weil Kulturen und Kontinente zusammenwachsen, weil Entfernungen kaum mehr zählen, weil Wissen zum wertvollsten Produktionsmittel wird. ... Je mehr Menschen weltweit übereinander wissen und voneinander abhängen, desto stärker steigt der Nutzen der Selbstlosigkeit, während ihre Kosten sinken. Die Zukunft gehört den Altruisten.&quot; Klein, 2011, S. 276
Hoffen wir das Beste!]]></content:encoded>
			<category><a href="koerper-psyche.html" target="_self" title="Körper &amp; Psyche">Körper &amp; Psyche</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Sun, 06 Nov 2011 14:36:00 +0100</pubDate>
			
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		<item>
			<title>Lesetipp: ZEIT WISSEN Ausgabe 06/11</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/lesetipp-zeit-wissen-ausgabe-0611.html</link>
			<description>Die Kunst der Entscheidung</description>
			<content:encoded><![CDATA[Die Welt steht uns offen. Wir haben heute so viele Möglichkeiten wie nie zuvor – wir müssen uns nur entscheiden. Aber wie? Und auf wen sollen wir hören? Auf Freunde, den Verstand, den Bauch? Bei jeder unserer Entscheidungen werden wir beeinflusst. Von wem und wie zeigen neue Forschungsergebnisse - und sieben Beispiele aus dem wahren Leben, die lehren, Fehlentscheidungen zu vermeiden.
© Text und Bild Zeit Wissen
<b>Kommentar</b>
In der Titelgeschichte des Oktober/November Heftes beschreibt die Zeit Wissen Redaktion 7 Beispiele zum Thema Entscheidungen: unter Stress (S. 17), bei der Wahl des richtigen Partners (S. 19), beim Einkaufen (S. 20), bei der Berufswahl (S. 20), beim Geldanlegen (S. 22), für oder gegen Kinder (S. 24), beim Essen (S. 26). Ab S. 28 zusätzlich das Thema Fehlentscheidungen.
Zu Beginn des hervorragenden Artikels über die Kunst der Entscheidung schildern die Autoren, wie der Neurologe Antonio Damasio anhand klinischer Studien zu der Erkenntnis gekommen ist, dass ohne Gefühl der Verstand hilflos ist. Die Patienten von Damasio hatten durch Krankheit oder Unfälle die Fähigkeit zu Fühlen verloren und konnten in Folge dessen keine Entscheidungen mehr treffen.
&quot;Mit dem Verstand stellt man sich Situationen vor, zu denen die Optionen führen könnten, und wägt ab, wie man sich in diesen Situationen fühlen würde. Eine beachtliche mentale Leistung, zu der nur Menschen fähig sind. Wer Gefühl oder Verstand verliert, verirrt sich im Dickicht der Möglichkeiten.&quot; S.16
Anhand der geschilderten Beispiele wird immer wieder aufgezeigt, wie selten wir eigentlich wirklich rational entscheiden und wie unsere Entscheidungen beeinflußt werden.
&quot;Auch wenn wir glauben, souverän zu sein, lassen wir uns von Faktoren beeinflussen, die wir nicht einmal bemerken.&quot; S. 16
&quot;'In bedrohlichen Situationen schüttet das Gehirm Noradrenalin aus', sagt der Bremer Hirnforscher Gerhard Roth. Der Botenstoff lässt uns blitzschnell reagieren, schaltet aber weite Teile der Großhirnrine ab. 'Rationale Entscheidungen sind dann praktisch nicht mehr möglich', sagt Roth.&quot; S. 17
Das Beispiel &quot;Geld investieren&quot; passt gut zur aktuellen Diskussion über das Finanzsystem: 
&quot;Entscheidungen, bei denen es um Geld geht. Lange meinte die Wissenschaft, die Menschen handelten dabei rational. Heute ist der Homo oeconomicus beerdigt. Denn wir begehen ständig finanzielle Dummheiten. Die Neuroökonomie hat dafür eine Erklärung: unsere Emotionen - Gier und Lust, Angst und Panik. Unser Gehirn ist nicht für die Wallstreet gemacht. Eher für die Wildnis.&quot; S. 22
Sehr gut finde ich auch folgenden Satz zum Thema Fehlentscheidungen:
&quot;Auch wenn sich Entscheidungen später als falsch herausstellen, gibt es in dem Moment, in dem wir sie treffen, häufig gute Gründe dafür. Deshalb proklamieren viele Psychologen: Fehlentscheidungen gibt es nicht.&quot; S. 28
Bei Entscheidungen ist es, meiner Meinung nach, oft schwierig zu beurteilen, ob sie nun richtig oder falsch waren. Wir können ja nicht wissen, wohin uns eine andere Entscheidung geführt hätte und wer hat nicht schon erlebt, dass sich angebliche Fehlentscheidungen Jahre später als ein Segen herausstellen. 
Sehr gut auch der Beitrag &quot;Können wir wirklich frei entscheiden?&quot; von Tobias Hürter auf S. 26:
&quot;Freier Wille bedeutet, dass Menschen selbstbestimmt handeln. Ihre Wünsche und Absichten sind Ursachen ihrer Handlungen. So gesehen ist es nicht überraschend, dass sich Entscheidungen aus Reizmustern im Gehirn vorhersagen lassen. Denn dort sind auch unsere Wünsche und Absichten versteckt.&quot;
Weitere lesenswerte Artikel: &quot;Die süße Illusion&quot; über Zucker (S. 56), &quot;Allein - und gemein?&quot; über Einzelkinder (S. 88), &quot;Der Tod der anderen&quot; über Schicksalschläge (S. 94) und das Dossier Mobilität ab S. 78.]]></content:encoded>
			<category><a href="koerper-psyche.html" target="_self" title="Körper &amp; Psyche">Körper &amp; Psyche</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Sat, 15 Oct 2011 20:16:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Buchtipp: &quot;Die Kunst des klaren Denkens&quot; von Rolf Dobelli</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/buchtipp-die-kunst-des-klaren-denkens-von-rolf-dobelli.html</link>
			<description>52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen</description>
			<content:encoded><![CDATA[Unser Gehirn ist für ein Leben als Jäger und Sammler optimiert. Heute leben wir in einer radikal anderen Welt. Das führt zu systematischen Denkfehlern - die verheerend sein können für Ihr Geld, Ihre Karriere, Ihr Glück. Wer weiß, wie leicht man sich irren kann, ist besser gewappnet: Rolf Dobelli nimmt die tückischsten &quot;Denkfallen&quot; unter die Lupe, in die wir immer wieder tappen. Und so erfahren wir,- warum wir unser eigenes Wissen systematisch überschätzen (und andere für dümmer halten, als sie sind), - warum etwas nicht deshalb richtiger wird, weil Millionen von Menschen es für richtig halten, - warum wir Theorien nachhängen, selbst wenn sie nachweislich falsch sind. Rolf Dobellis Texte sind nicht nur inhaltlich ausgesprochen bereichernd, sie sind ein echtes Lesevergnügen. Die Kunst des klaren Denkens - 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen, Rolf Dobelli, Carl Hanser Verlag, 2011
© Bild und Text Carl Hanser
<b>Kommentar:</b>
Rolf Dobelli, ein Schweizer Schriftsteller und Unternehmer, hat seine wöchentliche Kolumne &quot;Klarer Denken&quot; bei der Frankfurter Allgemeine Zeitung und der Schweizer SonntagsZeitung, zu einem Buch zusammengefasst.
