Buchtipp: "Die Illusion der Vernunft" von Philipp Sterzer

Erstellt von Michael Ditsch | | Körper & Psyche

Warum wir von unseren Überzeugungen nicht zu überzeugt sein sollten

Wieso glauben Sie, dass Sie recht haben? Wir sind alle ein bisschen verrückt. Nicht nur die Menschen, die psychisch krank sind, sondern wir alle sind irrational. Der Neurologe, Psychiater und Hirnforscher Philipp Sterzer erklärt, warum das so ist und welche Schlüsse wir daraus ziehen können. Ein neuer Blick auf subjektives Erleben, soziales Bewusstsein und die Wahrnehmung der Welt. © Bild und Text Ullstein. Sterzer, Philipp (2022): Die Illusion der Vernunft - Warum wir von unseren Überzeugungen nicht zu überzeugt sein sollten, Berlin: Ullstein E-Book

Kommentar

# Seit 1995 nutze ich Internetdienste wie Email oder das World Wide Web (WWW) und seit 1998 erstelle und betreibe ich auch eigene Websites. Die Entwicklung des WWW verfolge ich mit großem Interesse und ich beteilige mich auch aktiv beim sogenannten "Web 2.0", welches heute eher als "Social Media" bezeichnet wird. In den digitalen Medien beobachte ich die Diskussionen über gesellschaftspolitische Themen und lese gelegentlich auch die Kommentare zu bestimmten Artikeln oder Einträgen in Sozialen Netzwerken. In den letzten Jahren erstaunt mich allerdings die Zunahme von Beiträgen, die sich gegen wissenschaftliche Erkenntnis und menschliche Vernunft richten. Mit erstaunlicher Vehemenz und Verbissenheit werden fragwürdige Überzeugungen vertreten, wissenschaftliche Ergebnisse verunglimpft und Wissenschaftler angefeindet.

# Mit Überzeugungen und Vernunft beschäftigt sich auch das Buch "Die Illusion der Vernunft - Warum wir von unseren Überzeugungen nicht zu überzeugt sein sollten" von Philipp Sterzer, welches am 01.09.2022 im Ullstein Verlag erschienen ist. Philipp Sterzer ist seit 1. Mai 2022 Chefarzt des Zentrums für transdiagnostische Früherkennung und –intervention an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) sowie Professor für Translationale Psychiatrie an der Universität Basel.

"Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der funktionellen Hirnbildgebung, der computergestützten Modellierung bei Psychosen und in der datengeleiteten Klassifikation psychischer Störungen." (Universität Basel 2022)

# In seinem Buch greift Philipp Sterzer auf Erkenntnisse seiner langjährigen Tätigkeit als Professor für Psychiatrie mit Schwerpunkt Computational Neuroscience an der Charité in Berlin zurück, wo er unter anderem mit seiner Forschung zur Veränderung von Wahrnehmungsprozessen bei Schizophrenie weltweit bekannt wurde. Die Tatsache, dass sich ein Psychiater mit dem Thema Vernunft auseinandersetzt, eigentlich eine philosophische Domäne, war für mich ein wesentlicher Grund zum Kauf des Buches, da ich gerade in der Interdisziplinarität der modernen Wissenschaften ein großes Potential sehe und die Betrachtung eines Forschungsgegenstandes durch verschiedene wissenschaftliche Fachrichtungen zielführend für weiteren Erkenntnisgewinn halte.

"Die Perspektive, die ich in diesem Buch anbieten möchte, ist eine neurowissenschaftlich geprägte. Ich ziehe aktuelle Theorien und empirische Befunde der Hirnforschung für den Versuch heran, die zugrunde liegenden Mechanismen und Funktionen von Überzeugungen zu erklären. Meine Perspektive ist aber keineswegs eine rein neurowissenschaftliche, denn sie nimmt auch Philosophie, Evolutionstheorie, Genetik, Sozial- und Kognitionspsychologie und nicht zuletzt die Psychiatrie in den Blick. Die Kernthese ist dabei, dass Überzeugungen, wie »normal« oder »verrückt« sie uns auch erscheinen mögen, immer nur Hypothesen sein können. Diese Hypothesen sind oft von großem Nutzen für uns, denn sie ermöglichen es uns, Vorhersagen über die Ereignisse in der Welt zu machen, und erleichtern es uns, auf diese Ereignisse zu reagieren. Aber Hypothesen sind eben nur Hypothesen, also zunächst noch unbewiesene Annahmen, was bedeutet, dass sie sich auch jederzeit als unzutreffend herausstellen können." (Sterzer 2022)

