Bewusstsein

Erlebnisräume zwischen Wachen und Entrückung

Diskussionen über Bewusstsein, Bewusstseinszustände, Geist, Freier Wille, usw. sind eigentlich unmöglich, da keine allgemein anerkannten Definitionen existieren. Auch in englischsprachigen Veröffentlichungen werden Begriffe wie mind, consciousness oder awareness sehr unterschiedlich verstanden und verwendet. Bisher ist es der Bewusstseinsforschung oder der Philosophie nicht gelungen zu erklären, was Bewusstsein ist, wie es entsteht und wie es mit materiellen Vorgängen verbunden ist. Mittlerweile beginnen auch die modernen Neurowissenschaften sich mit den subjektiven Erfahrungswelten des Bewusstseins zu befassen. Trotz etlicher Untersuchungen von Gehirnen mit bildgebenden Verfahren, auf der Suche nach dem neuronalen Korrelat des Bewusstseins, konnte noch keine schlüssige Theorie entwickelt werden.

Studiosendung "Forscher & Fakten": Wolf Singer und die Entstehung von Bewusstsein
HYPERRAUM.TV - deutschsprachiger Sender für Wissenschaft und Technologie
hyperraum.tv/2019/02/10/bauherr-gehirn/

Bewusstsein Begriffsgeschichte

"Obwohl sich die abendländische Philosophie seit ihrem Anbeginn mit dem Leib-Seele-Problem beschäftigt hat [...], ist der Begriff 'Bewusstsein' noch nicht sehr alt. Er geht auf den Philosophen, Mathematiker und Logiker Christian Wolff (1679–1754) (Wolff 1720) zurück und stellt eine Erweiterung des 'cogito' in Descartes’ berühmtem Satz 'cogito ergo sum' dar; denn das cogitare bedeutet, wie aus den Schriften von Descartes hervorgeht, weitaus mehr als nur 'denken', es umfasst vielmehr eine Metakognition des eigenen Denkens, Handelns und Fühlens. Deshalb meinte Wolff, das 'cogito ergo sum' mit 'Ich habe Bewusstsein, also bin ich' übersetzen zu müssen. Durch Wolff's Schriften verbreitete sich der Begriff 'Bewusstsein' im deutschen Sprachraum, John Locke (1632–1704) und David Hume (1711–1776) trugen in der englischsprachigen Philosophie dazu bei." Veränderte Bewusstseinszustände, Dieter Vaitl, Schattauer, 2012, S. 6

Veränderte Bewusstseinszustände

"Selbst wenn es in absehbarer Zeit nicht gelingt, Bewusstseinszustände zu definieren, gibt es dennoch unverrückbare Evidenz dafür, was sie nicht sind. Hier eröffnet sich gerade durch die Erforschung von veränderten Bewusstseinszuständen die Möglichkeit, auf indirektem Wege zu ergründen, worin Bewusstsein besteht, aus welchen Komponenten es sich zusammensetzt und worin letztlich seine biologische Funktion liegt." Veränderte Bewusstseinszustände, D. Vaitl, Schattauer, 2012, S. 5

Pathologische Veränderungen des Bewusstseins

  • Bewusstseinsstörungen
  • Psychotische Erkrankung
  • Halluzinationen
  • Dissoziative Bewusstseinsstörungen

Spontan auftretende Bewusstseinsveränderungen

  • Schlaf und Traum
  • Nahtod-Erfahrungen
  • Außerkörper-Erfahrungen
  • Außergewöhnliche Erfahrungen
  • Mystische Erfahrungen

Induzierte Bewusstseinsveränderungen

  • Absorption als Basisfähigkeit
  • Pharmakologische Methoden
  • Physiotrope Methoden und Umgebungsbedingungen
  • Schamanismus
  • Hypnose
  • Autogenes Training
  • Meditation
  • Flow-Zustände