&quot;Denkfehler, so wie ich den Begriff hier verwende, sind systematische Abweichungen zur Rationalität, zum optimalen, logischen, vernünftigen Denken und Verhalten. Das Wort 'systematisch' ist wichtig, weil wir oft in dieselbe Richtung irren.&quot; Dobelli, 2011, Loc. 243-45
Dobelli argumentiert auf der Basis von Erkenntnissen der Evolutionspsychologie. Die Evolutionspsychologie geht davon aus, dass unsere Verhaltens- und Denkweisen hauptsächlich an ein Leben in Kleingruppen zur Zeit des Pleistozän (ca. 3 Mio. - 10000 Jahre v.Chr.) angepasst sind. Für unsere komplexen modernen Lebenswelten, ausgehend von der neolithischen Revolution vor ca. 10000 Jahren, über die industrielle Kultur bis zur heutigen Informationsgesellschaft, sind die mentalen Fähigkeiten des Menschen nur unzureichend entwickelt. Laut Dobelli sind unsere Hirne auf Reproduktion ausgelegt und nicht auf Wahrheitsfindung. Unsere Fehlentscheidungen und Denkfehler sind daher aus der evolutionären Perspektive zu betrachten:
&quot;Die Evolution 'optimiert' uns nicht im absoluten Sinn. Solange wir besser sind als unsere Konkurrenten (zum Beispiel Neandertaler), verzeiht sie uns die Fehler.&quot;&nbsp; Dobelli, 2011, Loc. 2195-96
Der studierte Betriebswirt Dobelli bringt viele anschauliche Beispiele für Denkfehler aus den Bereichen der Wirtschaft und man spürt, dass ihn auch die derzeitige globale ökonomische und ökologische Krise sehr beschäftigt.
&quot;Die Kontrollillusion ist die Tendenz, zu glauben, dass wir etwas kontrollieren oder beeinflussen können, über das wir objektiv keine Macht haben.&quot; Loc. 825-27<br />&quot;Es wäre für alle Beteiligten unerträglich, sich einzugestehen, dass die Weltwirtschaft ein fundamental unsteuerbares System ist.&quot; Loc. 844-45<br />&quot;Überall dort, wo der Nutzen beim Einzelnen anfällt, die Kosten aber bei der Gemeinschaft, lauert die Tragik der Allmende: CO2-Ausstoß, Abholzung, Wasserverschmutzung, Bewässerung, Übernutzung der Radionfrequenzen, öffentliche Toiletten, Weltraumschrott, Banken, die 'too big to fail' sind. ... Die Tragik ist bloß ein Effekt, der eintritt, wenn die Gruppengröße ungefähr 100 Menschen übersteigt und wir an die Grenze der Regenerationskapazität von Systemen stoßen. Es braucht keine besondere Intelligenz, um zu erkennen, dass wir in zunehmendem Maß mit diesem Thema konfrontiert sein werden.&quot; Dobelli, 2011, Loc. 949-51<br />&quot;Lineares Wachstum verstehen wir intuitiv. Doch wir haben kein Gefühl für exponentielles (oder prozentuales) Wachstum.&quot; Dobelli, 2011, Loc. 1505-6<br />&quot;Nichts, was prozentual wächst, wächst ewig - auch das vergessen die meisten Politiker, Ökonomen und Journalisten. Jedes exponentielle Wachstum kommt irgendwann an eine Grenze - garantiert.&quot; Dobelli, 2011, Loc. 1518-20
Beim Lesen des Buches fühlt man sich immer wieder ertappt, weil Doblin gnadenlos die eigenen menschlichen Schwächen aufdeckt. Besonders beim &quot;Confirmation Bias&quot; ist mir das klar geworden:
&quot;Der Confirmation Bias ist der Vater aller Denkfehler - die Tendenz, neue Informationen so zu interpretieren, dass sie mit unseren bestehenden Theorien, Weltanschauungen und Überzeugungen kompatibel sind. Anders ausgedrückt: Neue Informationen, die im Widerspruch zu unseren bestehenden Ansichten stehen (in der Folge als Disconfirming Evidence bezeichnet, da ein passender deutscher Ausdruck fehlt), filtern wir aus. Das ist gefährlich. 'Tatsachen hören nicht auf zu existieren, nur weil sie ignoriert werden', sagte Aldous Huxley.&quot; Dobelli, 2011, Loc. 488-91
Bedenklich ist der &quot;Confirmation Bias&quot; angesichts der Optimierung und Individualisierung von Suchergebnissen und Empfehlungen der webbasierten Dienste wie z.B. Google, Facebook, oder Amazon.
&quot;Wir bewegen uns zunehmend in Communitys von Gleichdenkenden, die den Confirmation Bias noch verstärken.&quot; Dobelli, 2011, Loc. 550-51
Obwohl wir unsere Denkfehler erkennen können, zeigt Dobelin, dass es unmöglich ist, angesichts unserer biologischen Konstitution und der Komplexität unserer Umwelt, alle unsere Entscheidungen auf rein rationalem Denken zu gründen. Immer wieder blitzen daher bei Dobelin fast schon daoistisch anmutende Erkenntnisse auf. 
&quot;Wirklich Wissende wissen, was sie wissen - und was nicht. Befindet sich jemand von diesem Kaliber außerhalb seines 'Kompetenzkreises', sagt er entweder gar nichts oder: 'Das weiß ich nicht.'&quot; Dobelli, 2011, Loc. 809-11
&quot;Sie erhalten keine Ehrung, keine Medaille, keine Statue mit Ihrem Namen drauf, wenn Sie durch Abwarten genau die richtige Entscheidung treffen - für das Wohl der Firma, des Staates, der Menschheit&quot; Dobelli, 2011, Loc. 1849
Rolf Dobelin gelingt es, auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse, ein unterhaltsames und doch auch weises Buch über das Denken des Menschen zu schreiben.
Zitate aus: Die Kunst des klaren Denkens, Rolf Dobelli, Carl Hanser Verlag Kindle Edition, 2011]]></content:encoded>
			<category><a href="koerper-psyche.html" target="_self" title="Körper &amp; Psyche">Körper &amp; Psyche</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Sun, 09 Oct 2011 18:38:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Lesetipp: GEO kompakt Nr. 28 - 09/11</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/lesetipp-geo-kompakt-nr-28-0911.html</link>
			<description>Intelligenz, Begabung, Kreativität</description>
			<content:encoded><![CDATA[Unser Gehirn ist ein Wunderwerk aus 100 Milliarden Nervenzellen, die ständig miteinander kommunizieren und etwas geradezu Magisches vollbringen: Sie erschaffen ein denkendes Selbst. Einen wachen Geist, der Verstand hat: der Zusammenhänge erkennt, Probleme löst, in die Zukunft plant. Und der schöpferisch ist: der Ideen hervorbringt und etwas Neues schafft. Diese beiden Gaben, Intelligenz und Kreativität, sind die wichtigsten Triebfedern der menschlichen Zivilisation – und noch immer stellen sie Wissenschaftler vor Rätsel. Mit modernster Technik versuchen Forscher zu ergründen, wie das Nervengeflecht in unserem Kopf kluge Gedanken fasst. Weshalb manche von uns intelligenter sind als andere. Was in unserem Gehirn geschieht, wenn uns ein Geistesblitz ereilt. Und welche Rolle Erbgut und Erziehung bei der Entwicklung unseres Verstandes spielen. GEOkompakt Nr. 28 &quot;Intelligenz, Begabung, Kreativität&quot;&nbsp;© Bild&nbsp; und Text GEO
<b>Kommentar</b>
Das neue Geo Kompakt ist eine lesenswerte Zusammenstellung von Artikeln aus der aktuellen Forschung über Intelligenz und Kreativität.