# Eingebettet zwischen Prolog und Epilog sind Kapitel I "Irrationalität" und Kapitel II "Die Vorhersagemaschine", welche jeweils in weitere, thematische Unterkapitel gegliedert sind. Titelei und ein Anhang mit Glossar, Literaturverzeichnis und Anmerkungen vervollständigen das Werk. Ich erwähne dies ausdrücklich, weil es heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist, gut strukturierte und lesefreundliche Sachbücher im schnelllebigen Büchermarkt vorzufinden. Sehr gut gefällt mir, wie offen Philipp Sterzer immer wieder die Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlicher Forschung aufzeigt, auf seine subjektive Perspektive und Meinung hinweist und seine eigenen Hypothesen zur Diskussion stellt. So geht gute Wissenschaftskommunikation.

"Die Evidenz, die die Wissenschaft liefert, ist oft bei Weitem nicht erschöpfend und einem ständigen Wandel unterlegen. Alle wissenschaftlichen Daten dürfen und sollten kritisch hinterfragt werden. Und auch, wenn die Wissenschaft weder perfekt funktioniert noch Antworten auf alle relevanten Fragen geben kann, so hat sich das System Wissenschaft doch dem Prinzip der epistemischen Rationalität verschrieben. Es ist das erklärte Ziel der Wissenschaft, Klarheit zu schaffen und sich der Wahrheit, so gut es geht, anzunähern, in einem iterativen Prozess, in dem Hypothesen immer wieder anhand von Daten überprüft werden." (Sterzer 2022)

# Im Buch geht es um Überzeugungen und Vernunft, aber letztlich diskutiert Philipp Sterzer Fragen zu Wahrnehmung und Realität, mit denen der Mensch ringt, seit der Homo sapiens sich seiner selbst bewusst geworden ist. Shankaracharya, ein indischer Philosoph des Advaita Vedanta (Link siehe unten) aus dem 8 Jahrhundert n.u.Z., verwendet in seinem Werk Viveka Chudamani (Link siehe unten) eine Analogie, bei der ein Seil irrtümlich für eine Schlange gehalten wird. Shankaracharya veranschaulicht mit diesem Beispiel die Unterscheidung zwischen Illusion und Realität. Bei Philip Sterzer ist es der abendliche Rückweg von einem Tennismatch, bei dem ein "schlangenartig gewundener Ast mit feucht glänzender Rinde" (Sterzer 2022) mit einer Schlange verwechselt wird.

# Philipp Sterzer nähert sich seinem Thema aus zwei Richtungen, die sich auch durch die Einteilung in zwei Hauptkapitel widerspiegeln. Im ersten Kapitel "Irrationalität" werden grundlegende Begriffe behandelt wie Überzeugung, Wahn oder Kognitive Verzerrung, aber auch dichotome Kategorien wie "normal und verrückt", "gesund und krank" oder "Rationalität und Irrationalität" werden aus dem Blickwinkel von Philosophie, Kognitionswissenschaft, Genetik, Evolutionsbiologie und Psychiatrie betrachtet. Sehr intensiv beschäftigt sich der Autor mit dem Krankheitsbild der Schizophrenie, welches er selbst jahrelang erforscht hat. Letztendlich kommt Philipp Sterzer zu einer Schlussfolgerung, welche auch Donald D. Hoffman gezogen hat und in seinem sehr lesenswerten Buch darlegt: "Relativ real - Warum wir die Wirklichkeit nicht erfassen können und wie die Evolution unsere Wahrnehmung geformt hat" (Link siehe unten). Aus evolutionsbiologischer Sicht spielt "Maximale epistemische Rationalität, also die Welt so erkennen zu können, wie sie wirklich ist" (Sterzer 2022) keine Rolle, da allein die individuelle und artspezifische Fitness, also die Eignung und Anpassung an eine evolutionäre Nische, für Überleben und Fortpflanzung entscheidend ist. Eine evolutionäre Nische kann bei der menschlichen Spezies auch das jeweilige soziokulturelle Umfeld sein.

