Feng Shui

Die Struktur der Welt

Wie bei vielen anderen klassischen chinesischen Konzepten oder Begriffen sind auch beim Feng Shui, durch die Übertragung und Adaption in unsere westliche Kultur, viele Missverständnisse und Fehlinterpretationen entstanden. "Weil das Gros der westlichen  Publikationen zum Feng Shui von Anfang an bis zum heutigen Boom offensichtlich nicht auf Originalquellen basiert, sondern auf vagen Beschreibungen, mündlichen Überlieferungen unklarer Provenienz und ebenso vager westlicher Sekundär- und Tertiärliteratur beruht, entstand eine zum Teil äußerst bizarre Terminologie des Feng Shui ..." Kubny, 2008, S. 32

Feng Shui (Fēng shuǐ 風 水 Wind Wasser) ist Teil der klassischen chinesischen Lebenswissenschaften und basiert auf traditionellen chinesischen Konzepten, Begriffen und Theorien wie z.B. Dao, Qi oder Taiji/Wuji. Während der Song Dynastie (960-1279) vereinigte der Neokonfuzianismus die großen geistigen Strömungen Chinas, Daoismus, Buddhismus und Konfuzianismus, und bildete damit eine wesentliche Grundlage des Feng Shui. "Diese kybernetische Verknüpfung aller traditionellen chinesischen Wissensgebiete ist ein Merkmal chinesischer Wissenschaft an sich und betrifft sowohl die chinesische Medizin, das Yangsheng, das Taijiquan, das Bazi Suanming als auch die chinesische Alchemie. Feng Shui ist nun die Anwendung der chinesischen Kerntheorien in Hinblick auf die menschliche Interaktion mit Landschaften und Räumen." Kubny, 2008, S. 56

Wirken die verschiedenen Schulen und Methoden des Feng Shui auf den westlichen Betrachter zunächst verwirrend und komplex, so basiert die Lehre doch auf lebensnaher Naturbeobachtung und -verbundenheit. "Feng Shui vereint in sich sehr viele chinesische Lebensansichten und Erfahrungen aus dem täglichen Umfeld und aus dem Überlebenskampf in der Natur." Kubny, 2008, S. 106 "Im Prinzip nahm die heute als Feng Shui bekannte Technik ihren Anfang mit der ursprünglichsten Form menschlicher Behausung als Schutz vor klimatischen Einflüssen und gefährlichen Tieren." Kubny, 2008, S. 106

Die Erkenntisse und Interpretationen der Naturbeobachtung wurde nun im Feng Shui für Weissagungen und die Gestaltung des Lebensraumes verwendet. "Im Feng Shui sieht man die Natur wie einen lebenden Organismus an, der dem menschlichen Körper nicht unähnlich ist. Dieser Körper der Erde lebt und verändert sich und kann die unterschiedlichsten Einflüsse auf den menschlichen Körper und den menschlichen Geist haben und folglich auch auf das Schicksal oder den Lebensverlauf eines Menschen einwirken." Kubny, 2008, S. 113

Es wird sich zeigen, ob die Beschäftigung mit dem traditionellen chinesischen Feng Shui einen Beitrag zur Lösung unserer heutigen globalen Probleme leisten kann. Die Schwierigkeiten unreflektierter Übertragung klassischer chinesischer Lehren in den westlichen Kontext wurde bereits erwähnt. Umweltpsychologie und Ökopsychologie sowie Architektur- und Wohnpsychologie, oder auch die Landschaftsarchitektur, könnten mögliche Bereiche eines östlich-westlichen Dialoges sein. "Die klassische chinesische Annahme, dass die Erde genauso wie der menschliche Körper ein belebter Organismus sei, ist wohl die größte Herausforderung für einen westlich geprägten Menschen in der Auseinandersetzung mit Feng Shui und schafft zugleich eine unmittelbare Verbindung zum gegenwärtigen Versuch einer Neudefinition des Mensch-Natur-Verhältnisses in der Diskussion um den kulturkreativen Wertewandel der globalisierten Welt." Kubny, 2008, S. 283

