Buchtipp: "Die Wahrheit über Eva" von Carel van Schaik und Kai Michel

Erstellt von Michael Ditsch | | Erde & Mensch

Die Erfindung der Ungleichheit von Frauen und Männern

Carel van Schaik und Kai Michel nehmen in ihrem neuen Buch zwei Millionen Jahre Menschheitsgeschichte in den Blick. Sie zeigen, wie sich die Beziehung von Frauen und Männern entwickelte und was sie massiv ins Ungleichgewicht brachte. Neue Einsichten aus Evolutionsbiologie und Genetik, Archäologie, Ethnologie und Religionswissenschaft erhellen den komplexen Prozess, der die Frauen ins Leid stürzte, aber auch den Männern alles andere als gut tat. Die Erfolgsautoren studieren das Verhalten unserer Primaten-Verwandtschaft, inspizieren phantastische Steinzeitheiligtümer und durchforsten die Bibel. Sie zeigen, warum Treue eine männliche Erfindung ist und wieso Sexualität verteufelt wurde. Sie enthüllen, was bis heute Ehe, Familie und die Sphären der Macht kontaminiert. Die Wahrheit über Eva kann helfen, die Misere der Geschlechter endlich zu beenden. © Bild und Text Rowohlt. Schaik, Carel van / Michel, Kai (2020): Die Wahrheit über Eva - Die Erfindung der Ungleichheit von Frauen und Männern, Hamburg: Rowohlt Verlag E-Book

Kommentar

# Woher kommen wir? Wie sind wir geworden, was wir sind? Viele Menschen werden sich diese Fragen schon gestellt haben, berühren sie doch das eigene Werden und Sein. Warum bin ich, wie ich bin? Warum denke und handele ich so, und nicht anders? Wer oder was hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin? Mich haben diese Fragen schon oft beschäftigt. Als interessierter Laie habe ich mich dabei auch mit Ansätzen aus der Wissenschaft auseinandergesetzt, wie z.B. Evolutionsbiologie, Anthropologie, Humanethologie oder Archäologie, Wissenschaftszweige also, welche die Entwicklung des modernen Menschen erforschen. Populärwissenschaftliche Veröffentlichungen aus diesen Bereichen, wie z.B. von Wulf Schiefenhövel, Sarah Blaffer-Hrdy, Thor Heyerdahl, Michael Tomasello, Marlene Zuk, Konrad Lorenz, Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Marija Gimbutas oder Karl Grammer, habe ich mit großer Begeisterung gelesen. Bei der Lektüre war aber immer offensichtlich, dass die Faktenlage teilweise sehr unklar war. Gerade schriftliche Überlieferungen sind sehr kritisch zu betrachten. Oft gibt es verschiedene Übersetzungen. Inhalte wurden zunächst nur mündlich überliefert und erst später niedergeschrieben. Viele Originalschriften gingen verloren, wurden aus machtpolitischen und dogmatischen Gründen vernichtet, umgeschrieben, kommentiert oder durch neue Inhalte ergänzt. Überhaupt wurden wohl die meisten überlieferten, historischen Texte von den Mächtigen und den Siegern geschrieben. Wissenschaftliche Autoren müssen sich dann auf Interpretationen und Mutmaßungen verlegen. Hier besteht aber die Gefahr, dass die jeweiligen, subjektiven und oft unbewussten, Welt- und Menschenbilder wissenschaftliche Erkenntnisse beeinträchtigen können. Mythen, Metaphern, Klischees, Vorurteile oder Narrative beeinflussen unser Denken und Handeln stärker, als es sich der angeblich rationale und vernunftbegabte Mensch vorstellen kann. Meine eigene Beschäftigung mit dem Daodejing 道 德 经 (Link siehe unten) hat mir gezeigt, wie vorsichtig mit historischen Quellen umgegangen werden muss. Ähnlich verhält es sich mit der Bibel oder apokryphen Texten (Link siehe unten). Sehr empfehlen kann ich zu diesem Thema das Buch "Von Evas Apfel bis Noahs Stechmücken" von Simone Paganini (Link siehe unten). Ebenfalls problematisch ist der Umgang mit archäologischen Funden. Falls überhaupt etwas gefunden wird. Allerdings stehen der modernen Wissenschaft heute Methoden zur Verfügung, wie z.B. C14-Methode, Dendrochronologie, DNA-Analyse oder Data-Mining, mit denen immer bessere Forschungsergebnisse erzielt werden können. Trotzdem bleibt immer noch viel Spielraum für subjektive Deutungen und Meinungen.

