Taijiquan & Qigong

Innere chinesische Kampf- und Gesundheitskünste

Taijiquan

Taijiquan 太極拳 Tàijíquán ist eine traditionelle chinesische Kampfkunst. Es handelt sich bei Taijiquan um ein komplettes Kampfkunstsystem mit Praktiken zur mentalen und körperlichen Entwicklung, Hand- und Waffenformen, Einzel- und Partnerübungen sowie Anwendungen für den Kampf mit und ohne Waffe.

Taijiquan als "Bewegungskunst" oder als eine Art Gymnastik für Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung zu betrachten, ist eher der Vermarktung im heutigen Gesundheits- oder Wellnessgeschäft geschuldet. Die Ausführung der Taijiquan Form gar als "Tanz" zu bezeichnen, verkennt, dass jede einzelne Bewegung einer Form eine Anwendung (Schlag, Tritt, Hebel, etc.) darstellt, mit der ein potentieller Gegner kampfunfähig gemacht werden soll.

Selbst wenn Taijiquan nur für Gesundheit oder Fitness geübt wird, ist ein Grundverständnis der Kampfanwendungen notwendig, da sonst kein optimaler Trainingseffekt erreicht wird. Allerdings stellt sich die Frage, warum nicht gleich Qigong, Yoga oder ähnliches geübt wird, wenn es um Gesundheit, Fitness oder gar spirituelle Entwicklung geht.

Besonders bei den Waffenformen zeigt sich die kriegerische Herkunft des Taijiquan. Die oft als "anmutig" bezeichneten Bewegungen der Schwertform erscheinen in einem anderen Licht, wenn ein Schnitttest mit einem scharfen Jian (chinesisches Schwert) durchgeführt wird. Auch jede Bewegung der Schwertform dient letztlich der Bekämpfung eines potentiellen Gegners.

Meister Chen Quanzhong wurde 1925 im Dorf Chenjiagou Provinz Henan geboren. Er ist Nachfolger der Chen Familie in der 19. Generation.

Buchtipp

Das Buch gibt einen tiefen Einblick in die chinesischen Kampfkünste und die Entstehungsgeschichte des Taijiquan (Tai Chi Chuan). In chronologischer Abfolge werden die praktischen und theoretischen Grundlagen der chinesischen Kampf- und Bewegungskünste aufgearbeitet und ihre wechselseitigen Verbindungen zum Militär, zur Religion, zur Gesundheitsübung und zur allgemeinen Kulturgeschichte behandelt. Der Untersuchungsschwerpunkt liegt dabei auf der Evolution des Taijiquan in der Tradition der Chen-Familie aus der Provinz Henan. Anknüpfungspunkte zu anderen Kampfkünsten werden hergestellt und sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede durch bewegungswissenschaftliche und soziokulturelle Erörterungen herausgearbeitet. Viele Bebilderungen sowie übersetzungen theoretischer Grundlagen erklären die Mythen rund um die chinesischen Kampfkünste, erkunden ihre wahre Geschichte und liefern so praktische Hinweise für das heutige Taijiquan-Training. © Bild und Text Logos Verlag. Die Wiege des Taijiquan - Der soziokulturelle Kontext der chinesischen Kampfkunsttheorie mitsamt einer Analyse der ältesten Bewegungsformen des Taijiquan, Nabil Ranne, Logos Verlag, 2011

Buchtipp

"Ist die heute in aller Welt populäre Kampfkunst Taijiquan (Tai Chi Chuan) - wie so oft behauptet wird - daoistisch?" Beziehungsweise: "Was genau am Taijiquan steht in welchem Zusammenhang mit dem Daoismus?" Diese Fragen stellt der Autor Markus M. Wagner erstmals in den Mittelpunkt einer ausführlichen und detailreichen Studie. Der Religionswissenschaftler und Philosoph zeigt in seiner Untersuchung verborgene Zusammenhänge zwischen Grundideen des Taijiquan und solchen des Daoismus auf. Anhand von zentralen Begriffen und klassischen Texten, die für jeden Taijiquan-Praktizierenden relevant sind, arbeitet er heraus, wo in den Theorien des Taijiquan ein daoistisches Weltverständnis zur Sprache gebracht ist. Der Band bietet einen reichen Fundus an systematisch geordneten Informationen für Fachleute und neugierige Laien sowie eine reiche Bebilderung aus den Reisearchiven des Autors. © Bild und Text Lotus Press. Taijiquan - Klassische Schriften, Praxiskonzepte und Beziehungen zum Daoismus; Markus Maria Wagner; Lotus Press; 2014

