Ökologische Ökonomie

Versöhnung von Ökonomie, Natur und Menschlichkeit

Es wird Zeit. Zeit, daß die Dogmen, Ideologien und Ismen des 19. und 20. Jahrhunderts verworfen werden und die Menschheit sich endlich mit den drängenden Fragen und Aufgaben des 21. Jahrhunderts befasst. Der "Homo oeconomicus", als Modell des Menschen, der nur nach Nützlichkeit, Gewinnmaximierung und Eigeninteresse im Sinne des neoliberalistischen Wettbewerbes oder eines "darwinistischen Kampfes ums Dasein" handelt, hat ausgedient. Darwin selbst hat den Ausdruck "Survival of the Fittest" nie als "Kampf ums Dasein“ der Individuen verstanden, sondern als Anpassungsfähigkeit einer Art an die jeweiligen Umweltbedingungen. Der Zustand der Weltwirtschaft, die zunehmenden Krisen und Bedrohungen des menschlichen Lebens in unser heutigen Zeit zeigen, dass die alten Wirtschaftstheorien, die Trennung von Ökologie und Ökonomie, keine Lösungen für die Zukunft bieten. Die Techniken, Modelle und Theorien für das 21. Jahrhundert sind bereits vorhanden und werden in einigen Bereichen schon erfolgreich umgesetzt. Aber vielleicht ist der Homo sapiens nicht fähig, weit vorausschauend und global zu handeln, um seine Lebensgrundlagen zu erhalten. Dem Ökosystem Erde wird dies egal sein: "Es ist eine Situation, die traurig macht. Nicht um die Erde und ihre lebende Schönheit. Sie wird sich vom Einschlag des industriellen Meteoriten Mensch erholen und sich neu erheben, in einer anderen Form, mit anderen Arten, ...." (Weber, 2010, S. 204) Es wird nicht einfach für uns Menschen werden und so schreibt auch Andreas Weber am Ende seines lesenswerten Buches "Biokapital": "Vielleicht ist die 'Politk des Lebens', die ich in diesem Buch entwickelt habe, ein Modell für die Zeit danach, für die neue Welt nach den Umbrüchen und Krisen, die auf uns warten." (Weber, 2010, S. 204)
Hoffen wir das Beste!

Buchtipp: Biokapital

Die Versöhnung von Ökonomie, Natur und Menschlichkeit. Wirtschaftswachstum erhöht längst nicht mehr überall den Wohlstand, sondern beschleunigt Artensterben, Massenarmut und Sinnleere. Für Andreas Weber sind all diese Probleme auf eine einzige Ursache zurückzuführen: auf eine Wirtschaftsreligion, die alles dem ökonomischen Wachstum unterordnet. In seinem anschaulichen und klugen Buch beschreibt und fordert Weber deshalb eine neue, ökologische Ökonomie, eine Politik des Lebens, die mit der Natur wirtschaftet und nicht gegen sie. Erst diese neue Wirtschaft - eine Ökonomie des Glücks - kann die Wende schaffen, den Reichtum der Natur dauerhaft nutzen und unsere Humanität bewahren. © Text und Bild Bvt Berliner Taschenbuch Verlag. Biokapital, Andreas Weber, Bvt Berliner Taschenbuch Verlag, 2010, ISBN: 9783833306389

Cradle to Cradle - Remaking the Way We Make Things

Buchtipp: Cradle to Cradle

A manifesto for a radically different philosophy and practice of manufacture and environmentalism. "Reduce, reuse, recycle" urge environmentalists; in other words, do more with less in order to minimize damage. As William McDonough and Michael Braungart argue in their provocative, visionary book, however, this approach perpetuates a one-way, "cradle to grave" manufacturing model that dates to the Industrial Revolution and casts off as much as 90 percent of the materials it uses as waste, much of it toxic. Why not challenge the notion that human industry must inevitably damage the natural world, they ask. In fact, why not take nature itself as our model? A tree produces thousands of blossoms in order to create another tree, yet we do not consider its abundance wasteful but safe, beautiful, and highly effective; hence, "waste equals food" is the first principle the book sets forth. Products might be designed so that, after their useful life, they provide nourishment for something new-either as "biological nutrients" that safely re-enter the environment or as "technical nutrients" that circulate within closed-loop industrial cycles, without being "downcycled" into low-grade uses (as most "recyclables" now are). Elaborating their principles from experience (re)designing everything from carpeting to corporate campuses, the authors make an exciting and viable case for change. © Bild und Text Macmillan. Cradle to Cradle - Remaking the Way We Make Things; William McDonough, Michael Braungart; Macmillan; 2003

Was ist Cradle to Cradle? - Cradle to Cradle e.V.