"Unsere Wahrnehmung von Raum, Zeit und Objekten wurde von der natürlichen Auslese nicht dahin gehend geprägt, dass sie realitätsgerecht ist - sie soll die objektive Realität weder offenbaren noch rekonstruieren -, sondern ist so geformt worden, dass wir lange genug leben, um Nachwuchs großzuziehen." (Hoffman 2020)

"Und natürlich haben unsere Überzeugungen eine große soziale Bedeutung. Sowohl rationale als auch irrationale Aspekte von Überzeugungen können nicht zuletzt durch ihre kommunikative Funktion erklärt werden, die sich unter dem Selektionsdruck des Lebens in sozialen Gefügen entwickelt hat. So können wir mit den Worten des US-amerikanischen Philosophen und Kognitionswissenschaftlers Stephen Stich festhalten: »Natürliche Selektion interessiert sich nicht für die Wahrheit; sie interessiert sich nur für Reproduktionserfolg.«" (Sterzer 2022)

# Im zweiten Kapitel "Die Vorhersagemaschine" bezieht sich der Autor auf die neuesten Erkenntnisse der neurowissenschaftlichen Forschung. Im Zentrum seiner Betrachtung steht die Theorie des "Predictive Processing". Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass unser Gehirn keinen direkten Kontakt zu seiner Umwelt hat, wobei Umwelt nicht nur die Außenwelt, sondern auch den Körper und seine Organe miteinbezieht. Entgegen der allgemeinen Vorstellung vermitteln die Sinne kein realistisches Abbild der Welt, sondern senden nur Signale an das Gehirn. Müssten diese Signale zuerst verarbeitet werden, um anschließend darauf reagieren zu können, würde die Durchführung überlebenswichtiger Prozesse viel zu lange dauern. Effiziente Verarbeitung und schnelle Reaktionszeiten sind nur möglich, wenn das Gehirn ständig Vorhersagen erstellt und mit den Signalen der Sinne abgleicht.

"Worauf es wirklich ankommt, das lässt sich in zwei Punkten zusammenfassen. Erstens: Das Gehirn unterhält ein inneres Modell der Welt, das sich aus gelerntem Wissen über die Welt speist. Anhand dieses Modells werden Hypothesen aufgestellt, um eingehende Sinnesdaten vorherzusagen. Zweitens: Das Gehirn nutzt Abweichungen von diesen Vorhersagen, sogenannte Vorhersagefehler, um sein inneres Modell der Welt ständig zu optimieren und zu aktualisieren, das heißt, um zu lernen." (Sterzer 2022)

# Die Theorie des "Predictive Processing" konnte ich schon in dem sehr lesenswerten Buch von Anil Seth kennenlernen: "Being You - A New Science of Consciousness" (Link siehe unten). Anil Seth postuliert, dass wir eine objektive Realität gar nicht wahrnehmen und verstehen können. Stattdessen ist unsere gesamte Wahrnehmungserfahrung ein ständiger Wachtraum, eine kontrollierte Halluzination, welche im Laufe des evolutionären Prozesses entstanden ist, um die Überlebensfähigkeit des Individuums zu gewährleisten.

"The controlled hallucination of our perceptual world has been designed by evolution to enhance our survival prospects, not to be a transparent window onto an external reality, a window that anyway makes no conceptual sense." (Seth 2021)

# Unsere wahrgenommene Realität wird von unserem Gehirn als kontrollierte Halluzination konstruiert. Allerdings existiert auch eine physikalische Realität (der Zusammenprall mit einem PKW kann zu schweren oder tödlichen Verletzungen führen), welche durch die Sinne vermittelt wird und mit dem konstruierten Modell der Realität abgeglichen werden muss (Fehlermanagement). Interessant ist aber nun, welche Schlussfolgerung Philipp Sterzer hinsichtlich seines Buchthemas aus den gewonnenen Erkenntnissen zieht. Wenn nämlich das Erkennen einer objektiven Realität nicht das primäre Ziel eines Organismus ist, sondern der Erhalt der Lebens- und Reproduktionsfunktionen im Vordergrund steht, dann können auch irrationale, unvernünftige Überzeugungen, irrationales Denken oder auch psychische Abweichungen durchaus funktional sein und der überlebenswichtigen Stabilisierung des Individuums dienen.

