Individuelle Realität

Bewußtsein, Wahrnehmung, Illusion und Realität

"Alle Erkenntnisse, die ich bei der Untersuchung von normalen Menschen und von Patienten mit Schädigungen verschiedener Teile ihres Gehirns gewonnen habe, legen eine beunruhigende Schlussfolgerung nahe: Wir konstruieren unsere eigene 'Wirklichkeit' aus bloßen Bruchstücken von Informationen; was wir 'sehen' ist eine verlässliche - aber nicht immer zutreffende - Wiedergabe dessen, was in der Welt ist; wir sind uns der überwältigenden Mehrheit der Ereignisse, die in unserem Gehirn vorgehen, nicht bewusst." Vilaynur S. Ramachandran - Die blinde Frau, die sehen kann, Rowohlt TB, 2002, S.364

"Die Mitteilung, dass Ihr Leben, all Ihre Hoffnungen, Triumphe und Bestrebungen nur auf die Aktivität von Neuronen in Ihrem Gehirn zurückgehen, klingt einigermaßen entmutigend. Tatsächlich bedeutet dieser Gedanke aber keine Abwertung menschlichen Tuns, sondern ist, denke ich, ganz im Gegenteil ein Adelsprädikat. Die Naturwissenschaften - Kosmologie, Evolutionstheorie und vor allem die Neurowissenschaften - teilen uns mit, dass wir keine Sonderstellung im Universum innehaben und dass unser Gefühl, wir hätten eine private, nichtstoffliche Seele, die die 'Welt beobachtet', in Wirklichkeit eine Illusion ist (wie es die mystischen Traditionen des Ostens, etwa der Hinduismus und der Zen-Buddhismus, schon lange lehren). Sobald Ihnen klar geworden ist, dass Sie keineswegs Zuschauer sind, sondern vielmehr Teil des ewigen Gezeitenstroms der kosmischen Ereignisse, wirkt diese Erkenntnis sehr befreiend. Letztlich verhilft sie Ihnen auch zu einer gewissen Demut - dem Kern jeder echten religiösen Erfahrung." Vilaynur S. Ramachandran - Die blinde Frau, die sehen kann, Rowohlt TB, 2002, S.409

Buchtipp: Die blinde Frau, die sehen kann

Vilaynur S. Ramachandran gehört neben Oliver Sacks zu den international führenden Neurowissenschaftlern. Seine aufregende Gehirnforschung betreibt er nicht mit einem High-Tech-Maschinenpark, sondern im ärztlichen Kontakt mit besonderen Menschen. Dabei benutzt er so simple Hilfsmittel wie Wattetupfer, Wassergläser und Billigspiegel. Statt nüchterner Fallbeispiele erzählt der Forscher voller Respekt die Lebensgeschichten von Persönlichkeiten, die aufgrund neurophysiologischer Veränderungen in einer anderen Welt leben. Wer die Bücher von Oliver Sacks genossen hat, wird auch die hier versammelten Geschichten, die in Zusammenarbeit mit der Wissenschaftsjournalistin Sandra Blakeslee entstanden sin, ergreifend und erschütternd finden, vielleicht auch gruselig, oft heiter, aber immer spannend und zum Nachdenken anregend. V. S. Ramachandran, Sandra Blakeslee, Die blinde Frau, die sehen kann, Rätselhafte Phänomene unseres Bewusstseins, Rowohlt, 2002

