Alles fühlt

Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften

In vielen Bereichen unseres Lebens bestimmen wissenschaftliche Lehrmeinungen oder Paradigmen die Art und Weise, wie wir die Welt betrachten und wie wir uns in der Welt verhalten. Die großen Erfolge der Wissenschaft in den letzten Jahrhunderten beruhten auf reduktionistisch-materialistischen Verfahren und Methoden. Viele Lebensvorgänge lassen sich durch einzelne chemisch-physikalische Bausteine und Gesetzmäßikeiten beschreiben. Durch Erkenntnisse der Evolutions- und Molekularbiologie etablierte sich eine Denkweise, welche Lebewesen, auch in anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen, als von Genen gesteuerte Automaten sieht, die nur für Fortpflanzung und den Kampf ums Überleben programmiert sind. Auswirkungen dieser Denkweise und ihre gesamtgesellschaftlichen Folgen sind durchaus zu diskutieren. "Wir haben ein Jahrhundert der beispiellosen humanitären und ökologischen Katastrophen hinter uns - und wir sehen weiteren entgegen. Recht zu verstehen, was das Leben ist, wird über unsere Zukunft entscheiden." (Weber, 2008, S. 16)

"Die Isolierung des Menschen ist nicht das tiefste Kennzeichen seiner Natur, sondern beruht auf der fälschlichen Trennung von menschlichem und anderem Leben, von Ich und Welt, von Geist und Gedicht." (Weber, 2008, S. 16)

Literatur

Buchtipp: Die Weisheit der Wälder

Die Forstwissenschaftlerin Suzanne Simard nimmt uns mit in ihre Welt, ins Zentrum des Waldes, und zeigt, dass Bäume viel mehr sind als bloße Rohstofflieferanten: Lebendige Wesen mit hochspezialisierten Aufgaben, die soziale Strukturen bilden und über ein Geflecht aus unterirdischen Netzwerken miteinander kommunizieren. Sie lernen, passen ihr Verhalten an die Bedingungen ihrer Umwelt an, erkennen Nachbarn, haben Erinnerungen und sogar einen Sinn für Zukunft. Sie konkurrieren miteinander und unterstützen sich gegenseitig auf erstaunlich hochentwickelte Weise – Eigenschaften, die normalerweise menschlichen Gesellschaften zugeschrieben werden. Im Zentrum von Simards Forschungen stehen die "Mutterbäume": alte, mächtige und geheimnisvolle Bäume, welche die anderen um sie herum versorgen, verbinden und beschützen. © Bild und Text btb Verlag. Simard, Suzanne (2022): Die Weisheit der Wälder - Auf der Suche nach dem Mutterbaum, München: btb Verlag E-Book. Kommentar zum Buch bei michaelditsch.de

Buchtipp: Mensch und Natur

Ein klassisches Buch für Naturliebhaber - in dem Amma wortgewandt Wege aufzeigt, die Natur zu lieben, sie zu schützen und den Frieden zu ernten, der sich aus der Pflege der Natur ergibt. Dieses kleine Buch enthält auch Ammas Antworten auf drängende Umweltfragen, die ihr von dem führenden Umweltschützer Sam LaBudde, Direktor des Endangered Species Project des Earth Island Institute in San Francisco, gestellt wurden. Ein kraftvolles Buch, das sich sowohl auf die Verantwortung als auch auf die Schönheit in unserer Beziehung zu Mutter Natur konzentriert. "Die Religion lehrt uns, alles anzubeten und in allem Gott zu sehen. Eine solche Haltung gebietet uns, auch die Natur zu lieben" - Zitat von Amma. © Bild und Text M A Center. Sri Mata Amritanandamayi Devi (2016): Mensch und Natur - Gespräch mit Sri Mata Amritanandamayi Devi über Umweltprobleme, San Ramon (USA): M A Center

Buchtipp: Alles fühlt

Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften.
Die Naturwissenschaften sind dabei, ihr Bild vom Leben radikal zu wandeln. Entstehung und Verhalten von Tieren und Pflanzen lassen sich nur schlüssig erklären, wenn man Empfindung und Werte als Basis aller Lebensprozesse betrachtet. Für die kleinste Zelle wie für den Menschen gilt: Es gibt kein Leben ohne Gefühle. Seit Jahrhunderten erklärt uns die Wissenschaft, dass alle Lebewesen in Wahrheit von Reflexen und Genen ferngesteuert seien. Unsere Freude an der Natur sei nichts als sentimentale Illusion. Gefühle und Naturwissenschaft scheinen unvereinbar zu sein. Doch nun bahnt sich eine Revolution im Verständnis von Leben und Lebewesen an. Denn ausgerechnet die Leitdisziplin Biologie steht im Begriff, das Gefühl als Basis des Lebens wiederzuentdecken. Immer mehr spricht dafür, dass alle Organismen von einer mächtigen Kraft zusammengehalten werden: dem Empfinden, was ihnen gut tut und was ihnen schadet. Schon einfache Zellen folgen Werten. Sie sind keine Automaten, sondern Subjekte - anders können Naturforscher die immer erstaunlicheren Lebensvorgänge, auf die sie stoßen, nicht erklären. Die darwinistische Vorstellung, alles Lebendige sei gleichsam mechanisch von einer egoistischen Gier beherrscht, versagt demgegenüber immer häufiger. Tiere und Pflanzen sind uns inniger verwandt, als wir uns lange träumen ließen. An ihnen erfahren wir zentrale Dimensionen unserer Gefühle, ohne die wir seelisch verkümmern müssten. Daraus ergibt sich die - auch politisch - brisante Erkenntnis: Nur wenn wir die Natur bewahren, werden wir langfristig unsere eigene Humanität und Freiheit retten können. © Text und Bild Bvt Berliner Taschenbuch Verlag. Alles fühlt, Andreas Weber, Bvt Berliner Taschenbuch Verlag, 2008, ISBN: 9783827006707

Videos

How trees talk to each other | Suzanne Simard (TEDTalk 2016)