# Themen und Probleme unserer Gegenwart aus Artefakten und Überlieferungen unserer Vergangenheit heraus zu erklären, ist auch das Ziel des Buches "Die Wahrheit über Eva". Der Verhaltensforscher und Evolutionsbiologe Carel van Schaik und der Historiker und Literaturwissenschaftler Kai Michel haben sich in ihrer neuesten Veröffentlichungen daran gewagt, das Verhältnis der menschlichen Geschlechter und seine Entwicklung im Bereich des heutigen Europas und des Nahen Ostens zu untersuchen. Schon den Buchtitel finde ich sehr ambitioniert, wenn es dabei um objektive, wissenschaftliche Wahrheit gehen sollte. Noch ambitionierter ist der Versuch zwei Millionen Jahre Menschheitsgeschichte aufzuarbeiten und daraus Erkenntnisse für unsere heutige Lebenssituation zu extrahieren. Zwangsläufig, auch um nicht ihr eigentliches Thema aus den Augen zu verlieren, müssen die Autoren deshalb die komplexe Geschichte der Menschheit sehr stark reduzieren. Sie sind sich dieser Beschränkung durchaus bewusst und erwähnen selbst, wie sie in "Holzschnittmanier" (Schaik / Michel 2020) vorgehen mussten. Trotzdem ist ihnen ein erstaunliches und sehr lesenswertes Werk gelungen. Nach der Lektüre des 704 Seiten umfassenden Buches musste ich erst einmal durchatmen. Die Fülle an Informationen, Quellenverweisen, Gedanken und Thesen ist sehr herausfordernd, wenn sich der Leser nicht nur oberflächlich damit auseinandersetzen möchte. Meine Notizen und Anmerkungen füllen einige Seiten und daher möchte ich mich in meinem Kommentar nur darauf beschränken, was für mich die Essenz und wesentliche Erkenntnis aus der Lektüre ist.

# Entscheidend für den Erwerb des Buches war für mich der Ansatz der Autoren, evolutionsbiologische und soziokulturelle Fragestellungen zusammenzuführen und daraus eine schlüssige These zu entwickeln. In vielen Beiträgen in analogen oder digitalen Medien wird der Mensch und sein Handeln beschrieben, als sei er völlig losgelöst von seiner biologischen Herkunft und könnte daher, als rein geistiges Wesen, eine Sonderstellung auf diesem Planeten beanspruchen. Sozialität, Kultur und Vernunft scheinen dabei irgendwie vom Himmel gefallen zu sein. Wichtig finde ich daher Forschungen, die zeigen, wie sich die Fähigkeiten des Menschen im evolutionären Prozess entwickelt haben. Sehr interessant fand ich daher das Buch "Mensch werden" von Michael Tomasello (Link siehe unten), welches aufzeigt, wie Evolution und Ontogenese zusammenwirken. Auch Carel van Schaik und Kai Michel legen großen Wert darauf, dass wir nicht vergessen, woher wir eigentlich stammen.