Quelle: Veränderte Bewusstseinszustände, Dieter Vaitl, Schattauer, 2012

Buchtipp: Veränderte Bewusstseinszustände

Erlebnisräume zwischen Wachen und Entrückung – neurowissenschaftliche Einblicke in eine Terra incognita. Veränderte Bewusstseinszustände zählen zu den faszinierendsten Phänomenen unserer Lebenswirklichkeit. Spontan auftretend, wie z.B. Tagträume, Nahtod- oder mystische Erfahrungen, durch Pharmaka oder Störungen des Zentralnervensystems hervorgerufen, aber auch willentlich mittels fernöstlicher oder westlicher Methoden erzeugt – fast immer sind sie mit außerordentlichen, meist tief berührenden Erfahrungen verbunden. Durch die moderne Hirnforschung hat sich unser heutiges Wissen auf diesem ungemein spannenden Forschungsfeld entscheidend erweitert: Nachweisbare kurz- oder längerfristige Veränderungen in Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Zeitgefühl, Denken, Körperschema sowie emotionalem Erleben und Verhalten – so auffällig die Effekte auch erscheinen mögen, stellen sie doch nichts Ungewöhnliches oder gar Pathologisches dar. Sie sind allesamt in den normalen biologischen Grundfunktionen des Menschen verankert. Dieter Vaitl, Leiter des internationalen Forschungsverbunds "Veränderte Bewusstseinszustände" an der Universität Gießen, gibt in seinem Buch faszinierende Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse: Wie kommunizieren verschiedene Hirnstrukturen bei veränderten Bewusstseinszuständen miteinander? Was passiert bei Dissoziation oder Halluzinationen? Wodurch unterscheiden sich diese von pathologischen Prozessen? Die moderne Hirnforschung und unser zunehmendes Wissen um die Plastizität des Gehirns eröffnen aufsehenerregende Perspektiven, wie diese neuen Erfahrungswelten genutzt und in das Repertoire selbstkontrollierter, das Bewusstsein erweiternder Fähigkeiten einbezogen werden können – ein fesselndes Thema nicht nur für Psychologen, Psychotherapeuten, Psychiater, Pädagogen, Philosophen und Theologen. © Bild und Text Schattauer. Veränderte Bewusstseinszustände Grundlagen – Techniken – Phänomenologie, Dieter Vaitl, Schattauer, 2012

Buchtipp: Was ist der Mensch?

Was genau geschieht, wenn unser Gehirn nicht mehr "normal" funktioniert? Wenn es in Unordnung geraten ist, durch Störungen oder Krankheiten wie Alzheimer, Depression oder posttraumatischen Stress? Eric Kandel, einer der weltweit führenden Experten der Gehirn- und Gedächtnisforschung, hat sich in seiner Arbeit immer wieder mit der Frage beschäftigt, inwiefern komplexe menschliche Verhaltensweisen biologische Ursachen haben. In seinem neuen Buch zeigt er an vielen Beispielen, von Angstzuständen bis zur Schizophrenie, von Sucht bis Bipolarität, wie sehr biologische Prozesse unsere Identität prägen. Denn gerade die Störungen, die Abweichungen und Anomalien machen auf beeindruckende Weise sichtbar, was es heißt, Mensch zu sein. © Bild und Text Siedler. Was ist der Mensch? - Störungen des Gehirns und was sie über die menschliche Natur verraten, Eric Kandel, Siedler, 2018

"Über das Bewusstsein als philosophischen Begriff herrscht nach wie vor keine Einigkeit, aber die meisten Menschen, die sich damit beschäftigen und Bewusstseinsstörungen untersucht haben, halten es nicht für eine einheitliche Funktion des Geistes, sondern für verschiedene Zustände in unterschiedlichen Zusammenhängen." S. 213

"Das Bewusstsein bleibt ein Rätsel. Wir wissen, dass es nicht unveränderlich ist, dass Bewusstseinszustände schwanken. Außerdem gehört zu Bewusstsein auch, dass unbewusst wahrgenommene Informationen weiten Teilen der Großhirnrinde verfügbar gemacht werden, insbesondere dem präfrontalen Cortex, jenen Gehirnteil, der für die Integration von Wahrnehmung, Erinnerung und Kognition verantwortlich ist. Das Wesen des Bewusstseins zu ergründen - herauszufinden, wie wir aus den unbewussten Tätigkeiten im Gehirn unsere Selbstwahrnehmung beziehen - ist eine der größten wissenschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts; Antworten werden weder schnell noch einfach zu erhalten sein." S. 233

