Buchtipp: "Tiere in meinem Garten" von Bruno P. Kremer und Klaus Richarz

Erstellt von Michael Ditsch | | Erde & Mensch

Wertvolle Lebensräume für Vögel, Insekten und andere Wildtiere gestalten

Der umfassende Ratgeber: So mache ich meinen Garten zu einem Tierparadies. Aktiv gegen das Artensterben: wildtierfreundliches Gärtnern für Insekten, Amphibien, Reptilien, Vögel, Fledermäuse und andere Kleinsäuger. Tipps für kleine und große Gärten auf dem Land und in der Stadt. Üppige Natur sowie tierische Gäste und Besucher unmittelbar vor der Haustür? Wer wünscht sich das nicht. Doch oft fehlt eine konkret umsetzbare Vorstellung davon, wie ein lebendiger Garten tatsächlich aussehen könnte. Wer in seinem Garten aktiv etwas für Wildtiere tun möchte, dem hilft dieses Buch, geeignete Lebensräume für Insekten, Amphibien, Reptilien, Vögel, Fledermäuse und weitere Kleinsäuger zu schaffen. Welche Nahrung bevorzugen die verschiedenen Gartenbesucher? Wo schlafen und ruhen sie gerne? Was benötigen sie für eine erfolgreiche Fortpflanzung? Egal wie groß oder klein ein Garten ist, dieses Buch bietet alle erforderlichen Informationen und eine Fülle von Anregungen, um ein eigenes kleines Naturschutzgebiet zu gestalten. © Bild und Text Haupt Verlag. Kremer, Bruno P. / Richarz, Klaus (2020): Tiere in meinem Garten - Wertvolle Lebensräume für Vögel, Insekten und andere Wildtiere gestalten, Bern: Haupt Verlag

Kommentar

# Wer zu den Glücklichen gehört und einen Garten, ob groß oder klein, sein eigen nennt, wird sich sicher Gedanken zur Nutzung und Gestaltung der vorhandenen Fläche machen. Da ich mich schon länger mit ökologischen Themen und mit den Prinzipien der Permakultur beschäftige, war es für mich selbstverständlich, dass der eigene Garten auch als Lebensraum für Tiere dienen soll. Sehr erfreut war ich deshalb über das Erscheinen des Buches "Tiere in meinem Garten" von Bruno P. Krämer und Klaus Richarz. Die fachliche Kompetenz der Autoren steht außer Frage. Beide sind Biologen und schon lange Jahre mit ökologischen Themen und entsprechenden Veröffentlichung einer interessierten Leserschaft bekannt. Die Gliederung des Buches in zwei Teile erhöht die Übersichtlichkeit und erleichtert die Benutzung als Nachschlagewerk. Im ersten Teil werden mögliche Gestaltungs- und Biotopelemente, wie z.B. Hecken oder Trockenmauern, vorgestellt. Zu jedem Element gibt es ausführliche Hinweise und praktische Tabellen für den schnellen Überblick. In einem "Öko-Telegram" am Ende eines Kapitels werden die wichtigsten Punkte noch einmal zusammengefasst. Der zweite Teil enthält Beschreibungen der einzelnen Tierarten und nützliche Hinweise für die erforderliche Lebensraumgestaltung. Abgerundet wird das Buch im Anhang durch einen "Garten-Check", Literaturhinweise und ein umfangreiches Register. Es ist sehr löblich, dass die Autoren nicht nur die Fachinformationen, sondern auch die Benutzung des Buches auf den Gartenpraktiker abgestimmt haben. Unglücklich fand ich die Änderung des Layouts ab Seite 124. Die gute Absicht war wohl, dass zur besseren Auffindbarkeit der zweite Teil des Buches anders gestaltet werden sollte. Leider ist aber die dünne weiße Schrift auf dem dunklen Hintergrund nur schwer lesbar. Insgesamt aber ein lesens- und lohnenswertes Buch für den ökologisch interessierten Gärtner.