Buchtipp

Der Taijiquan-Klassiker des Chen Clan Taijiquan von Chen Xin (1849 - 1929), erstmals übersetzt und fachkundig kommentiert in deutscher Sprache. Die enge Zusammenarbeit von Herrn Dietmar Stubenbaum mit den Meistern Chen Peishan und Chen Peiju hat nun die Idee eines einzigartigen Projektes entstehen lassen. Mit tatkräftiger Unterstützung, der Übersetzung und Editierung durch den Sinologen und Kampfkunstenthusiasten Dr. Hermann Bohn sollten sowohl der Urtext von Chen Xin als auch die Kommentare von Frau Chen und Herrn Dr. Qiao ins Deutsche übertragen und weiter einem deutschen Publikum verständlich gemacht werden. Wissenschaftliche Expertisen und fachspezifisches Können im Taijiquan auf chinesischer und auf deutscher Seite gleichermaßen versprechen bisher nicht da gewesene Einsichten in das Grundlagenwerk des Chen-Stil Taijiquan, den Graphischen Erklärungen zum Chen-Stil Taijiquan von Chen Xin. © Bild und Text Verlag Dietmar Stubenbaum. Kommentare zu den graphischen Erläuterungen zum Taijiquan des Chen-Clans, Hrsg. Dietmar Stubenbaum, Verlag Dietmar Stubenbaum, 2016. Kommentar zum Buch bei michaelditsch.de

Qigong

Qigong 氣功 Qìgōng ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl unterschiedlichster Praktiken, Methoden oder Systemen zur Gesunderhaltung in China. Das Spektrum reicht von prähistorischen, schamanisch geprägten, Methoden zur Erlangung der sogenannten "Unsterblichkeit" bis zu modernen, westlich beeinflußten, medizinischen Systemen. Immer wieder wurde versucht die unüberschaubare Zahl der vorhandenen Übungen zu ordnen und zu klassifizieren. Es gibt Einteilungen nach der vermuteten Herkunft der Übungen (daoistisches Qigong, Kampfkunst Qigong, medizinisches Qigong, etc.), nach Art der Ausführung (stilles Qigong, bewegtes Qigong, etc.), oder dem gewünschten Ergebnis (Abhärtung in der Kampfkunst, Vorbereitung zur Meditation, etc.). Bei der Beschäftigung mit Qigong müssen immer auch gesellschaftliche, kulturelle und politische Entwicklungen in China in Betracht gezogen werden.

"Qigong ist als Begriff in China erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts populär gemacht worden. Zuvor wurde eine Vielzahl von anderen Begriffen für eine Vielzahl von sehr unterschiedlichen Methoden verwendet: Tuna 吐纳, Daoyin 導引, Shouyi 守一, Neishi 內視, Zuowang 坐忘, Dangong 丹功, Zhiguan 止觀, Neigong 內功, Zuochan 坐禅, Jingzuo 静坐, Yangsheng 养生, Gongfa 功法, um nur einige zu nennen. Der Begriff Qigong wurde in den 1950er Jahren mit Blick auf die im chinesischen Kontext kulturpolitisch unverfänglichen Qi-relevanten Aspekte all dieser unterschiedlichen Praktiken gewählt. In den Westen kam Qigong dann primär in Gestalt standardisierter und vereinfachter Gesundheitspraktiken. […] Mit der ersten Welle der Standardisierung und Vereinfachung wurde in den 1950er Jahren ein gangbarer Weg gefunden, in einem politischen Klima, in dem ansonsten die kulturellen Traditionen des alten China abgelehnt wurden, einen kleinen Teil dieser Traditionen zu bewahren. Allerdings wurden im Rahmen dieser Standardisierung ursprünglich häufig sehr komplexe und tiefe Praktiken bewusst auf wenige elementare und massentaugliche Bestandteile Bestandteile reduziert. Vor allem aber wurden alle Elemente, die einer spirituellen – buddhistischen oder daoistischen – Praxis entstammten, eliminiert. Ähnlich wie TCM und Wushu beinhaltet also auch Qigong eine ganz klare politische Komponente. Es ging und geht bei der Vereinfachung und Standardisierung leiblicher Übungspraktiken in der VR China um eine Neugestaltung, manchmal auch 'Neuerfindung' traditioneller Methoden in einem politischen akzeptierten sowie gesellschaftspolitisch und wirtschaftlich opportunen Sinne. Die Betonung liegt in der VR China vor allem auf den modernen Errungenschaften. Deshalb wurden und werden Wege beschritten, die nicht notwendigerweise immer mit der Tradition konform gehen müssen." Gerstner, Ansgar: Vom Dao bewegt – Die Bedeutung des Daodejing für die Praxis des Qigong, in: Taijiquan & Qigong Journal (2016), Heft 64, Seite 16-17