Bemerkenswert die Aussage von Ute Eberle in ihrem Artikel ab S. 20 &quot;Was ist Intelligenz? - Psychologen und Neuroforscher ergründen das Wesen der menschlichen Geisteskraft&quot;:
&quot;Der Verstand hat eben keine starre Struktur, die, einmal ausgereift, sich später niemals mehr erneuern oder wandeln kann. Im Gegenteil: Von Geburt an verändert sich das Gebäude unserer Geisteskraft ununterbrochen. Damit derartige Umformungen im Gehirn überhaupt möglich sind, ist der Mensch auf Reize von außen angwiesen. Deshalb auch wäre eine kognitive Entwicklung ohne einen Körper und dessen Fähigkeit, Kontakt zur Umwelt aufzunehmen, schlicht undenkbar. Anders ausgedrückt: Ohne Daten, die uns die Sinnesorgane liefern, könnte es keine Intelligenz geben. ... Deshalb gehen die meisten Forscher heute davon aus, dass unsere Intelligenz nicht nur von unserem Hirn, sondern vom gesamten Körper geprägt wird. Und dass sie stets aus dem Kontakt zu Umgebung entsteht.&quot; S. 29
Bedenklich stimmen diese Sätze angesichts des zunehmenden Bewegungsmangels bei Kindern und Jugendlichen. Die verminderte körperliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen wird bedingt durch verringerte Spiel- und Bewegungsräume, die zunehmende Nutzung von elektronischen Medien, aber auch durch die geringe Wertschätzung des freien Spiels im Freien durch Erziehungsberechtigte.
Sehr gut auch der Artikel von Alexandra Rigos über das Heranreifen menschlicher Intelligenz &quot;Kindesentwicklung - Die Geburt der Gedanken&quot; S. 46. Auch hier wird die Wichtigkeit körperlicher und sinnlicher Erfahrung für die Kindesentwicklung betont:
&quot;Was Erwachsenen oft als sinnlos-kindliches Spiel erscheint, ist in Wirklichkeit ein Lernprogramm. ... Auf diese Weise testen die Kleinen ständig ihre Umgebung auf Regeln und Gesetzmäßigkeiten. Diese Erkundung der Welt und damit die Entfaltung der eigenen Geisteskraft ist jedoch nie allein Sache des Gehirns. Sie schließt stets auch die Sinne, den Körper mit ein.&quot; S. 50
Sehr lesenswert das Interview mit dem Hirnforscher Gerhard Roth über Gene und Erziehung ab S. 60. Gerhard Roth erläutert den Einfluß der Genetik (Intelligenz ist zu etwa 50% angeboren) und die Bedeutung der Schwangerschaft und der ersten drei Lebensjahre für die Entwicklung von Intelligenz. Die Bedeutung und Wichtigkeit von guter Bildung steht außer Frage und daher fordert Gerhard Roth sehr zu Recht auf S. 70:
&quot;Die Förderung von Intelligenz und Bildung muss zur nationalen Top-Aufgabe werden, und dazu gehört, dass die Entscheidungshoheit der Bundesländer in Sachen Bildung endlich wieder auf ein vernünftiges Maß zurückgeschnitten und das Bildungs-Chaos beseitigt wird.&quot;
Mit der Erforschung der Kreativität befasst sich der Artikel &quot;Das Atelier im Kopf&quot; von Bertram Weiß ab S. 118. Wichtige Voraussetzung für Kreativität und Ideenreichtum sind Zeit und Unabhängigkeit. Kritisch zu hinterfragen sind daher moderne Managementmoden wie Großraumbüros oder Teamarbeit. Auch Brainstorming ist für die Ideenfindung ungeeignet, da Mitarbeiter bei dem gemeinsamen Gedankenspiel eher blockiert sind: 
&quot;In der Erwartung, einfallsreich sein zu müssen, erreichen sie nur selten, was der Managementberater Otto Scharmer vom Massachusetts Institute of Technology als 'presencing' bezeichnet. Dieses Kunstwort ist aus englischen Begriffen für Spüren (sensing) und Gegenwart (presence) zusammengesetzt. Im Kern versteht Scharmer darunter, was bereits die chinesischen Denker des Taoismus vor zwei Jahrtausenden lehrten: Der Mensch darf Kreativität nicht wollen - er muss sie zulassen.&quot; S. 127-128]]></content:encoded>
			<category><a href="koerper-psyche.html" target="_self" title="Körper &amp; Psyche">Körper &amp; Psyche</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Sat, 17 Sep 2011 13:06:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Buchtipp: &quot;Das Tao im Management&quot; von Ansgar Gerstner</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/buchtipp-das-tao-im-management-von-ansgar-gerstner.html</link>
			<description>Fernöstliche Weisheiten für das Geschäftsleben</description>
			<content:encoded><![CDATA[Das Tao Te King ist neben der Bibel das meistveröffentlichte Buch der  Welt. Als eine der Quellen des Taoismus schuf Laotse mit diesem Werk  zeitloses Wissen von unschätzbarem Wert. Seine Empfehlungen sind bis  heute in der chinesischen Medizin, dem militärstrategischen Denken sowie  in den Kampfkünsten von großer Bedeutung. Der chinesische Klassiker  versteht sich als &quot;Buch des Weges und des Lebens&quot; und führt den Leser  zurück zu den Ursprüngen - zu den Dingen, die wirklich glücklich und  zufrieden machen. Obwohl schon vor 2500 Jahren verfasst bietet das Tao  Te King bis heute lebensweltliches Wissen, das sich zum Vorteil vieler  Manager und Führungskräfte auch auf das moderne Geschäftsleben  übertragen lässt. Das Tao für Manager lehrt Flexibilität,  Anpassungsfähigkeit und Effizienz - Eigenschaften auf die heutzutage  kein Manager verzichten kann. Diese Grundsätze des Tao überdauern die  Zeit und waren mit Blick auf die Krisenwirren der letzten Jahre und der  notwendigen Neuausrichtung von Unternehmen nie so bedeutend für Leben  und Arbeit wie heute. Der Taoismusexperte Ansgar Gerstner hat sich seit  langen mit der gewinnbringenden Anwendung der Prinzipien taoistischer  Philosophie auf das Geschäftsleben beschäftigt und erklärt wie man damit  für Erfolg im Unternehmen sorgt. Denn es zeigt vor allem wie man einen  großen Organismus, wie beispielsweise ein Unternehmen über lange Zeit  krisenfest und gesund halten kann. © Bild und Text Wiley-VCH. Das Tao im  Management - Fernöstliche Weisheiten für das Geschäftsleben, Ansgar  Gerstner, Wiley-VCH, 2010
<b>Kommentar:</b>
Wir leben in einer Zeit des Überganges. Die täglichen Bilder und Berichte in Zeitungen, Fernsehen und World Wide Web zeigen uns, dass unsere bisherige Art des Lebens und Wirtschaftens so nicht mehr funktionieren kann. Es wird Zeit unsere Lebensführung neu zu überdenken und nach alternativen Modellen für die zukünftige Entwicklung unserer Gesellschaften zu suchen. Schon immer wurden asiatische Klassiker und Methoden für die moderne Lebens- und Wirtschaftsführung adaptiert. Sun Tzu, Yoga oder Zen verwendet der &quot;Homo oeconomicus&quot; allerdings hauptsächlich zur individuellen Selbstoptimierung und Vorteilsgewinnung im harten globalen Wettbewerb der &quot;Human ressources&quot;. 