Buchtipp: Die Frau, die Töne sehen konnte

Gibt es ihn, den "freien" Willen? Was ist das Selbst? Was ist Erinnerung? Was unser Bewusstsein? Wie entstehen Gefühle? Wie interagieren wir mit unserer Umwelt? Warum haben wir Sprache entwickelt, das Vermögen zu Kreativität und moralischem Handeln, warum gibt es Kunst und Musik – für das Überleben gänzlich "unnütze" Fähigkeiten? Gehörte die Beantwortung dieser Fragen lange Zeit eher zur Domäne der Philosophen oder Psychologen, gibt mittlerweile auch die Gehirnforschung Hinweise auf die Verbindungen zwischen Geist, Körper und Gehirn. In diesem Buch destilliert der international renommierte Neurowissenschafter Vilayanur S. Ramachandran die wichtigsten Erkenntnisse seiner bisherigen Forschung zu einem packenden Kompendium über die Mysterien unseres Seins. Dazu stellt er Patienten mit außergewöhnlichen Störungen vor: Petra, die Töne sehen kann, Robert, der allen Menschen unfreiwillig eine bestimmte Farbe zuordnet, Ali, der glaubt, keinen Körper zu haben, den Komapatienten Jason, der immer dann aus dem Koma erwacht, wenn er angerufen wird, und am Telefon ganz normal kommunizieren kann, aber eben nur dann, oder auch Cindy, für die alle Personen um sie herum völlig identisch aussehen – wie ihre Tante. Ausgehend vom jeweiligen Defekt, zieht Ramachandran Rückschlüsse auf die Funktionsweise des Gehirns beim gesunden Menschen. Letztlich geht es ihm um nichts Geringeres als um die Frage, was den Menschen zum Menschen macht. "Ramachandran in Höchstform." Oliver Sacks "Als Marco Polo der heutigen Zeit reist er auf der Seidenstraße der Wissenschaft zu den geheimsten Regionen des Gehirns." Richard Dawkins. © Bild und Text Rowohlt. Die Frau, die Töne sehen konnte - Über den Zusammenhang von Geist und Gehirn, V. S. Ramachandran, Rowohlt, 2013. Kommentar zum Buch bei michaelditsch.de

Buchtipp: Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage?

Verstehe sich, wer kann! Liebe und Zuneigung, Schuld und Schadenfreude, Wut und Nachsicht - unsere Gefühle werden vom Gehirn gesteuert. Doch was genau passiert in unserem Kopf, wenn wir streiten, lieben oder schmollen? Sind wir noch gutherzig, wenn wir's danach auf Facebook posten? Wo lauern die Denkfehler, die uns das Zusammenleben so schwer machen? Wie überlebt das Gehirn ein Arbeitsessen oder ein Paargespräch? Und wo wir gerade dabei sind: Wäre eine einsame Insel nicht doch die bessere Option? Franca Parianen meint: Wenn wir uns, unsere Gefühle und unsere Mitmenschen besser verstehen lernen wollen, müssen wir unser Gehirn besser verstehen - und dabei hilft sie uns mit wissenswerten Fakten und vielen Anekdoten, die neben Erkenntnisgewinn auch große Unterhaltung versprechen. Ein ironischer Unterton, ein Handschlag oder die SMS "Wir müssen reden" - was auch geschieht, unser Gehirn hat für das Verhalten unserer Mitmenschen fast immer eine Erklärung parat. "Sozialleben" ist sein Steckenpferd. Aber warum kommt es dabei so oft zu Missverständnissen, Konflikten und Irrtümern? Das Hirn puzzelt heldenhaft und unermüdlich Informationen zusammen, aber wenn diese lückenhaft sind oder es schnell gehen soll, bedient es sich dabei eben auch gerne großzügiger Verallgemeinerungen, übereilter Kurzschlüsse und waghalsiger Prognosen - was in unserem Sozialleben schon mal zu recht interessanten Risiken und Nebenwirkungen führt. Die Neurowissenschaftlerin Franca Parianen erklärt, wie sozial unser Gehirn ist - und warum "sozial" nicht zwingend "nett" bedeuten muss. Sie führt uns auf eine Reise durch die sozialen Neurowissenschaften, vorbei an diversen Kleinkindern, kulturellen Errungenschaften, einigen menschlichen Abgründen, irrationalen Ängsten, romantischen Gefühlen und dem einen oder anderen Primaten. Es wird um Vertrauen und Rache gehen, um Hilfsbereitschaft und Bußgelder, um Mitläufer und die Frage: Wo kämen wir denn da hin, wenn das jeder täte? © Bild unt Text Rowohlt. Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage? Die Hirnforschung entdeckt die großen Fragen des Zusammenlebens, Franca Parianen, Rowohlt, 2017