Buchtipp: Feng Shui

Feng Shui ist im Westen zwar in aller Munde, aber die Informationen, die uns bisher aus China oder über den Umweg amerikanischer Feng-Shui-Experten erreichen, sind äußerst dünn. Die bisherige Vermittlung von Feng Shui in den Westen zielte auf eine leicht verständliche Anwendbarkeit von Methoden aus der chinesischen Geomantie. Der Sinologe Manfred Kubny legt nun erstmals ein Buch vor, in dem er anhand chinesischer Urtexte die Geschichte des Feng Shui und die der chinesischen Raumpsychologie zugrundeliegende Philosophie umfassend darstellt. © Bild und Text Drachen Verlag. Feng Shui: die Struktur der Welt: Geschichte, Philosophie und Konzepte der traditionellen chinesischen Raumpsychologie,Manfred Kubny, Drachen Verlag, 2008

Buchtipp: Qi, ein religiöses Urwort in China

Der Begriff Qi führt ins Zentrum der chinesischen Kultur. Schon in den Knocheninschriften (15. Jh. v. Chr.), in den klassischen Texten, in der späteren Tradition bis zur heutigen geomantischen Praxis ist Qi Symbol der Urkraft, die Himmel, Erde und Mensch, den Rhythmus von Yin und Yang, von Werden und Vergehen bestimmt. Eine Analyse von Urform und späteren Varianten des Schriftzeichens für Qi und seine Verwendung in Texten weisen die chinesische Religion als grundlegend monistisches Konzept aus. © Text und Bild Peter Lang Verlag. Qi, ein religiöses Urwort in China - Von den Knocheninschriften bis zur heutigen Feng-shui-Praxis, Choe Chong-Sok, Reihe: Saarbrücker theologische Forschungen - Band 5, 1995, Hrsg. Hasenhüttl / Ohlig

Buchtipp: Psychogeografie

Warum sind im Café die Tische am Rand schneller besetzt als in der Mitte? Weshalb werden Krankenhauspatienten schneller gesund, wenn sie ins Grüne blicken? Wieso schüchtern uns Kirchen ein? Colin Ellard nimmt uns mit auf eine spannende Entdeckungsreise in die Welt der Psychogeografie und erläutert, wie die Umgebung unser Verhalten tagtäglich beeinflusst – egal ob Zuhause, am Arbeitsplatz, auf dem Weg durch die Stadt oder draußen im Freien. Als einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Experimentalpsychologie gibt er Einblick in die Mechanismen, die dabei wirksam sind, und zeigt auf, was wir im Alltag daraus lernen können. © Bild und Text btb Verlag. Psychogeografie - Wie die Umgebung unser Verhalten und unsere Entscheidungen beeinflusst, Colin Ellard, btb Verlag, 2017

Buchtipp: Heilende Räume

Eine Harvard-Professorin weist nach, welchen Einfluss die Räume, in denen wir uns aufhalten, auf unser Wohlbefinden ausüben. Es ist ein allgemein bekanntes Phänomen: Man betritt einen Raum – und fühlt sich wohl. Oder genau das Gegenteil ist der Fall, und man möchte sofort wieder die Tür nehmen, um einen Ort schnellstmöglich zu verlassen. Die Gründe dafür können mannigfaltig sein. Esther Sternberg führt sie alle auf und erklärt den Hintergrund des scheinbar Unerklärlichen. Die Räume, in denen sich fast alle Menschen täglich aufhalten oder aufhalten müssen, weisen unterschiedlichste Formen, Farben, Gerüche oder Geräusche auf. Sie alle wirken auf den Menschen ein – im positiven wie im negativen Sinne. Um zu vermeiden, den Raumeinflüssen hilflos ausgeliefert zu sein, gilt es, die Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, die einen Raum zu einem "heilsamen Raum" machen. Esther Sternberg, Professorin der Washington-Universität, hat sich erstmals in einer großen wissenschaftlichen Studie mit dem heilsamen und dem unheilsamen Einfluss von Räumen auf den Menschen befasst. Ihre Arbeit enthält eine Fülle an faszinierenden Erkenntnissen über die Wechselwirkung zwischen Mensch und Umgebung, deren Anwendung es ermöglicht, sich negativen Einwirkungen der Umgebung entweder ganz zu entziehen oder sie zumindest abzuschwächen. © Bild und Text Crotona Verlag. Heilende Räume - Die Wirkung äußerer Einflüsse auf das innere Wohlbefinden, Esther Sternberg, Crotona Verlag, 2011