Auch das Tao Te King musste schon für alle möglichen gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Trends herhalten. Leider zeigt sich bei modernen, an Markt und Management angepassten, Interpretationen oft ein Mangel an Wissen und Verständnis der alten klassischen Lehren.
Ansgar Gerstner, promovierter Sinologe (Dissertation über das Tao Te King), Trainer für chinesische Kampfkunst und zur Zeit Senior Executive Coach einer großen Unternehmensberatung mit Sitz in Shanghai, besitzt ohne Zweifel die Kompetenz für ein Buch über die Verbindung von Taoismus und Management. Ansgar Gerstner schrieb sein Buch während der globalen Finanzkrise und man spürt beim Lesen, dass ihn diese Krise sehr beschäftigt hat: &quot;Ein gesundes Unternehmen entsteht nicht aus dem Streben nach kurzfristigen Profiten. Es braucht eine umfassendere Perspektive. Und hier hat der Taoismus viel zu bieten.&quot; Gerstner, 2010, S. 13
In den ersten beiden Kapiteln &quot;Taoistisches Management&quot; und &quot;Das Fundament legen&quot; gibt Ansgar Gerstner eine kurze Einführung in den Taoismus und seine wichtigsten Schriften und Begriffe. Besonders gut gefällt mir die Weise, wie Ansgar Gerstner taoistisches Gedankengut in eine moderne und verständliche Sprache umsetzt. Besonders seine kurze und prägnante Beschreibung des Taoismus sowie des Tao Te King finde ich sehr gelungen:
&quot;Der Taoismus ist ein Zugang zum Leben und keine systematische Erklärung der Ursprünge des Seins. Er betont Mitgefühl, Spontaneität und Respekt vor der Natur, verlangt nach Ausgleich und dem Einssein mit dem Leben. Er ermutigt uns, uns in der natürlichen Lauf der Dinge einzufügen und, statt sich ihm entgegenzustellen.&quot; Gerstner, 2010, S. 17<br />&quot;Das Tao Te King vertritt eine pragmatische Weltsicht und betont die Notwendigkeit von Ausgleich und Harmonie in allem. Es geht davon aus, dass Ausgleich und Harmonie die Effizienz fördern, plädiert für soziale und ökologische Verantwortung und empfiehlt, mit menschlichen und natürlichen Energien und Ressourcen sorgfältig umzugehen.&quot; Gerstner, 2010, S. 23
Eine große Stärke des Buches ist die Verknüpfung taoistischer Weisheiten und Prinzipien mit konkreten Beispielen aus dem modernen Wirtschaftsgeschehen. Beispielhafte taoistische Unternehmensführung zeigt Ansgar Gerstner anhand von bekannten Persönlichkeiten wie z.B.: Anne Mulcahy (Xerox), Li Ka-shing (Cheung Kong/Hutchinson Whampoa), Indra Nooyi (PepsiCo), Andre Jung (Avon), Warren Buffet, Fujio Cho (Toyota), Steve Jobs (Apple), Richard Branson (Virgin), Bill Gates (Microsoft) oder Herb Kelleher (Southwest Airlines).
In den weiteren Kapiteln des Buches &quot;Im Wettbewerb stehen&quot;, &quot;Chef sein&quot; und &quot;Ein Team führen&quot; geht Ansgar Gerstner auf den Unternehmensalltag ein und beweist auch hier, dass der Taoismus keine weltfremde Lehre ist, sondern durchaus einen praktischen Bezug zum Leben hat. Sehr beachtlich finde ich, wie Ansgar Gerstner Erfolg, fast schon ein Fetisch kapitalistischer Weltsicht, in einen taoistischen Kontext stellt:
&quot;Die Frage ist jedoch, wie man Erfolg definiert. Auch aus taoistischer Perspektive ist es wichtig, dass die Zahlen stimmen. Aber Erfolg kann nicht allein an kurzfristig hohen Erträgen und steigenden Aktienpreisen gemessen werden. Aus taoistischer Sicht erfolgreiche Führungskräfte stellen langfristig die Lebensfähigkeit ihrer Organisation sicher. Sie blicken auch über den Tellerrand des Tagesgeschäfts hinaus und betrachten Rentabilität in einem größeren sozialen und globalen Kontext.&quot; Gerstner, 2010,&nbsp; S. 100
Sehr wichtig finde ich auch das anschließende Kapitel &quot;Arbeitsräume gestalten&quot;, in dem Ansgar Gerstner die ganzheitliche Perspektive taoistischen Denkens aufzeigt. Auch hier geht es zunächst darum, Klischees und Fehlinterpretationen hinsichtlich klassischer chinesischer Lehren zu berichtigen:
&quot;Heute wird viel Hokuspokus damit betrieben, aber das wirkliche chinesische Feng Shui hat weitaus mehr Tiefe - nicht umsonst hat es den Wandel der Zeiten überstanden. Das Hauptziel ist sicherzustellen, dass Anlage und Einrichtung von Räumen zu einem harmonischen, gesunden und erfolgreichen Leben beitragen.&quot; Gerstner, 2010,&nbsp; S. 143
Im vorletzten Kapitel &quot;Stress bewältigen&quot; geht es um einen Bereich, welcher im Westen hauptsächlich mit den daoistischen Künsten in Verbindung gebracht wird. Chinesische Kampfkünste wie Tai Chi oder Wing Chung, Gesundheitssysteme wie Chi Kung oder Meditation und selbst chinesische Kalligraphie sind ja schon längst bis in unsere Volkshochschulen vorgedrungen. Den Bezug zu sich selbst wiederzufinden halte ich dabei für sehr entscheidend und daher bemerkt Ansgar Gerstner zu Recht:
&quot;Aus taoistischer Sicht ist es wichtig, Freiräume in sich selbst zu schaffen und die eigenen inneren Landschaften zu erkunden.&quot; Gerstner, 2010,&nbsp; S. 158
Im letzten Kapitel seines Buches &quot;Das Tao und die globale Wirtschaftskrise&quot; kommt Ansgar Gerstner wieder auf seinen Ausgangspunkt zurück. Als eine der Ursachen dieser Krise sieht Ansgar Gerstner die Fixierung auf kurzfristige und riskante Gewinnmaximierung und empfiehlt daher eine Neuausrichtung der Unternehmensführung nach taoistischen Prinzipien.