"Alle unsere Überzeugungen, ob rational oder irrational, dienen dazu, uns einen Reim auf die Dinge zu machen, die wir erleben, unsere Wahrnehmungen in einen größeren Zusammenhang einzuordnen und plausible Erklärungen für scheinbare Widersprüche zu finden. Dabei gehen wir alle oft genug irrational vor, worüber wir uns meistens selbst hinwegtäuschen, was aber offenbar adaptiv ist. Wie stark diese uns allen eigene Neigung zu epistemischer Irrationalität ausgeprägt ist, hängt damit zusammen, wie stark sich die Vorhersagemaschine in unserem Kopf auf ihre Vorhersagen verlässt und wie groß das Gewicht ist, das sie neuen Sinnesdaten beimisst." (Sterzer 2022)

"Im Hinblick auf die Unterscheidung zwischen »normal« und »verrückt« können wir also zu folgendem Schluss kommen: Wenn wir den Blick auf die Entstehung von Überzeugungen in unseren Köpfen richten, dann stellen wir fest, dass bei Wahn dieselben grundlegenden Mechanismen am Werk sind wie bei anderen Überzeugungen auch. Diese Mechanismen sind in unser aller Köpfen am Werk, denn sie sind adaptiv − trotz der epistemischen Irrationalität, die dabei oft herauskommt (denn die Evolution interessiert sich nun mal nicht für Wahrhaftigkeit). Dieselben grundlegenden Mechanismen können bei verschiedenen Menschen in verschiedenen Situationen allerdings unterschiedlich ausgeprägt sein. Und manchmal eben auch in einer so extremen Form, dass der Kontakt zur Realität noch stärker verloren geht, als das bei uns allen ohnehin häufig der Fall ist." (Sterzer 2022)

# Irritiert haben mich Aussagen im Unterkapitel "Sein ist nicht Sollen", die dem Menschen die Freiheit zusprechen, dass er aufgrund seines Wissens über die Entstehung von Überzeugungen, auch andere Entscheidungen treffen kann. Hier berührt Philipp Sterzer die Diskussion über den "Freien Willen", bei der leider nie definiert wird, was unter Freiheit oder Wille eigentlich zu verstehen ist. Wenn unsere Welt durch die im Buch genannten Mechanismen im Gehirn konstruiert wird, wo befindet sich dann in ebendiesem Gehirn eine Instanz, die Entscheidungsprozesse und -optionen bewertet und auswählt? Das oft bemühte Menschlein im Kopf (Homunkulus) kann es wohl nicht sein.

"Wenn wir unsere eigene Irrationalität auf diese Weise verstehen und uns ihrer bewusst sind, dann sind wir freier in unserer Entscheidung, wie wir mit ihr umgehen. Wir haben die Freiheit zu sagen: »Ich pfeife jetzt mal auf Rationalität, weil es mir gerade so guttut (und niemandem wehtut), irrational zu denken.«" (Sterzer 2022)

# Wer die aktuellen Auseinandersetzungen in der Gesellschaft und in den Medien verstehen will, sollte unbedingt das Buch von Philipp Sterzer lesen. Für mich die bisher einleuchtendste Erklärung für das Wesen und das Verhalten des Menschen. Die Analyse teile ich, bei den Lösungsvorschlägen, wie z.B. der Entwicklung einer "Kultur der Unsicherheitstoleranz", bin ich eher skeptisch, weil sie auf einer Entscheidungsfreiheit basieren, die im Buch nicht klar herausgearbeitet wurde, und weil der Autor, nach meinem Eindruck, als westlicher, humanistischer, liberaler Wissenschaftler eine bestimmte Weltanschauung mit entsprechenden Werten vertritt, die zur Zeit sehr unter Druck steht. Ob Pandemie, Artensterben, Klimawandel, Energiekrise, Ukrainekrieg oder das Erstarken autokratischer Herrschaftssysteme, die Menschheit gibt zur Zeit keinen Anlass für Optimismus. Vielleicht sollten wir auf das Wirken der Evolution vertrauen und hoffen, dass vorhandene Fähigkeiten des Homo sapiens wie Empathie, Hilfsbereitschaft und Verbundenheit sich durchsetzen und zu einer modernen Spiritualität führen, die sämtliches Leben innerhalb der Biosphäre, dieser dünnen Hülle voller Leben um den Planeten Erde, einbezieht.

Hinweis
Das Buch von Philipp Sterzer habe ich als E-Book erworben, bei dem die Textdarstellung variabel ist und sich der jeweiligen Bildschirmgröße automatisch anpasst. Bei den Zitaten habe ich deshalb keine Seitenzahlen angegeben und auch auf die Angabe der Kapitel verzichtet.

