Alles fühlt

Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften

In vielen Bereichen unseres Lebens bestimmen wissenschaftliche Lehrmeinungen oder Paradigmen die Art und Weise, wie wir die Welt betrachten und wie wir uns in der Welt verhalten. Die großen Erfolge der Wissenschaft in den letzten Jahrhunderten beruhten auf reduktionistisch-materialistischen Verfahren und Methoden. Viele Lebensvorgänge lassen sich durch einzelne chemisch-physikalische Bausteine und Gesetzmäßikeiten beschreiben. Durch Erkenntnisse der Evolutions- und Molekularbiologie etablierte sich eine Denkweise, welche Lebewesen, auch in anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen, als von Genen gesteuerte Automaten sieht, die nur für Fortpflanzung und den Kampf ums Überleben programmiert sind. Auswirkungen dieser Denkweise und ihre gesamtgesellschaftlichen Folgen sind durchaus zu diskutieren. "Wir haben ein Jahrhundert der beispiellosen humanitären und ökologischen Katastrophen hinter uns - und wir sehen weiteren entgegen. Recht zu verstehen, was das Leben ist, wird über unsere Zukunft entscheiden." (Weber, 2008, S. 16)

"Die Isolierung des Menschen ist nicht das tiefste Kennzeichen seiner Natur, sondern beruht auf der fälschlichen Trennung von menschlichem und anderem Leben, von Ich und Welt, von Geist und Gedicht." (Weber, 2008, S. 16)

Buchtipp

Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften.
Die Naturwissenschaften sind dabei, ihr Bild vom Leben radikal zu wandeln. Entstehung und Verhalten von Tieren und Pflanzen lassen sich nur schlüssig erklären, wenn man Empfindung und Werte als Basis aller Lebensprozesse betrachtet. Für die kleinste Zelle wie für den Menschen gilt: Es gibt kein Leben ohne Gefühle. Seit Jahrhunderten erklärt uns die Wissenschaft, dass alle Lebewesen in Wahrheit von Reflexen und Genen ferngesteuert seien. Unsere Freude an der Natur sei nichts als sentimentale Illusion. Gefühle und Naturwissenschaft scheinen unvereinbar zu sein.
Doch nun bahnt sich eine Revolution im Verständnis von Leben und Lebewesen an. Denn ausgerechnet die Leitdisziplin Biologie steht im Begriff, das Gefühl als Basis des Lebens wiederzuentdecken. Immer mehr spricht dafür, dass alle Organismen von einer mächtigen Kraft zusammengehalten werden: dem Empfinden, was ihnen gut tut und was ihnen schadet. Schon einfache Zellen folgen Werten. Sie sind keine Automaten, sondern Subjekte - anders können Naturforscher die immer erstaunlicheren Lebensvorgänge, auf die sie stoßen, nicht erklären. Die darwinistische Vorstellung, alles Lebendige sei gleichsam mechanisch von einer egoistischen Gier beherrscht, versagt demgegenüber immer häufiger. Tiere und Pflanzen sind uns inniger verwandt, als wir uns lange träumen ließen. An ihnen erfahren wir zentrale Dimensionen unserer Gefühle, ohne die wir seelisch verkümmern müssten. Daraus ergibt sich die - auch politisch - brisante Erkenntnis: Nur wenn wir die Natur bewahren, werden wir langfristig unsere eigene Humanität und Freiheit retten können. Text und Bild Bvt Berliner Taschenbuch Verlag
Alles fühlt, Andreas Weber, Bvt Berliner Taschenbuch Verlag, 2008
ISBN: 9783827006707