Was ist der Mensch? - Störungen des Gehirns und was sie über die menschliche Natur verraten, Eric Kandel, Siedler, 2018

Buchtipp: Wenn die Zeit stehen bleibt

Außergewöhnliche Bewusstseinserfahrungen sind vom Mainstream der Naturwissenschaften lange Zeit ignoriert oder gar als Spinnerei verunglimpft worden. Das beginnt sich zu ändern. Der Neuropsychologe Marc Wittmann zeigt in seinem neuen Buch, wie Erlebnisse, die das Alltagsverständnis unseres Selbst erschüttern, dazu beitragen, das Rätsel unseres Bewusstseins zu entschlüsseln. Rauschzustände, Schrecksekunden, außerkörperliche Erfahrungen und Nahtoderlebnisse führen uns an die Grenzen unseres Bewusstseins. Fortgeschrittene Meditierende verlieren während der Meditation gar das Gefühl für Zeit. Aber auch bei seelischen Störungen wie der Depression oder der Schizophrenie bleibt die Zeit mitunter stehen, und diese Erlebnisse sind ein Schlüssel zum Verständnis der Erkrankung. Die empirischen Befunde und konzeptionellen Erkenntnisse Marc Wittmanns lassen uns staunen über die Funktionsfähigkeit unseres Gehirns sowie die Entstehung und die Bedingungen des menschlichen Bewusstseins. © Bild und Text C.H.Beck. Wenn die Zeit stehen bleibt - Kleine Psychologie der Grenzerfahrungen, Marc Wittmann, C.H.Beck, 2015. Kommentar zum Buch bei michaelditsch.de

Kann die Hirnforschung das Bewusstsein erklären?

Vortrag von Prof. Dr. Andreas K. Engel

Sensomotorische Theorie des Bewusstseins

Kevin O'Regan
(* 1948, Physiker und Psychologe)
Alva Noe
(* 1964, Philosoph)
"Unser Ansatz basiert auf der Idee, dass Erleben nicht durch Hirnprozesse als solche entsteht, sondern vielmehr durch die Art und Weise konstruiert wird, in der Hirnprozesse einen Austausch zwischen dem Wahrnehmenden und seiner Umwelt ermöglichen. … Unsere grundlegendste Annahme ist, dass alle Versuche zum Scheitern verurteilt sind, Wahrnehmungsbewusstsein durch die Annahme eines neuronalen Mechanismus zu erklären, der als hinreichend für die Erzeugung des Erlebens betrachtet werden könnte. … Erleben ist nicht etwas, was in uns passiert, sondern ist etwas, das wir tun. Perzeptuelles Erleben besteht darin, die Umwelt handelnd zu erkunden." (What is it like to see: a sensorimotor theory of perceptual experience, 2001)

Theorie des erweiterten Geistes

Andy Clark
(* 1957, Philosoph)
David Chalmers
(* 1966, Philosoph)
"Kognitive Prozesse laufen nicht (vollständig) im Kopf ab. … Der menschliche Organismus ist mit externen Entitäten durch Wechselwirkungen verbunden, so dass sich ein gekoppeltes System bildet, das insgesamt als kognitives System betrachtet werden kann. … Die externen Elemente des gekoppelten Systems haben eine unverzichtbare Rolle – wenn wir die innere Struktur gleich halten, die externen Elemente aber variieren, kann sich das Verhalten des Systems komplett verändern. Diese externen Elemente besitzen die gleiche kausale Relevanz wie die inneren Hirnzustände." (The extended mind, 1998)

"Rein neuronale Modelle greifen zu kurz; Bewusstsein kann nur 'externalistisch', also unter Einbeziehung von Körper und Umweltkontexten erklärt werden."