Quellen

  • Sterzer, Philipp (2022): Die Illusion der Vernunft - Warum wir von unseren Überzeugungen nicht zu überzeugt sein sollten, Berlin: Ullstein E-Book
  • Universität Basel (2022): Neuer Professor für Translationale Psychiatrie, [online] www.unibas.ch/de/Aktuell/News/Uni-Info/Neuer-Professor-fuer-Translationale-Psychiatrie.html [06.11.2022]
  • Hoffman, Donald D. (2020): Relativ real - Warum wir die Wirklichkeit nicht erfassen können und wie die Evolution unsere Wahrnehmung geformt hat, München: dtv E-Book
  • Seth, Anil (2021): Being You - A New Science of Consciousness, London: Faber & Faber E-Book

Links

Inhalt

Titelei

Der Autor / Das Buch
Titelseite
Impressum

Prolog

Die Welt in unseren Köpfen
Die unglaubliche Erschaffung der Welt in sieben Tagen
Ein Bild der Welt in unserem Kopf
Von tanzenden Gnomen und Kippfiguren
Sind wir alle verrückt?

I Irrationalität

1 So nah und doch so fern
Das gehackte Smartphone
Die Welt geht unter
Der Dieb ist immer der Schwiegersohn
Der ganz normale Wahnsinn?
Der tiefe Graben
Verrückt – eine Begriffsklärung
Risse in der Gesellschaft

2 Die Rationalitätsillusion
Um welche Überzeugungen geht es hier überhaupt?
Was ist Wahn?
Der trockengelegte Brunnen der absoluten Wahrheit
Rationalität
Die Irrationalität »normaler« Überzeugungen
Wie rational sind wir?
Kognitive Verzerrungen

3 Warum gibt es Schizophrenie?
Schizophrenie − Geschichte einer Diagnose
Ist Schizophrenie eine Krankheit?
Schizophrenieforschung
Wo die Dämonen herkommen − die Rolle der Genetik
Warum es Schizophrenie gibt
Das evolutionäre Paradoxon der Schizophrenie
Genie und Wahnsinn?
Die Kontinuitätshypothese

4 Die Evolution der Irrationalität
Kann Irrationalität adaptiv sein?
Irrationalität als Wurmfortsatz
Fehlermanagement
Schnell und einfach
Positive Effekte positiver Illusionen
Soziale Gründe für Irrationalität
Kommunikation durch Überzeugung
Natürliche Selektion interessiert sich nicht für die Wahrheit

II Die Vorhersagemaschine

5 Wir bauen uns eine Welt
Überzeugungen – eine unsichere Angelegenheit
Der Blick der Außerirdischen
Das umgekehrte Blackbox-Problem
Eine neurowissenschaftliche Perspektive
Eine alternative neurowissenschaftliche Perspektive
Predictive Processing – das Gehirn als Vorhersagemaschine
Predictive Processing – Einblicke in die Hirnforschung
Unsicherheit und das Jonglieren mit Präzisionen
Überzeugungen – die Spitze der Vorhersagenhierarchie?
Überzeugungen – Vorhersagen mit hoher Präzision
Irrationales Predictive Processing
Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

6 Verrückte Welten
Von Menschen, die hohle Gesichter sehen können
Augenbewegungen auf Ballhöhe
Regelmäßigkeit ist die Mutter aller Vorhersagen
Die Erklärungslücke zwischen Neurobiologie und subjektivem Erleben
Ein Lautstärkeregler im Gehirn
Die Folgen des Ungleichgewichts − aberrante Salienz und die Entstehung von Wahn
Von der »Unkorrigierbarkeit« des Wahns
Entlastende Erklärungen
Von oben herab − hierarchisches Predictive Processing
Ein neuer Blick auf die Bestätigungstendenz
Bestätigungstendenzen in der Wahrnehmung und im Denken
Eine Punktwolke und zwei Fantasien

7 Wer ist hier eigentlich krank?
Ist Wahn adaptiv? Paranoia als Rauchmelder und Scherbolzen
Sind Verschwörungstheorien wahnhaft − oder wer ist hier eigentlich krank?
Verschwörungsglaube und Wahn – Gemeinsamkeiten
Verschwörungsglaube und Wahn − Unterschiede (und dann doch noch mal Gemeinsamkeiten)
Was uns empfänglich macht für epistemische Irrationalität – Trait- und State-Faktoren

8 Chancen, Risiken und Nebenwirkungen
Versuch eines Resümees
Sein ist nicht Sollen
Überzeugungen sind Hypothesen
Entstigmatisierung
Bin ich überzeugt?

Epilog

Überzeugungen in Zeiten der Pandemie
Querdenker und Covidioten
Corona als Lehrstück über die Wissenschaft
Deskriptive und normative Überzeugungen
Wir brauchen eine Kultur der Unsicherheitstoleranz
Keine Angst vor dem Backfire-Effekt!

Anhang

Dank
Glossar
Literatur

Buchumschlag Die Illusion der Vernunft