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Eine wissenschaftliche Arbeit, die spannend ist, Tiefe besitzt und Hintergründe aufdeckt. Allgemein verständlich geschrieben für 'Profis' und 'interessierte Laien', für Praktizierende des Qigong sowie für alle, die sich mit Heilung, Gesundheit und dem 'spirituellen Pfad', wie er in China seit Jahrtausenden praktiziert wird, beschäftigten. Neben der Darstellung wichtiger Entwicklungsphasen werden Texte chinesischer Philosophen wie Laozi und Zhuangzi analysiert, die Verbindung von Qigong und Schamanismus aufzeigt, Theorien zum Dao, Nichts, der Unsterblichkeit, der Yin Yang- und Fünf Wandlungsphasen-Lehre, vorgestellt sowie die Wirkungsweise der magischen Körper-Geist-Übungen erklärt. © Bild und Text ML Verlag. Die magischen Körper-Geistübungen Chinas und deren Verbindung zum Schamanismus - Zu Historie, Theorie und Praxis des Qigong, Thomas Milanowski, ML Verlag, 2004

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Finally an informative yet enjoyable book that reveals the ancient secrets of Chi and the practices in various cultures and in many schools of study that can make its benefits available to anyone. Written by a Chinese Master, this volume is intended for the instructor, the beginner, advanced students or the just plain curious! © Text und Bild Endless Forest. What is Chi?; GaoFei Yan, Jude Brade Smallwood; Endless Forest Publisher; 2013. Kommentar zum Buch bei michaelditsch.de

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Die praktische Anwendung des Qigong im Rahmen der chinesischen Medizin. Grundlegende Konzepte und Übungsprinzipien des Qigong. Therapeutische Anwendung u.a. bei Schmerzen, Bluthochdruck, Asthma, Erkältungen etc. Darstellung bekannter und gebräuchlicher Qigong-Übungen mit über 300 Abbildungen. © Bild und Text Elsevier. Leitfaden Qigong - Gesundheitsfördernde und therapeutische Übungen der chinesischen Medizin; Engelhardt, Ute (Hrsg.); Hildenbrand, Gisela (Hrsg.); Zumfelde-Hüneburg, Christa (Hrsg.); Elsevier; 2013

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Qigong im Überblick stellt über 40 populäre Qigong-Arten vor,die in Deutschland, Österreich und in der Schweiz geübt und unterrichtet werden. Es wird unterschieden in moderne und traditionelle Übungsreihen und umfangreiche Qigong-Systeme. FachautorInnen beschreiben verständlich die Geschichte,Wirkungsweisen und Charakteristika der einzelnen Übungen und berichten von ihren eigenen Erfahrungen. Ein neues Kapitel behandelt, wie Qigong für spezielle Zielgruppen aufgearbeitet werden kann. So ist diese Sonderausgabe des "Taijiquan & Qigong Journals" eine wertvolle Hilfe, um bei der Vielzahl der Qigong-Angebote den Überblick zu gewinnen und zu behalten. © Bild und Text TQJ Verlag. Qigong im Überblick, Sonderausgabe "Taijiquan & Qigong Journals", 2016

Sind Taijiquan und Qigong "daoistische" Künste?

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