&quot;Die Krise eröffnet die Möglichkeit, unsere Wahrnehmung in vielerlei Hinsicht und auf vielen verschiedenen Ebenen zu schärfen. Sie unterstreicht auch die Botschaft des Tao Te King für moderne Geschäftsleute: Werfen Sie einen ganzheitlichen Blick auf Fragen der Unternehmensstrategie. Manchmal klingt das, was das Tao Te King rät, selbstverständlich und banal. Aber die wesentlichsten und einfachsten Dinge sind manchmal die wichtigsten und gleichzeitig die, die sich nur schwer verwirklichen lassen.&quot; Gerstner, 2010, S. 171
Das hochwertige und liebevoll gestaltete Büchlein ist an sich schon ein Kleinod, welches der interessierte Leser nur zu gerne in die Hand nimmt. Ein umfangreiches Quellen- und Stichwortverzeichnis bestätigen den ersten positiven Gesamteindruck. Sehr praktisch finde ich auch die &quot;Tao-Takeaways&quot; genannten Empfehlungen am Ende jeden Kapitels.
Schon Jochen Röpke und Ying Xia beschreiben in ihrem Buch <link 98#685 - internal-link "Daoistische Kinetik bei michaelditsch.de"><img src="fileadmin/md/main/img/internal_link.gif" alt="undefined" />&quot;Reisen in die Zukunft kapitalistischer Systeme - Grundzüge einer daoistischen Kinetik wirtschaftlicher Entwicklung&quot;</link> eine mögliche Integration daoistischer Lehren in unser Wirtschaftssystem. Sicherlich müssen derartige Ansätze kritisch diskutiert werden, aber wie auch Ansgar Gerstner zeigt, sind asiatische Weisheiten und Erkenntnisse nicht nur für Wellness- und Entspannungskurse geeignet.<br /><br />]]></content:encoded>
			<category><a href="erde-mensch.html" target="_self" title="Erde &amp; Mensch">Erde &amp; Mensch</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Sun, 11 Sep 2011 11:08:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Buchtipp: &quot;Die Datenfresser&quot; von Kurz/Rieger </title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/buchtipp-die-datenfresser-von-kurzrieger.html</link>
			<description>Der Wegweiser zur digitalen Mündigkeit</description>
			<content:encoded><![CDATA[Warum findet Facebook jeden meiner Bekannten? Auf welche Datenspuren hat der Staat Zugriff? Und was kann man aus ihnen herauslesen? Die Experten für Informationssicherheit, Constanze Kurz und Frank Rieger, weisen uns den Weg zu einer neuen digitalen Mündigkeit. Sachkundig und verständlich erklären sie, was sich hinter den Benutzeroberflächen tatsächlich verbirgt. Aus dem Strom scheinbar harmloser Daten, die wir tagtäglich im Netz hinterlassen, werden geldwerte Informationen geschöpft, deren Ausmaß und Gehalt wir uns gar nicht vorstellen können. Ob der Staat oder Google, alle bedienen sich am Datensatz Mensch. Es ist an der Zeit, das eigene digitale Schicksal wieder selbst in die Hand zu nehmen. Die Datenfresser, Constanze Kurz + Frank Rieger, 2011, Fischer Verlag
© Text und Bild Fischer Verlag
Kommentar:
&quot;Jetzt nur nicht paranoid werden&quot;, war mein erster Gedanke nach Lesen des Buches von Constanze Kurz und Frank Rieger. In meinem Arbeitsgebiet habe ich viel mit e-Learning, Social Networks und Webadministration zu tun und daher waren mir etliche Details zur Datennutzung bereits bekannt, allerdings hat mich die Darstellung der Zusammenhänge und der zukünftigen Möglichkeiten dann doch etwas geschockt. Meiner Meinung nach ist es das große Verdienst von Constanze Kurz und Frank Rieger, dass sie bekannte Informationsschnipsel zu einem großen Ganzen zusammenfügen und anhand von anschaulichen Beispielen die derzeitigen und vor allem die zukünftigen Entwicklungen und Konsequenzen des vernetzten Lebens bewusst machen.
Außer vielleicht dem Totalausstieg in die kanadische Wildnis gibt es wohl kein Zurück aus der Informationsgesellschaft: &quot;Wir haben die Schwelle zur computerisierten Gesellschaft ganz beiläufig überquert. Unser Leben wird in Bits und Bytes gespeichert, ob wir wollen oder nicht.&quot;&nbsp; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 12<br />&quot;Egal, was und wo wir arbeiten, es gibt praktisch keine Tätigkeit mehr, die keine Datenspuren hinterläßt.&quot; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 15
Die komplexe und für die meisten unverständliche Technik führt zu diffusen Ängsten, Lähmung und einem Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins. Für Constanze Kurz und Frank Rieger liegt die Lösung aber nicht in resignierten Rückzug oder wilden Maschinenstürmen, sondern in einer verstärkten Aufklärung und Kompetenzbildung: &quot;Ein Grundverständnis der vernetzten Welt ist mittlerweile unabdingbar geworden&nbsp;- und auch nicht zu schwer zu erlangen. Wichtig für das Verständnis der digitalen Welt ist, die finanziellen Mechanismen zu durchschauen, um die daraus resultierenden Motivationen der Menschen und Institutionen erkennen zu können.&quot; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 39<br />&quot;Die ganz private Balance zwischen den Interessen des Individuums und den Möglichkeiten einer vollvernetzten Welt zu finden ist das Ziel.&quot; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 73
Sehr anschaulich beschreiben die Autoren die Mechanismen der digitalen Ökonomie anhand des fiktiven Internet Start-up &quot;MyBelovedpet&quot;.&nbsp; Besonders deutlich wurde mir an diesem Beispiel, dass meine Daten selbst bei einem vertrauenswürdigen Internetanbieter irgendwann in falsche Hände gelangen können: &quot;Die häufigen Fehlschläge, die dazu führen, daß die Daten in den Händen des Höchstbieters bei der Insolvenzversteigerung enden&nbsp;- ganz entgegen der vielleicht einstmals guten Absichten von Firmengründern&nbsp;-, gehören ebenso dazu wie die gängigen Methoden, die Daten der Nutzer zu Geld zu machen.&quot; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 127<br />Aber auch die geschilderten technischen Möglichkeiten der Profilbildung von Nutzern sind beeindruckend: &quot;Wer die Analyse menschlichen Verhaltens kommerziell betreiben will, dem bietet das Netz paradiesische Möglichkeiten, die im realen Leben undenkbar wären ...&quot; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 231
Eine beunruhigende Entwicklung ist, meiner Meinung nach, dass immer mehr Prozesse und Entscheidungen von mathematischen Algorithmen automatisch durchgeführt werden, ohne das eine menschliche Instanz wertend und korrigierend eingreift. Dabei sind die Programme mittlerweile so intelligent, dass sie aus der Analyse menschlichen Verhaltens lernen können und ihre Funktionen automatisch anpassen. Eine Anwendung dieser Programme ist das sogenannte &quot;Scoring&quot;: &quot;Ein Abbild der Persönlichkeit eines Menschen mit einer Vielzahl von Parametern wird einfach mathematisch berechnet. Es entsteht ein digitaler Schatten, dem viel Bedeutung zugemessen wird. Egal ob es um Kreditwürdigkeit oder den begehrten Mietvertrag geht- die Scoringanbieter behaupten, ihre Schulnote über das Leben eines Menschen gäbe verlässliche Aussagen über seinen Wert.&quot;&nbsp; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 683