"Dass unsere Körper Anpassungen aus der Zeit der Jäger und Sammler sind, ist heute im allgemeinen Bewusstsein verankert. Dass das jedoch auch für unsere Psychologie, unsere «Natur», gilt, ist in der Öffentlichkeit noch wenig akzeptiert. Hier wirken alte Nature-versus-Nurture-, Veranlagung-oder-Umwelt-Debatten fort. Es ist an der Zeit, solch vereinfachendes Entweder-oder-Denken zu überwinden. Nach den Ausführungen zu biologischer und kultureller Evolution sollte klar sein: Beide überlappen einander, interagieren ständig, sind schwer voneinander zu trennen. Und wichtig: Keine wirkt determinierend. Der Mensch ohne Kultur ist nicht zu haben, ohne Biologie aber auch nicht." (Schaik / Michel 2020)

# Leider gehen die Autoren im weiteren Verlauf, wahrscheinlich wieder aus Gründen der Vereinfachung, von einer Trennung in erster (natürliche Natur), zweiter (kulturelle Natur) und dritter Natur (Vernunftnatur) des Menschen aus. Die Autoren postulieren zusätzlich, dass die sogenannte erste Natur, die einen "genetisch verankerten, «angeborenen» Kern" (Schaik / Michael 2020) besitzt, quasi statisch bleibt und sich nur noch unsere zweite Natur durch die sogenannte kulturelle Evolution weiterentwickelt. Die Probleme des Menschen würden dann aus der Diskrepanz von erster und zweiter Natur resultieren. Unnötigerweise wird so der, meiner Ansicht nach, sinnvolle Ansatz der integrierten Betrachtung menschlicher Entwicklung wieder verlassen. Bedauerlicherweise wird das Verständnis der Evolution meistens noch reduziert auf die klassische Vorstellung vom Zusammenwirken genetischer Vererbung und natürlicher Selektion. Dabei wurde die Evolutionstheorie seit Darwin immer weiter entwickelt und ausgebaut (Link siehe unten). Die Evolution des Menschen ist auch nicht zum Stillstand gekommen, wie manchmal behauptet wird. Evolutionsbiologische Forschung ist ein spannendes, sehr dynmamisches Feld mit Themen wie z.B: Erweiterte Synthese der Evolutionstheorie (Extended Evolutionary Synthesis EES), Evo-Devo, Entwicklungsplastizität, Epigenetik, inklusive Vererbung oder Nischenkonstruktionstheorie. Ein guter Überblick über den Stand der Forschung findet sich in: Lange, Axel (2020): Evolutionstheorie im Wandel - Ist Darwin überholt?, Berlin: Springer E-Book.

# Aber auch die Neurowissenschaften tragen mittlerweile sehr stark zum Verständnis der menschlichen Lebenswirklichkeit bei. Hervorzuheben sind dabei die Arbeiten von Lisa Feldman-Barrett, Anil Seth oder Donald D. Hoffmann (Links siehe unten), die aufzeigen, wie in unserem Gehirn individuelle und soziale Realität entstehen. Dabei spielen kognitive Verzerrungen (Cognitive Biases) eine große Rolle. Sehr gut finde ich, wie Carel van Schaik und Kai Michel in ihrem Buch sehr klar herausarbeiten, dass unsere Wahrnehmung der Welt und unser menschliches Miteinander immer noch durch unbewusste Heuristiken bestimmt werden, die während unserer Zeit als Jäger und Sammler überlebenswichtig waren. Bei der biologischen Evolution geht es nämlich für das Individuum allein um das Überleben und die Weitergabe seiner Gene, und nicht um das Erkennen einer objektiven Realität oder die Entwicklung einer perfekten Gesellschaft. Wenn ich mich mit der Geschichte der Menschheit befasse, ist es für mich immer sehr hilfreich, wenn ich mir die evolutionäre Zeitachse vergegenwärtigen. Vor 3 bis 2 Millionen Jahren entstand die Gattung Homo, der Homo sapiens entwickelte sich vor 300.000 bis 200.000 Jahren, die ersten Siedlungen der Jungsteinzeit gab es vor 9500 Jahren. Die sogenannte "Zivilisation", die wir heute als selbstverständlich erachten, ist also nur ein Wimpernschlag im Vergleich zu dem Zeitraum, in dem unsere Vorfahren als Jäger und Sammler lebten.

