Gedächtnis

Wie das Gehirn Erinnerungen fälscht

"Unsere Erinnerungen an frühe Kindertage sind äußerst wertvoll. Immer wieder holen wir sie heraus, schauen sie an, erzählen sie weiter. Sie sind ein Teil dessen, wer wir sind. Doch obwohl uns diese erinnerten Momente so real vorkommen, sind sie doch zu einem großen Teil Fiktion. Denn unser Gedächtnis ist ein äußerst unzuverlässiger Zeuge. Gerade in den letzten Jahrzehnten haben viele Forschungen gezeigt, dass Erinnerungen keine gespeicherten Filme aus der Vergangenheit sind, sondern vielmehr Konstruktionen, die sich im Laufe des Lebens überdies immer wieder verändern. 'Erinnerungen sind datengestützte Erfindungen', erklärt der Neurophysiologe und Hirnforscher Wolf Singer vom Max-Planck-Institut in Frankfurt. 'Sie bauen auf lückenhaften, meist recht willkürlich ausgewählten Daten auf und haben den Charakter von Rekonstruktionen.'" Ustorf, Anne-Ev.: "Bilder der Kindheit", in Psychologie Heute 1/2020, S. 19

Buchtipp: Das trügerische Gedächtnis

Wir sind die Summe unserer Erinnerungen. Stimmen diese aber auch? Haben prägende Ereignisse unserer Kindheit überhaupt so stattgefunden? Identität ist ein kunstvoll gewebter Teppich aus Erinnerungsfragmenten. Die Verhaltenspsychologin Julia Shaw erklärt, warum dem Gehirn dabei ständig Fehler unterlaufen. Und das Tappen in die Erinnerungsfalle hat Konsequenzen: Wir können uns auf unser Gedächtnis nicht verlassen. Auf der Grundlage neuester Erkenntnisse von Neurowissenschaft und Psychologie sowie ihrer eigenen bahnbrechenden Forschung zeigt Shaw, welchem Teil unserer Erinnerung wir trauen können und welchem nicht. Ein verblüffender Einblick in die wahnwitzigen Mechanismen des menschlichen Gehirns. © Bild und Text Hanser- Das trügerische Gedächtnis - Wie das Gehirn Erinnerungen fälscht, Julia Shaw, Hanser, 2016. Kommentar zum Buch bei michaelditsch.de

Julia Shaw – Manipulation im Gehirn? – DAI Heidelberg