# In ihrer "Einladung zum Mitmachen" widmen die Autoren ihr Buch namentlich Jürgen Dahl, Michael Lohmann, Klaus Meyer-Abich, Gunter Steinbach und Horst Stern. Wer sich aus meiner Generation schon immer für Ökologie interessiert hat, dem sind die Namen wohl bekannt. So wichtig, sinnvoll und lobenswert ich den Einsatz für Ökosysteme halte, habe ich mich mit der allgemeinen Verwendung der Begriffe "Natur" und "Naturschutz" schon immer sehr schwer getan. In Deutschland existieren, außer in einigen Nationalparks, nur noch vom Menschen geprägte und gestaltete Kulturlandschaften. Den bewahrenden Naturschutz habe ich auch schon immer kritisch gesehen, wenn z.B. mit hohem Aufwand, vielleicht sogar mit dem Einsatz brennstoffbetriebener Maschinen, einzelne Arten erhalten werden sollen. Es stellt sich mir auch immer die Frage, welchen Zustand auf der Zeitlinie der Evolution man denn konservieren will? Welches Stadium wäre z.B. erhaltenswert, wenn sich im Zuge der Sukzession, also der Rückkehr von Lebensgemeinschaften in vom Menschen stark beeinträchtige Gebiete, wie etwa Truppenübungsplätze, besonders "wertvolle" Biotope bilden? Der Mensch steht nicht außerhalb der "Natur" oder der Evolution und wirkt als Gestalter, oder gar als Beschützer und Bewahrer, sondern er ist einfach nur eines von vielen Elementen der ökosystemaren Prozesse auf diesem Planeten.

"Eines waren und sind unsere Gärten jedoch nicht: ursprüngliche Natur. Im Gegenteil, im Lauf der Zeit holte der Mensch eine Vielzahl von Pflanzen aus anderen Regionen unseres Kontinents und sogar aus fernen Erdteilen in seine Gärten. Selbst im 'Naturgarten' wird die 'Natur' gärtnerisch eingebracht oder teilweise zugelassen, darf sich allenfalls nach den Vorstellungen des Gärtners entwickeln, braucht Pflege und Gestaltung." (Kremer, Richarz, 2020, S.13)

"Seit Jahrtausenden ringt der Mensch der Wildnis seinen eigenen Lebens- und Aktionsraum ab. Überraschenderweise wirkten diese Eingriffe in die Natur aber nicht immer zerstörerisch. Im Gegenteil - nach Auflichtung der ehedem geschlossenen Wälder durch die bäuerliche Landwirtschaft hielten völlig neue Lebensraumtypen Einzug. Neben Äckern und Feldern gab es in der neu entstandenen Kulturlandschaft auch Offenfluren, Wiesen und Weiden, Säume und Raine oder die vielen Kleinbiotope an Haus und Hof. Damit war eine enorme Artenanreicherung verbunden. Auch Gärten waren stets Bestandteil dieses Wandels. (Kremer, Richarz, 2020, S.14)

# Da Bücher und Schriften immer auch ein Welt- und Menschenbild vermitteln, möchte ich an dieser Stelle noch einige Gedanken ergänzen.

# Themen wie Klimawandel, Artensterben, Plastikmüll oder Corona-Pandemie bestimmen die Schlagzeilen in den Medien. Die Vielzahl an Katastrophenmeldungen kann bei einigen Menschen zu Gefühlen von Überforderung, Ohnmacht und Hilflosigkeit führen. Die Verbreitung des Menschen und seine Lebensweise haben zu diesen planetaren Veränderungen geführt. Allerdings wurde die Biosphäre, die Gesamtheit der Lebensräume des Planeten Erde, schon immer durch die Wechselwirkung von Lebewesen mit ihrer biotischen und abiotischen Umwelt verändert. Die Evolutionsgeschichte zeigt, wie dynamisch sich Umwelt- und Lebensbedingungen auf der Erde verändert haben. Neben kosmischen Einflüssen (Asteroiden), geologischen Veränderungen (Plattentektonik, Vulkane), waren es auch stets die Lebewesen selbst, die maßgeblich ihre Lebensräume und Umweltbedingungen verändert haben. Das Aussterben von biologischen Arten ist Teil des ständigen Wandels auf diesem Planeten seit Beginn des Lebens. Es ist eine Frage des Standpunktes, wie das Aussterben einer Art zu bewerten ist. Für die Nichtvogeldinosaurier zum Beispiel war das eigene Aussterben sicherlich schlecht, aber für die Entwicklung der Säugetiere war es ein Vorteil und damit auch für den Homo sapiens, denn sonst gäbe es ihn gar nicht. Rein evolutionsbiologisch betrachtet ist der Mensch (Homo sapiens) eine Art wie jede andere auch und damit Teil des dynamischen Gesamtsystems Erde. Gerade die aktuelle Corona-Pandemie zeigt sehr deutlich, dass der Mensch immer noch in das Netz des Lebens verwoben ist. Statt einem Faustkeil hält der Homo sapiens heutzutage ein Smartphone in der Hand, aber trotz seiner technischen und kulturellen Errungenschaften wird sein Denken und Handeln noch immer maßgeblich von seiner biologischen Herkunft bestimmt und begrenzt. Der Mensch ist nicht in der Lage, die komplexen, dynamischen Prozesse der ökologischen Systeme der Biosphäre zu verstehen oder gar zu steuern, da er ja selbst Teil dieser Prozesse ist. Auch bei gut gemeinten Eingriffen in bestehende Ökosysteme sind die Folgen nicht vorhersehbar. Der Gedanke, dass der Mensch Klima und Arten retten oder gar die "Natur" schützen könnte, entspringt einem anthropozentrischen Weltbild und menschlicher Hybris.