# Mit unserer Geburt werden wir in eine unbekannte Welt geworfen. Für dieses "Hineingeworfensein" können wir uns Zeit, Ort und die jeweiligen Umstände nicht aussuchen. Als empfindsames, fühlendes und sich seiner selbst bewusstes Wesen müssen wir mit unserer jeweiligen Lebenssituation zurechtkommen, zuerst aber müssen wir vor allem überleben. Ein sehr wichtiger Begriff aus dem Buch ist für mich daher "Lebensbewältigungssystem". Zu allen Zeiten mussten die Menschen nicht nur für ausreichende Nahrungszufuhr sorgen, sondern es war auch wichtig, mentale Strategien zu entwickeln um geistig gesund zu bleiben. Wir können nicht wissen, was in den Köpfen unserer Vorfahren vorgegangen ist, angesichts einer oft lebensbedrohlichen Umwelt, aber wahrscheinlich haben sie, so wie wir heute, hinter den Phänomenen der Welt, Sinn, Ursachen und Gründe gesucht, um damit ihren Alltag erklären und bewältigen zu können. Von diesem Punkt ausgehend entwickeln die Autoren die These, dass Religionen zunächst als Schutz- und Lebensbewältigungssysteme entstanden sind. Auch andere Systeme und Formen menschlichen Zusammenlebens entstehen oder verändern sich, damit Menschen mit den jeweils aktuellen ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen umgehen können. Unsere heutige Weltwahrnehmung ist geprägt von Aufklärung, Humanismus und der Entstehung der modernen Naturwissenschaften. In den liberalen, westlichen Wohlstandsgesellschaften leben wir heute in einer Welt, in der Gewalt, Töten und Sterben weitgehend aus dem Lebensalltag der meisten Menschen verschwunden ist. Weit weg von Schweinezucht- und Schlachtbetrieben, können folienverpackte Schweineschnitzel im nahen Supermarkt gekauft werden. Menschliches Sterben geschieht fern von unseren Wohnungen in Krankenhäusern, Altenheimen oder auf überseeischen Kriegsschauplätzen. Meiner Meinung nach steht es uns deshalb nicht zu, Praktiken, Methoden oder Rituale früherer Gesellschaften zu bewerten. Kritisch sehe ich daher die stellenweise sehr subjektiven Wertungen durch die Autoren. Hatten z.B. altorientalische Herrscher nach dem damaligen Lebens- und Wertesystem tatsächlich einen "obszön zu nennenden Hang zur Gewalt" (Schaik / Michel 2020)? Auch wenn sich Wissenschaftler emotional mit ihrem Forschungsgegenstand identifizieren, so sollten sie doch möglichst wertfrei darüber berichten.

# Sehr gut finde ich, wie es den Autoren gelungen ist, Komplexität und Systemdenken anhand ihres Themas zu vermitteln. Monokausales Denken kann bei komplexen, dynamischen Systemen nicht funktionieren. Es gibt nicht die eine Ursache, die ein komplexes System, wie die Evolution oder menschliche Gesellschaften, sich in eine bestimmte Richtung entwickeln lässt. Sehr dankbar bin ich auch, dass erwähnt wurde, welche wichtige Rolle der Zufall bei der menschlichen Entwicklung gespielt hat. Die Autoren weisen explizit darauf hin, dass ihre chronologische Zusammenstellung keine Zwangsläufigkeit impliziert. Evolution verläuft nicht zielgerichtet und daher sind Evolutionismus und finalistisches Denken nicht mit den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft vereinbar. Wir wollen es nicht wahrhaben, aber auch unser individuelles Leben wird zum Großteil von Zufällen gesteuert. Ein sehr empfehlenswertes Buch zum Thema stammt von dem Physiker Florian Aigner: Der Zufall, das Universum und du; Florian Aigner; Brandstätter Verlag; 2016.