Ohne die Einbeziehung menschlicher Aktivitäten, wie z.B. das Bewerten oder Empfehlen von Internetangeboten, wären die Analysefähigkeiten der Algorithmen allerdings begrenzt und ungenau : &quot;Es ist das wichtigste der Geheimnisse der schlauen Maschinen: sich die wirkliche Intelligenz - die des Menschen - zunutze machen.&quot;&nbsp; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 782
Ein weiterer wichtiger Aspekt, auf den die Autoren hinweisen, ist die Tatsache, dass das Netz nie vergisst. Besonders fehlende Datenschutzbestimmungen führen dazu, dass auch personalisierte Datenbestände über viele Jahre aufbewahrt werden. Bedenkenswert ist dabei, dass bereits Daten von Kindern durch unbedachte Veröffentlichungen ihren Weg ins Netz finden. &quot;Die Eltern haben ihrem Nachwuchs damit seine digitale Mündigkeit über den ersten Teil seines Lebens schon vorgreifend auf die Zukunft verwehrt. Denn was einmal ins Netz entfleucht ist, kann man kaum wieder einfangen.&quot; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 800
Constanze Kurz und Frank Rieger zeigen an sehr vielen Beispielen, wie staatliche Organisationen und private Unternehmen mit unsere Daten umgehen. Dem digitalen Leben kann man sich kaum entziehen und daher ist es unabdinglich, dass wir die Kontrolle über unsere Daten wiedererlangen und nicht den Predigern des Endes der Privatheit auf den Leim gehen: &quot;Die Gesamtheit unserer erfaßten, preisgegebenen und zurückgelassenen Daten ist ein verzerrtes Spiegelbild der eigenen Identität. Unser digitaler Schatten wächst, wenn wir nicht aufpassen, relativ unkontrolliert weiter und beginnt im schlimmsten Fall&nbsp;- wie bei Scoringwerten oder kompromittierenden Informationen&nbsp;- ein Eigenleben zu entwickeln. Denn die Kerneigenschaften von digitalen Daten sind Beweglichkeit und Persistenz.&quot;&nbsp; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 1010<br />&quot;Der wichtigste Schritt zur Rückeroberung der eigenen digitalen Mündigkeit ist daher: kritisch hinterfragen, welche Daten über uns wirklich erfaßt, preisgegeben und womöglich für die digitale Ewigkeit irgendwo gespeichert werden müssen.&quot; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 1014
Bedenklich ist nach Meinung der Autoren auch die Entwicklung und stetige Verbreitung biometrischer Systeme. Hier entstehen vollkommen neue Anwendungsbereiche, wie z.B. die Diskussion über die Funktion zur Gesichtserkennung bei Facebook oder über den neuen deutschen Reisepasses gezeigt hat. Gerade die Kombination verschiedener Techniken wie z.B. RFID ( Radio Frequency Identification, Identifizierung per Funk), biometrische Scanner, Sprachanalyse am Telefon, oder die Vermessung von Körpermerkmalen und Bewegungsverhalten, in Verbindung mit automatisierten standardisierten Überwachungssystemen können zu gefährlichen Konsequenzen führen. &quot;Es geht nicht länger darum, ob jemand tatsächlich etwas Illegales tut. Es geht nur noch um die Abweichung von der Norm.&quot; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 1661<br />&quot;Auch nur marginal abweichendes Verhalten, wie etwa im Eilschritt im Einkaufszentrum zum gewünschten Laden zu hasten, löst mit hoher Wahrscheinlichkeit automatisch eine intensivierte Beobachtung und Aufzeichnung aus.&quot; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 1664
Ein weiteres kritisches Feld hinsichtlich des Datenschutzes ist die zunehmende Erhebung und Speicherung von ortsgebundenen Daten: &quot;Je mehr Bewegungsdaten aus den verschiedenen Quellen verfügbar und zusammengetragen werden, desto besser lassen sich Abweichungen vom gewohnten Alltag erkennen, die auf möglicherweise interessante Besonderheiten im Leben des Benutzers hinweisen.&quot; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 1765<br />&quot;Die Verwendung dieser Bewegungsprofile wird eines der Kernprobleme der Netzgesellschaft werden.&quot; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 1767
Ein sehr wichtiges Anliegen der Autoren ist die Bewusstmachung der Konsequenzen eines zu freizügigen Umgangs mit eigenen persönlichen Daten, oder den persönlichen Daten Dritter. Auch wenn gerne propagiert wird, dass es in einer &quot;Post-Privacy&quot; Gesellschaft nichts zu verbergen gibt, so ist doch zu bedenken, dass sich staatliche, gesellschaftliche und unternehmerische Entwicklungen auch gegen einzelne Individuen wenden können, oder sich das eigene Selbstverständnis und die eigene Lebenssituation im Laufe des Lebens eventuell ändern. &quot;Wer in den Fokus der Aufmerksamkeit gerät, muß damit rechnen, daß alle Daten seiner digitalen Identitäten zusammengeführt, sein Leben vollständig durchleuchtet wird.&quot; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 2340
Letztlich geht es bei der Verwendung von Daten immer auch um Macht und Kontrolle: &quot;Gern wird so getan, als wäre der Kern des Konzepts der Privatheit, böswilliges Handeln zu verstecken oder gar zu unterstützen. In Wirklichkeit bietet es Schutz vor der Macht anderer - sei es dem Staat oder dem Chef. Es schützt vor unangemessener Belästigung, aber auch vor der Asymmetrie von Machtverhältnissen. Gleichzeitig bewahrt es den gegenseitigen Respekt, die Individualität, letztlich die Menschenwürde.&quot; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 2558
Die oben genannten Ansätze veranschaulichen die Autoren in der spannend zu lesende fiktiven Kurzgeschichte &quot;Wohin die Reise geht - Drei Tage im Jahre 2021&quot;. Hier wird ein mögliches Szenario entwickelt, in dem heutige gesellschaftliche und technologische Entwicklungen weitergedacht werden.
Im letzten Kapitel des Buches geben Constanze Kurz und Frank Rieger praktische Hilfestellung für den Umgang mit der eigenen digitalen Identität. Zum Abschluss appellieren die Autoren an unsere Verantwortung: &quot;Der Weg in die Digitalgesellschaft unter der Herrschaft der Datenfresser ist nicht zwangsläufig ... Was wir uns heute jedoch angewöhnen, was wir zulassen und was wir ablehnen, bestimmt die Zukunft. Es liegt also an uns allen, an jedem einzelnen.&quot; Kurz, Rieger; 2011; E-Book Loc. 3433
Constanze Kurz und Frank Rieger haben ein spannendes und sehr informatives Buch über unser digitales Leben geschrieben. Mehr als andere Bücher zum Thema hat es mich zum Nachdenken über mein eigenes Verhalten angeregt.