Buchtipp: Creating Buildings With Positive Impacts

Promoting positive impacts of buildings, instead of minimizing negative ones. This is the guiding principle in the new book entitled 'Creating Buildings With Positive Impacts' by Douglas Mulhall, Michael Braungart and Katja Hansen. In their publication, they present practical tools and methods that help to create healthy and recyclable buildings. The guide is aimed at experienced Circular Economy and Cradle to Cradle experts as well as property owners, investors, developers, building owners or planners who want to learn more about this topic and improve the positive footprint of their real estate. © Bild und Text TUM/BAMB. Creating Buildings With Positive Impacts; Douglas Mulhall, Michael Braungart, Katja Hansen; TUM/BAMB; 2019

Cradle to Cradle ist machbar: gebaute Beispiele

"C2C ist die Abkürzung der Stunde. Aber nicht um Customer-to-Customer-Marketing geht es dabei, sondern um ein wirtschaftliches Denken in Prozessen, von der Planung über die Destruktion bis zur Neunutzung - Cradle to Cradle eben, von der Wiege zur Wiege. In den frühen 1990er-Jahren wurde die Idee von dem US-Architekten William McDonough und dem deutschen Chemiker Michael Braungart entwickelt, ein erster Auftritt der beiden fand seinerzeit auf der Hannover-Weltausstellung statt. Die Vision: eine abfallfreie Wirtschaft, bei der keine gesundheits- und umweltschädlichen Materialien verwendet werden und die Materialien nach der Nutzung wieder einem biologischen oder technischen Kreislauf zugeführt werden." (Maier-Solgk, 2020)

"Folgt man Braungart, so geht es um Grundsätzliches: C2C will den Nachhaltigkeitsgedanken, der im Baubereich heute noch auf die Minimierung des ökologischen Fußabdrucks beziehungsweise die Senkung des CO2-Ausstoßes ausgerichtet ist, in positiver Umdeutung neu fassen: Ein Gebäude soll so konzipiert werden, dass es nicht nur weniger Schaden verursacht, sondern für Mensch und Umwelt Mehrwerte erzeugt. Jenseits der Baustoffe handelt es sich dabei im weiteren Sinn um drei 'Designprinzipien': Abfall als Nährstoff (Ressourcenschutz und kontinuierliche Stoffkreisläufe), Nutzung regenerativer Energien und Förderung von kultureller und biologischer Diversität. Diese Prinzipien erlauben einen denkbar breiten Ansatz für bauliche Nachhaltigkeitslösungen. Deshalb heißt es im Fall von kompletten Gebäuden heute meist, sie seien von der Idee 'inspiriert'." (Maier-Solgk, 2020)

"Hört man Braungart länger zu, so schwankt der Eindruck zwischen Wissenschaftler und Ökophilosoph. Doch gibt es kaum jemand, der an der Grundidee Zweifel hätte. Das Bauwesen in Deutschland ist für mehr als die Hälfte des gesamten Müllaufkommens verantwortlich, zunehmend werden Materialien wie der für Beton verwendete Sand knapp und entsprechend teuer; dessen Abbau am Meeresboden ist inzwischen selbst zum Umweltproblem geworden. Nach Braungart wird das Thema Material das des Energieverbrauchs zukünftig an Bedeutung übertreffen." (Maier-Solgk, 2020)

Maier-Solgk, Frank: "Man sieht sich immer zweimal", in DAB 05.2020, 2020, S. 10, URL: https://www.dabonline.de/2020/04/28/cradle-to-cradle-ist-machbar-beispiele-architektur-baustoffe-c2c-infos/ (Stand: 03.05.2020).


Literatur

Buchtipp: Unsere Welt neu denken

Unsere Welt steht an einem Kipp-Punkt, und wir spüren es. Einerseits geht es uns so gut wie nie, andererseits zeigen sich Verwerfungen, Zerstörung und Krise, wohin wir sehen. Ob Umwelt oder Gesellschaft – scheinbar gleichzeitig sind unsere Systeme unter Stress geraten. Wir ahnen: So wie es ist, wird und kann es nicht bleiben. Wie finden wir zu einer Lebensweise, die das Wohlergehen des Planeten mit dem der Menschheit versöhnt? Wo liegt der Weg zwischen Verbotsregime und Schuldfragen auf der einen und Wachstumswahn und Technikversprechen auf der anderen Seite? Diese Zukunft neu und ganz anders in den Blick zu nehmen – darin besteht die Einladung, die Maja Göpel ausspricht. © Bild und Text Ullstein. Göpel, Maja (2020): Unsere Welt neu denken - Eine Einladung, Berlin: Ullstein eBooks


Videos

Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen

Beispiel für ökologisch sinnvolle Architektur
Anders Wirtschaften - der Architekt und Unternehmer Thomas Rau

Die 4. Revolution (Trailer)
Ist eine Welt möglich, die sich zu 100 Prozent aus regenerativen Energien speist?


Links

Grün, innovativ, praxisnah - das ist die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. In den Jahren seit ihrer Gründung 1971 hat sie sich ein einmaliges Profil geschaffen: Keine andere Hochschule verfügt über ein vergleichbares Fächerspektrum, das klar und konsequent auf die so genannten "grünen Fächer" ausgerichtet ist. Die Studiengänge bieten - singulär in Bayern - all das, was im weitesten Sinn mit Natur, Ernährung und Umwelt zu tun hat. Mehr Informationen: www.hswt.de

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