"Kognitives System ist nicht das Gehirn, sondern das Gesamtsystem aus Gehirn, Körper und Umwelt in ihrer wechselseitigen Verschränkung; dieses Gesamtsystem stellt das 'Vehikel' für Bewusstsein dar."

Quelle:
Kann die Hirnforschung das Bewusstsein erklären? Prof. Dr. Andreas K. Engel (Hamburg), Direktor des Instituts für Neurophysiologie und Pathophysiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendor. Der Vortrag beleuchtet einige aktuelle Forschungsergebnisse zu neuronalen Grundlagen des Bewusstseins. Insbesondere wird diskutiert, welche dynamischen Veränderungen in Netzwerken des Gehirns dem Wechsel von Bewusstseinsinhalten im wachen Zustand und dem Bewusstseinsverlust in der Narkose zugrunde liegen. Diese Untersuchungen beleuchten beispielhaft die Vorgehensweise der Hirnforschung in der Erforschung des Bewusstseins und zeigen ihre Möglichkeiten, machen aber auch Grenzen deutlich. Eine wissenschaftliche Erklärung des Bewusstseins könnte möglich sein, wird aber nicht allein von den Neurowissenschaften geleistet werden können. Vortrag, 11. Dezember 2014, Haus am Dom, Großer Saal, Domplatz 3, 60311 Frankfurt am Main. Veranstalter: Gemeinnützige Hertie-Stiftung in Kooperation mit der Katholischen Akademie Rabanus Maurus


Buchtipp: Allgemeine Psychopathologie

Psychische Störungen eindeutig und übersichtlich zu beschreiben, sie in einen Orientierungsrahmen einordnen zu können und Ansätze für ihr Verstehen zu gewinnen, ist ein wichtiges Anliegen für alle, die mit psychiatrisch-psychotherapeutischen Patienten in Berührung kommen. Dieses Buch vermittelt eine elementare, praxisbezogene Psychopathologie. Es führt eine Ordnung des Beschreibbaren ein, lehrt die erforderliche Sorgfalt des Beschreibens und der Begriffsverwendung und erlaubt Einblicke in die Hintergründe und Entstehung seelischer Störungen. © Bild und Text Thieme Verlag. Allgemeine Psychopathologie - Eine Einführung, Christian Scharfetter, Thieme, 2017

Inhaltsverzeichnis
01 Zur allgemeinen Psychopathologie 1
02 Bewusstsein 47
03 Ich-Bewusstsein 71
04 Erfahrungsbewusstsein und Realitäts bewusstsein 108
05 Orientierung 115
06 Zeiterleben 121
07 Gedächtnis und Erinnerung 126
08 Aufmerksamkeit und Konzentration 133
09 Denken, Sprache, Sprechen 137
10 Intelligenz 154
11 Affektivität 163
12 Wahrnehmung 184
13 Auffassung 209
14 Wahn 212
15 Antrieb (Grundaktivität) 261
16 Motorik 266
17 Aggression 277
18 Zwänge und Phobien 293
19 Impulshandlungen 299
20 Bedürfnis-Trieb-Wille 303
21 Sexualität 311
Literatur 330
Sachverzeichnis 347