Buchtipp: Mein Hirn hat seinen eigenen Kopf

Was kann unser Hirn verraten? Warum begegnen wir Fremden mit Vorurteilen? Warum spielt Religion eine wichtige Rolle dabei, wie wir die Welt wahrnehmen? Warum sehen für Europäer Asiaten meist gleich aus? Warum wählen wir manchmal unfähige Politiker? Unser Gehirn sucht immer nach Erklärungen. Erklärungen, wie die Welt funktioniert, wie wir selbst funktionieren und wie andere Menschen funktionieren. Doch jedes Gehirn findet eben seine eigenen Antworten – warum das so ist und ob wir diesen Antworten immer trauen können, erfahren Sie in diesem Buch. ©Bild und Text Rowohlt. Mein Hirn hat seinen eigenen Kopf - Wie wir andere und uns selbst wahrnehmen, Dong-Seon Chang, Rowohlt, 2016

Buchtipp: Anders sehen

Du siehst was, was du nicht siehst. Was wir sehen, hören, fühlen, entspricht nicht der Realität. Wahrnehmung ist die Grundlage aller menschlicher Erfahrung, und sie trügt, wo sie nur kann. Darum will der weltbekannte Neurowissenschaftler Beau Lotto nichts Geringeres, als uns eine neue Art des Wahrnehmens zu ermöglichen, denn dies ist der Schlüssel zu Glück und Erfolg. Wir sollen nicht nur verstehen, sondern wirklich erleben, wie unser Gehirn die Informationen der Sinne beschneidet. Dazu kombiniert der Autor spannende Geschichten, eigene Experimente und optische Täuschungen zum Selbsttest. Auf seine originelle, humorvolle und anschauliche Weise lässt uns Beau Lotto am eigenen Leib unsere Wahrnehmung wahrnehmen und somit auf die nächste Stufe heben. © Bild und Text Goldmann. Anders sehen - Die verblüffende Wissenschaft der Wahrnehmung, Beau Lotto, Goldmann, 2018. Rezension bei Spektrum.de

Buchtipp: Schnelles Denken, langsames Denken

Intuition oder Vernunft? - Menschliches Verhalten und das Verständnis von Wirtschaft. Wie treffen wir unsere Entscheidungen? Warum ist Zögern ein überlebensnotwendiger Reflex, und was passiert in unserem Gehirn, wenn wir andere Menschen oder Dinge beurteilen? Daniel Kahneman, Nobelpreisträger und einer der einflussreichsten Wissenschaftler unserer Zeit, zeigt anhand ebenso nachvollziehbarer wie verblüffender Beispiele, welchen mentalen Mustern wir folgen und wie wir uns gegen verhängnisvolle Fehlentscheidungen wappnen können. Geldhändler, die ganze Bankenimperien ruinieren; Finanzmärkte, die außer Rand und Band sind; Kleinanleger, die ihr Erspartes in Aktien anlegen, ohne je den Wirtschaftsteil einer Zeitung gelesen zu haben: Wer in diesen Zeiten noch an den Homo oeconomicus als rational agierendes Wesen glaubt, dem ist nicht zu helfen. Daniel Kahneman liefert eine völlig andere Sichtweise, die nah am wirklichen menschlichen Verhalten orientiert ist und die Wirtschaftsakteure nicht als berechenbare Roboter betrachtet. Sein Fazit: Wir werden niemals immer und überall optimal handeln, wichtige Entscheidungen bleiben unsicher und fehleranfällig. Doch gibt es viele alltägliche Situationen, in denen wir die Qualität und die Folgen unseres Urteils entscheidend verbessern können. Ein Buch, das unser Denken verändern wird. © Bild und Text Siedler. Schnelles Denken, langsames Denken, Daniel Kahneman, Siedler, 2012


Nick Chater - "The Mind is Flat: The Illusion of Mental Depth"

"We all like to think we have a hidden inner life. Most of us assume that our beliefs and desires arise from the murky depths of our minds, and, if only we could work out how to access this mysterious world, we could truly understand ourselves. Nick Chater, Professor of Behavioural Science at Warwick Business School, who argues that this has been a big misunderstanding. Nick discusses his new book "The Mind is Flat: The Illusion of Mental Depth and The Improvised Mind", drawing on new research in neuroscience, behavioural psychology and perception, and concludes that we have no hidden depths to plumb. Unconscious thought is a myth, instead we generate our ideas, motives and thoughts in the moment." Quelle: Talks at Google


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