# Weiterhin hat mich begeistert, wie die Autoren essentialistische Erklärungen kultureller Phänomene widerlegen und bei ihren Thesen einem konstruktivistischen Erklärungsansatz folgen. Bereits Michael Tomasello und Lisa Feldman Barrett (Links siehe unten) haben überzeugend beschrieben, dass soziale und kulturelle Realität mentale Konzepte sind, die durch soziale Interaktion und kollektive Intentionalität innerhalb menschlicher Gruppen konstruiert werden. Es erstaunt mich daher nicht, dass Carel van Schaik und Kai Michel ihren Leitbegriff "Die Patrix" vom Titel des Films "The Matrix" (L.+L. Wachowski, 1999) abgeleitet haben. Anscheinend hat "The Matrix" bei Wissenschaftlern einen bleibenden Eindruck hinterlassen, da z.B. auch Donald D. Hoffman in seinem Buch "Relativ real" (Link siehe unten) den Film mehrmals erwähnt und zitiert. Der Begriff "Patrix", also patriarchale Matrix, soll verdeutlichen, dass soziale Ungleichheit, hier am Beispiel der Diskriminierung von Frauen, eine konstruierte Realität ist und keinerlei biologische oder gottgegebene Grundlage besitzt. Auf die Geschlechterthematik bin ich in meinem Kommentar nicht eingegangen, da ich in den Inhalt des Buches in einem größeren Kontext sehe, ähnlich, wie es die Autoren selbst formuliert haben: "Dieses Buch ist weder ein Buch über Frauen noch für Frauen. Dieses Buch ist eine andere Geschichte der Menschheit." (Schaik / Michel 2020)

# In einigen Punkten stimme ich mit den Aussagen von Carel van Schaik und Kai Michel nicht überein, aber insgesamt halte ich ihr Werk für eine hervorragende Lektion über kritisches Denken. Es war wirklich eine große Lesefreude, zu verfolgen, wie die Autoren wirkmächtige Mythen über die Entwicklung menschlicher Gesellschaften dekonstruiert haben. Hier zeigt sich für mich, jenseits von Ideologie und Dogmatismus, der wahre Kern von Wissenschaft. Die wissenschaftliche Methode ermöglicht stetigen Erkenntnisgewinn, da jederzeit durch neue Forschungsergebnisse auch etablierte Theorien falsifiziert werden können. Meine Leseempfehlung zum Thema Wissenschaft ist das Buch "Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl" von Florian Aigner (Link siehe unten). Allerdings kann die Wissenschaft bei bestimmten Lebensthemen nicht weiterhelfen, da gerade durch die oben erwähnte Methodik der Erkenntnisgewinn immer auch begrenzt wird. Auf existentielle Fragestellungen des menschlichen Individuums hat die Wissenschaft keine Antworten. Die Autoren haben für die Beschreibung der Patrix nicht nur Anleihen bei dem Film "The Matrix" gemacht, sondern auch bei ostasiatischen Weisheitslehren: "Wie es sich zum «Schleier der Maya» verdichtete, der laut indischer Philosophie die Sinne vernebelt und die Wahrheit verhüllt …" (Schaik / Michel 2020). Dabei geht es für den einzelnen Menschen immer um die Frage nach dem eigenen Sein. Wer bin ich? Wo finde ich in meinem Leben Halt, Gewissheit oder Sinn? Diese Fragen kann die Wissenschaft nicht beantworten, aber für mich persönlich zeigen die Erkenntnisse der modernen Humanwissenschaften, wie auch das Buch von Carel van Schaik und Kai Michel, dass die spirituellen Traditionen schon klar erkannt hatten, dass unsere wahrgenommene Realität von uns selbst konstruiert wird. Dies bedeutet aber auch, dass diese Realität auch wieder dekonstruiert werden kann. Befreiung, im Sinne eines spirituellen Weges, besteht für mich zunächst darin, eigene, leiderzeugende, konstruierten Selbstkonzepte zu erkennen und zu dekonstruieren. Hilfreich ist dabei die Entwicklung des sogenannten Zeugenbewusstseins, eine Methode, die in vielen spirituellen Systemen angewandt wird, wie z.B. Sakshi Bhava im Jnana Yoga (Link siehe unten). Die Welt selbst bietet keine Gewissheiten, alles ist im Wandel, alles ist möglich, stetige Veränderung und Variation ist das Prinzip der Evolution. Im indischen Hinduismus gibt es auch den Begriff "Lila", welcher die Realität als das Ergebnis des schöpferischen Spiels des göttlichen Absoluten (Brahman) beschreibt. Die Evolution scheint wie Lila zu sein, ein Spiel, allerdings ohne Spieler, ein Spiel, welches sich selbst spielt. Sind wir nur die Figuren auf dem Brett?