Hinweis: <br />Zitate aus Die Datenfresser, Constanze Kurz + Frank Rieger, Fischer E-Books, 12 April 2011]]></content:encoded>
			<category><a href="web-more.html" target="_self" title="Web &amp; More">Web &amp; More</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 14:08:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Buchtipp: &quot;Innenwelten&quot; von Heiko Ernst</title>
			<link>http://www.michaelditsch.de/info-termine/news/buchtipp-innenwelten-von-heiko-ernst.html</link>
			<description>Warum Tagträume uns kreativer, mutiger und gelassener machen</description>
			<content:encoded><![CDATA[Tagträume sind &quot;Fenster zur Seele&quot;. Tagträume machen uns kreativer, mutiger, glücklicher. Tagträume sind weder überflüssig noch Zufallsprodukte, sondern bedeutsam für die innere Balance, für Kreativität im Beruf und das Planen und Handeln in der realen Welt. In den alltäglichen Bewusstseinsstrom einzutauchen heißt, unsere ureigenen Wünsche und Ziele besser kennenzulernen. Wir kennen alle den Stoff, aus dem die Tagträume sind. Sie sind ein idealer Zufluchtsort und sie helfen uns, wahlweise unser angeknackstes Selbstwertgefühl aufzupäppeln oder in Rachefantasien zu schwelgen oder auch nur, langweilige Alltagsroutinen zu überleben. Doch Tagträume sind weit mehr als nur kleine Fluchten, die wir uns in der harten Realität genehmigen. Wie diese komplexen Produkte der Imagination funktionieren, was sie für unsere seelische Gesundheit und Kreativität unseres Lebens leisten und wie wir uns über unsere Tagträume selbst besser kennenlernen können, verrät diese Expedition zu einem noch weitgehend unbekannten Kontinent. Innenwelten, Heiko Ernst, Klett-Cotta, 2011
© Bild und Text Klett-Cotta
Kommentar:<br />Heiko Ernst, Diplom-Psychologe und seit 1979 Chefredakteur von &quot;Psychologie Heute&quot;, hat ein bemerkenswertes Buch über die inneren Welten der Tagträume und Fantasien geschrieben. Das faszinierende Werk habe ich kaum aus der Hand legen können und fast an einem Wochenende ganz gelesen. Erstaunlich, dass es immer noch &quot;weitgehend unbekannte Kontinente&quot; des menschlichen Geistes zu entdecken gibt. Heiko Ernst nimmt uns mit auf eine spannende und nachdenklich machende Entdeckungsreise zu unseren inneren Welten.
Der Mensch träumt, am Tage und in der Nacht. Die meist rätselhaften und schwer zugänglichen nächtlichen Träume sind von jeher Gegenstand der Untersuchung, Deutung und Analyse. Das Thema des nächtlichen Traumes findet sich in alten Mythen, Literatur und Dichtung, spirituellen Traditionen, sowie in moderner wissenschaftlicher Forschung. Über Traumdeutung und Traumforschung lassen sich Mengen an Veröffentlichungen und Literatur finden. Unsere Tagträume dagegen führen seltsamerweise ein verschämtes Nischendasein: &quot;So blieb das Träumen mit offenen Augen eine wenig beachtete, manchmal sogar verachtete, jedenfalls unterschätzte Variante der menschlichen Geistestätigkeit.&quot; S. 14
Im Unterschied zu den unbewussten, irreal oder surreal erscheinenden, nächtlichen Träumen, ist der Tagtraum unserem Bewusstsein zugänglich und hat meist einen Bezug zu unseren realen Lebensumständen. Tagträume werden von uns willentlich inszeniert und gesteuert, oder sie entfalten sich von selbst bei Unaufmerksamkeit und nachlassender Konzentration. 
Schon früh lernen wir, dass Tagträumen eine unnütze Zeitverschwendung ist: &quot;Tagträume gelten als Flucht aus der Wirklichkeit, oder sie zeigen an, dass wir uns nicht konzentrieren können oder wollen. 'Träum nicht!' lautet die Ermahnung für Schüler, sich gefälligst in die Realität des (langweiligen?) Unterrichts zurückzubegeben.&quot; S. 15
Diese Lektion behalten wir auch als Erwachsene und so fühlen wir uns peinlich berührt, wenn wir uns selbst beim Tagträumen erwischen: &quot;Intensives Tagträumen, das wiederholte Wegdriften in Wunsch- und Gegenwelten, in Traumorte, Wolkenkuckuksheime und Luftschlösser, erzeugt bei den meisten Erwachsenen Verlegenheit: dass man zu solchen 'unreifen' und irrealen Hirngespinsten fähig ist!&quot; S. 15
Während über nächtlichen Träume Tagebücher geführt werden, Therapeuten von Träumen berichtet wird, oder der Freundeskreis über Traumerlebnisse diskutiert, bleiben die Tagträume unser Geheimnis: &quot;Geheimhaltung ist geradezu das Markenzeichen der Tagträume.&quot; S. 19
In den drei Kapiteln seines Buches versucht nun Heiko Ernst dem Geheimnis der Tagträume auf die Spur zu kommen. Im ersten Kapitel &quot;Unser aller Doppelleben: Vom Träumen am Tage&quot; ab S. 11 werden die Grundlagen unserer Innenwelten erläutert.
Eine wichtige Erkenntnis ist, meiner Meinung nach, dass Tagträume keine belanglosen und unnützen Produkte mentaler Leerlaufprozesse sind, sondern wichtige geistige Funktionen zur Lebenserhaltung.
&quot;Fantasien, bildhafte Vorstellungen und Tagträume sind neben anderen Bewusstseinsfunktionen wie Lernen, Nachdenken oder Planen die Hauptmethoden, mit denen wir uns an unsere Umwelt anpassen, uns assimilieren. Mithilfe von Fantasien und Tagträumen bearbeiten wir all das, was uns widerfährt, damit wir es aushalten oder auch verändern können.&quot; S. 23
&quot;Die Fähigkeit, uns zeitweise in die Innenwelt der Tagträume, der Fantasien und Imaginationen zurückziehen zu können, bringt uns mit wichtigen Ressourcen unseres Selbst in Verbindung: Wir nehmen Kontakt zu unseren tiefsten Gefühlen, stärksten Wünschen und geheimsten Gedanken auf.&quot; S. 34
&quot;Tagträume sind ein wichtiges Instrument emotionaler Selbstregulierung in Lebenssituationen, die wir zumindest momentan (noch) nicht durch Handeln verändern können.&quot; S. 34
Sehr gut gefällt mir die Einstellung von Heiko Ernst zum &quot;positiven Denken&quot;: &quot;Besonders fragwürdig und, was seine Wirkung betrifft, deutlich ad absurdum geführt ist das 'positive Denken'.&quot; S. 34
Besonders überrascht hat mich der Umfang der täglichen Tagträumerei:
&quot;Wir driften sehr viel öfter nach innen, als wir glauben oder schätzen. An durchschnittlichen eher ereignisarmen und routinegeprägten Tagen verbringen wir bis zu 40 oder gar 50 Prozent der Wachzeit im Reich der Fantasie.&quot; S. 48
&quot;... dass spontane und realitätsferne Gedanken - also das, was als Fantasien und Tagträume anzusehen ist - die Hälfte aller unserer täglichen Gedanken ausmachen. Der Umfang des durchschnittlichen Tagträumens ist also hoch: Es gehen uns täglich um die 2000 tagtraumartige Episoden durch den Kopf.&quot; S. 50