# Worum geht es also? Meiner Meinung nach geht es letztlich immer um uns Menschen, um unsere Lebensgrundlagen, um unsere körperliche und geistige Gesundheit. Der Philosoph Wilhelm Schmid hat passend dazu den Imperativ der ökologischen Lebenskunst formuliert: "Handle so, daß du die Grundlagen deiner eigenen Existenz nicht ruinierst." (Schmid, 2008). Werden nun Maßnahmen bezüglich Klimawandel, Artensterben, Biodiversität oder Umweltverschmutzung diskutiert, sollte auch deutlich gemacht werden, dass es dabei in erster Linie um "Menschenschutz" geht. Ein weiteres Handlungsfeld ist die spirituelle Dimension unseres Daseins. Als fühlendes und emphatisches Lebewesen ist der Mensch in der Lage Leid zu empfinden. Die Verminderung von Leid ist ein wichtiges Anliegen und ethisches Prinzip in einigen spirituellen Traditionen. Die Umstellung auf vegetarische Ernährung empfand ich z.B. für meine spirituelle Entwicklung als sehr förderlich. Neben den positiven Auswirkungen auf Körper und Geist, haben bei der Umstellung auch Aspekte wie das Tierwohl und die ökologischen Probleme der Fleischerzeugung eine Rolle gespielt. Wenn ich nun im eigenen Garten ökologische Kriterien berücksichtige, dann ist ein wesentliches Motiv die Freude am Leben. Die Möglichkeit, Insekten, Vögel und kleinen Tieren, Lebensraum zu geben und an ihrer Vielfalt teilhaben zu können, erhöht das eigene Wohlbefinden. Zusätzlich ist die Artenvielfalt im Garten auch nützlich für den gärtnerischen Ertrag. Obwohl mir bewusst ist, dass ich, wie alles Leben, Teil des großen, unaufhaltsamen Wandels auf diesem Planeten bin, versuche ich, in meinem begrenzten Wirkungskreis, einige meiner Überzeugungen umzusetzen. Von wem das Zitat stammt, ist zwar nicht eindeutig geklärt, aber die darin enthaltene Weisheit gefällt mir sehr: "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen".

# Anmerkung
Eigentlich erwerbe ich Bücher nur noch als E-Books, da ich keinen Platz mehr in den Bücherregalen habe. Das vorliegende Buch gibt es aber zur Zeit nur als gebundenes Buch zu kaufen. Welche Wohltat war es, endlich wieder in einem "richtigen" Buch zu blättern, das Papier anzufassen, zu riechen und rascheln zu hören, mit dem Bleistift Markierung und Anmerkungen zu machen und an besonderen Stellen Lesezeichen einzulegen. Wahrscheinlich bin ich einfach noch zu "analog" aufgewachsen, um mich mit den "digitalen" Medien anzufreunden.

Quellen

  • Kremer, Bruno P. / Richarz, Klaus (2020): Tiere in meinem Garten - Wertvolle Lebensräume für Vögel, Insekten und andere Wildtiere gestalten, Bern: Haupt Verlag
  • Schmid, Wilhelm (2008): Ökologische Lebenskunst - Was jeder Einzelne für das Leben auf dem Planeten tun kann, Berlin: Suhrkamp Verlag

Links

Inhalt

Einladung zum Mitmachen 7
TEIL 1
NATURGARTENELEMENTE IM ÜBERBLICK 9
Gärten für den Naturschutz – Naturschutz in den Gärten 12
Gehölze im Garten: Bäume, Hecken und Gebüsche 22
Blumengärten und Gartenblumen 50
Trockenmauern und Steinhaufen 78
Kleingewässer im Garten 104
TEIL 2
GEZIELTE FÜRSORGE FÜR DIE GARTENTIERE 121
Hauskatzen im Garten 124
Ohrwurm und Florfliege: unterschätzte Nützlinge 132
Bienen, Hummeln, Wespen: Lassen Sie es brummen 138
Schmetterlinge: flatterhafte Gäste 156
Lebenshilfen für Amphibien 170
Reptilien: sonnenhungrige Kriechtiere 184
Vögel: gefiederte Gartenbesucher 194
Fledermäuse: nächtliche Gartenbesucher 242
Weitere Kleinsäuger im Garten 258
ANHANG 279
Garten-Check: Wie ökofit ist Ihr Naturgarten? 280
Zum Nach- und Weiterlesen 282
Bildnachweis 283
Register 284

Buchumschlag Tiere in meinem Garten