Lesetipp: Der Mensch - Ein einzigartiges Wesen

Stamm: Chordatiere; Klasse: Säugetiere; Ordnung: Primaten; Familie: Menschenaffen; Gattung: Homo; Art: Homo sapiens - so lautet nach klassischer Systematik unsere Stellung im System der Natur. Als der schwedische Naturforscher Carl von Linné (1707-1778) in der 1758 erschienenen zehnten Auflage seiner »Systema Naturae« den Menschen in das Tierreich einsortierte, zielte er allerdings nicht auf eine biologische Verwandtschaft zu anderen Lebewesen auf Grund gemeinsamer Abstammung. Das blieb im 18. Jahrhundert noch undenkbar; erst Charles Darwin (1809-1882) sollte ein Jahrhundert später die Idee einer Sonderstellung des Menschen erschüttern. Dass sich die Spezies Homo sapiens aus Vorläuferarten entwickelte, gilt seit Darwins Zeiten als sicher. Warum allerdings von allen menschlichen Arten, die jemals auf Erden wandelten und heute zur Gruppe der Homininen zusammengefasst werden, nur eine überlebte, gehört zu den großen Rätseln der Paläoanthropologie. Der menschliche Erfolg bleibt unbestritten. Keine andere biologische Spezies hat den Planeten Erde in kürzester Zeit so stark geprägt; Geologen sprechen daher von der Epoche des Anthropozäns, dem Zeitalter des Menschen. Die damit verbundene Umweltzerstörung und Klimaveränderung bedrohen letztlich unsere eigene Existenz. Homo sapiens, der »weise Mensch«, entlarvt sich somit als doch nicht so weise. Andreas Jahn, Spektrum der Wissenschaft. © Bild und Text Spektrum D. Wissenschaft. Der Mensch - Ein einzigartiges Wesen, Spektrum Spezial, Spektrum D. Wissenschaft, 2019

"Aber je mehr biologische Kenntnisse wir gewinnen, desto offensichtlicher wird es, dass wir nicht nur Anatomie, Physiologie und Genetik mit anderen Tieren teilen, sondern auch neuronale Systeme für Sehen, Hören, Gedächtnis und Emotionen. Kann es wirklich sein, dass nur wir allein zusätzlich dieses ganz besondere Etwas besitzen - diese wundersame Innenwelt des subjektiven Erlebens?
Die Frage lässt sich nur schwer beantworten. Unser eigenes Bewusstsein mag als das Natürlichste der Welt erscheinen, aber sein Wesen zu untersuchen, gehört wohl zu den größten Herausforderungen überhaupt. Wir verfügen noch nicht einmal über eine eindeutige Definition, sondern können lediglich auf eine berühmte Frage des US-amerikanischen Philosophen Thomas Nagel aus dem Jahr 1974 zurückgreifen: Wie ist es eine Fledermaus zu sein?" S. 52

"Als eine der bekanntesten illusionistischen Hypothesen gilt Daniel Dennetts 'Theorie der mehrfachen Entwürfe': Demnach funktioniert das Gehirn als extrem parallel arbeitendes System, das kein zentrales Theater braucht, in dem ein Ich sitzt und von hier aus die Welt betrachtet und steuert. Vielmehr prozessiert es ständig mehrere Entwürfe von Wahrnehmungen und Gedanken, von denen keiner bewusst oder unbewusst ist, bis das System eine Reaktion auslöst. Erst dann erleben wir den Gedanken oder die Handlung als bewusst – Bewusstsein ist also eine Zuschreibung, die wir im Nachhinein vornehmen." S. 55

Bewusstsein - Das schwierigste Problem - Artikel von Susan Blackmore. Der Mensch - Ein einzigartiges Wesen, Spektrum Spezial, Spektrum D. Wissenschaft, 2019
www.spektrum.de/magazin/das-raetsel-des-menschlichen-bewusstseins/1614262

Lesetipp: Wenn die Seele den Halt verliert

Bestimmte psychische Störungen können unser natürliches Gespür für die Grenzen zwischen Ich und Umwelt, zwischen gestern und heute trüben. Nach einem traumatischen Erlebnis etwa können Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen, und die Betroffenen erleben in so genannten Flashbacks den schrecklichsten Moment ihres Lebens immer wieder. Menschen mit einer paranoiden Psychose beziehen ein belangloses Geschehen auf sich, und manche glauben beispielsweise, ihre Gedanken würden durch fremde Mächte manipuliert. Das Verständnis dieser Leiden hilft dabei, sie zu mindern. Wer die Symptome einzuordnen weiß, wird auch bessere Hilfe leisten können - für sich selbst, für Angehörige, Freunde und Patienten. Dazu wollen wir mit diesem Sonderheft beitragen. In den hierfür ausgewählten Artikeln erläutern Experten, was hilft, die beschriebenen Krisen zu überwinden. © Bild und Text Gehirn&Geist. Wenn die Seele den Halt verliert - Trauma, Dissoziation, Psychose - Gehirn&Geist Dossier 2/2017