Heiko Ernst weist auch auf die evolutionsbiologische Bedeutung des Tagträumens hin:
&quot;Auch wenn der Geist scheinbar 'abwesend' ist, wenn wir also tagträumen, bleibt er latent doch immer auf unsere Ziele konzentriert. Tagträume sind die mentalen Repräsentanten unerfüllter Wünsche und blockierter Ziele, immer in 'Lauerstellung'. In einer evolutionären Perspektive kam und kommt ihnen damit eine wichtige biologische Funktion zu: Für Menschen ist es überlebenswichtig, Ziele zu erreichen.&quot; S. 51
Allerdings hat diese evolutionäre Anpassung auch eine Schattenseite:
&quot;Die 'göttliche Unzufriedenheit' des Menschen ist der Preis für seine besondere Imaginationsfähigkeit. Wir müssen unzufrieden sein und bleiben, denn wir können uns Unterschiede vorstellen, wir können darüber fantasieren, was besser sein könnte, wir sehnen uns unablässig mehr herbei - mehr Sicherheit, mehr Glück, mehr Genuss.&quot; S. 53
Sehr interessant ist auch der Abschnitt ab S. 92 &quot;Und was sagt die Hirnforschung - Die überraschende Rehabilitation des Tagträumens&quot;. Die Neurowissenschaften interessieren sich erst seit kurzem für die &quot;Leerlaufphasen&quot; unseres Gehirns: 
&quot;Als regelrechten 'neuen Kontinent im Kopf' hat Guilio Tononi, Neurowissenschaftler an der University of Wisconsin das, 'Ruhestandardnetzwerk' ('Default Mode Network') bezeichnet. Denn es sei für das optimale Funktionieren des menschlichen Gehirns von fundamentaler Bedeutung.&quot; S. 94
Und dabei hat die Neurowissenschaft auch gleich Erstaunliches entdeckt: 
&quot;Das intensive Selbstgespräch des Gehirns, so hat der Neurologe Marcus Raichle gemessen, verbraucht sogar 20-mal so viel Energie wie eine bewusste Aktion.&quot; S. 94
&quot;Der Neurowissenschaftler Randy Buckner spricht dem Ruhemodus auch die Leistung eines prospective brain zu: Das 'vorausschauende Gehirn' besitzt und entwickelt die Fähigkeit, unablässig Szenarien zu entwerfen und Hypothesen zu formulieren und uns so auf zukünftige Situationen vorzubereiten.&quot; S. 95
&quot;Die Lektion der Neurowissenschaft lautet: Nichts, was das menschliche Gehirn tut, ist 'unwichtig' oder minderwertig.&quot; S. 96
Der Bedeutung von Tagträumen für die Persönlichkeitsentwicklung und den soziokulturellen Auswirkungen widmet Heiko Ernst das teilweise intime und persönlich berührende zweite Kapitel seines Buches ab S .102 &quot;Das größere Muster: Wie wir unser Leben fantasieren&quot;.
Persönlich besonders gefreut hat mich der Bezug zu Ernst Bloch und seinem Hauptwerk &quot;Das Prinzip Hoffnung&quot; ab S. 197.
&quot;'Kein Mensch lebte je ohne Tagträume', unterstreicht Bloch die immense Wichtigkeit dieser Bewusstseinsform für das menschliche Leben. Das 'Prinzip Hoffnung' ist eine Philosophie aus dem Geist der Imagination, einer Verbildlichung und Vergegenwärtigung von der Differenz zwischen dem real Existierendem und dem, was sein könnte und sollte.&quot; S. 199
Die Gefährdung des Innenlebens in unserem modernen Alltag beschreibt Heiko Ernst ab S. 207 in dem dritten Kapitel &quot;Der umzingelte Tagtraum: Die Innenwelt und ihre Feinde&quot;.
Wichtig für eine gesunde Lebensführung sind Ruhe und Alleinzeit. Heiko Ernst bemerkt, ebenso wie Susan Cain in ihrem Buch &quot;Still&quot; (siehe Link unten), dass sich in der Erziehung, im Berufsleben und in der Gesellschaft insgesamt, eine Dominanz der extrovertierten Ethik entwickelt hat.
&quot;Beide Trends, Aufmerksamkeits-Absorption durch Medien und Anlenkungsindustrie sowie der Körper- und Eindruckskult, stehen für eine Externalisierung des Lebens.&quot; S. 208
&quot;Um uns in der Welt zu orientieren, um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sinnvoll miteinander zu verbinden - um also fantasieren und tagträumen zu können -, brauchen wir vor allem zweierlei: Ruhe und Alleinzeit: die simple Möglichkeit, immer wieder ganz bei sich sein zu können.&quot; S. 210
&quot;Wenn wir unser Innenleben nicht ausreichend 'besuchen' und pflegen können, werden wir auf lange Sicht unzufrieden, unglücklich und krank. Viele Zeitkrankheiten - allen voran Depression, Burnout, Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität - entstehen, weil wir permanent von den Wünschen und Zumutungen der Mitmenschen umzingelt sind.&quot; S. 212
&quot;Der Kult um die frühkindliche Beziehungen und die Überbewertung der Interaktion haben dazu beigetragen, dass das Bedürfnis nach Rückzug und Alleinsein auch im Erwachsenenleben zu kurz kommt.&quot; S. 219
&quot;Wer wir sein und wie wir unser Leben leben wollen, das finden wir am besten allein heraus. Tagträume, Meditationen, Tagebuchführen, lange Spaziergänge allein sind die traditionellen und bewährten Einstiege in diese Arbeit der Selbstdefinition.&quot; S. 222
Persönlich gefällt mir, wie Heiko Ernst auf S. 227 die modernen &quot;Moden&quot; der Personal- und Unternehmensführung beurteilt:
&quot;In Wirklichkeit sind die Effekte der Teamfixierung und Teamüberhöhung in der Praxis negativ&quot; S. 227
&quot;Wer Stille, Alleinsein und Alleinarbeiten schätzt, wer Schweigen und Rückzug zäh verteidigt, gerät schnell in Verdacht, ein Einzelgänger, ein Schwieriger, ein Crank oder Nerd zu sein. Der Cliquen-, Team- und Herdenmensch dominiert, in der Arbeit wie in der Freizeit.&quot; S. 228 
Sehr zurecht fordert Heiko Ernst die Bedeutung des Alleinseins und Tagträumens schon in der Kindeserziehung zu beachten:
&quot;Die erwachende Kreativität des Kindes braucht jedoch beides - den intensiven Sozialkontakt, vor allem in Form von Erziehung und Bildung, aber auch den Rückzug, die Alleinzeit, ein bestimmtes Maß an Selbstzentrierung und Selbstdefinition.&quot; S. 231
Zum Abschluß seines Buches bemerkt und warnt Heiko Ernst:
&quot;Die Kolonisatoren unserer Innenwelten und die Verächter des Tagträumens scheinen heute überhandzunehmen&quot; S. 233
&quot;Die meisten Praktiken und Techniken der sozialen Kontrolle bauen auf einer besonderen Aufmerksamkeitsökonomie, einer Bewirtschaftung unseres Bewusstseins auf.&quot; S. 234
Stichwortverzeichnis, Quellenangaben und Anmerkungen hätte ich mir für dieses, wichtige und inhaltlich erstklassige, Buch noch gewünscht.]]></content:encoded>
			<category><a href="koerper-psyche.html" target="_self" title="Körper &amp; Psyche">Körper &amp; Psyche</a></category>
			
			<author>info@michaelditsch.de</author>
			<pubDate>Sun, 31 Jul 2011 00:00:00 +0200</pubDate>
			
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