Hinweis

Das Buch von Carel van Schaik und Kai Michel habe ich im EPUB-Format erworben, bei dem die Textdarstellung variabel ist und sich der jeweiligen Bildschirmgröße automatisch anpasst. Bei den Zitaten habe ich deshalb keine Seitenzahlen angegeben und auch auf die Angabe der Kapitel verzichtet.

Quellen

  • Schaik, Carel van / Michel, Kai (2020): Die Wahrheit über Eva - Die Erfindung der Ungleichheit von Frauen und Männern, Hamburg: Rowohlt Verlag E-Book

Links

Inhaltsverzeichnis

  • Verschlusssache Eva
    Eine andere Geschichte der Menschheit
    Was das Nichtwissen gefährlich macht
    Den Elefanten verscheuchen
    Der Nutzen des Eva-Tabus
    Warum das Eva-Tabu heute schadet
    The Patrix has you …
    Sieben Schritte zur Erkenntnis der patriarchalen Matrix
  • Schritt 1: Die Lüge über Eva
    1 Als Eva eine Göttin war
  • Schritt 2: Willkommen zur Evalution!
    2 Die doppelte Evolution
    3 Wie wir Menschen wurden
    4 Was wir über Sex und Gender wissen sollten
  • Schritt 3: Mythendämmerung
    5 Der Mythos der Monogamie
    6 Der Mythos männlicher Überlegenheit
  • Schritt 4: Der tatsächliche Sündenfall
    7 Fortschritt? Matriarchat? Große Göttin?
    8 Evas Griff zur Frucht
    9 Adam auf Sinnsuche
    10 Die zwei Sphären der Religion
  • Schritt 5: Die Erfindung der Ungleichheit
    11 Das Problem mit dem Eigentum
    12 Zwischen Isolation und Barbarenglück
    13 Die Macht der Götter
    14 Treue, Jungfräulichkeit und andere Ungeheuerlichkeiten
    15 Zwang, Gewalt und Männermord
  • Schritt 6: Warum Gott Schwierigkeiten mit Frauen hat
    16 Evas Geheimnis, Gottes Eifersucht
    17 Untreue hoch zwei: Die religiöse Enteignung der Frauen
  • Schritt 7: Die Patrix erwacht zum Leben
    18 Freund der Frauen: Jesus von Nazareth
    19 "Hier ist nicht Mann noch Frau"
    20 Die eigentliche Misogynie
    21 Das weibliche Prinzip
    22 Monogamie, lebenslang
    23 Dämonisierung der Sexualität
    24 Feindliche Übernahme
    25 "Warum habe ich keine Macht über mein Fleisch?"
    26 Weibliche Dreifaltigkeit
    27 Aufstieg und Fall der Patrix
  • Epilog
    Der Protest der Nonne
    Wer hat Angst vor Charles Darwin?
    Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen
    Biologische Altlasten
    Kulturelle Altlasten
    Geraubte Erfahrungen
    Und Eva?
  • Dank
  • Literatur
  • Register
  • Anmerkungen
Buchumschlag Die Wahrheit über Eva