Autopoiesis

Die Biologie des Erkennens

Die Erkenntnistheorie oder Epistemologie ist eine Teildisziplin der Philosophie und befasst sich unter anderem mit den Möglichkeiten und Grenzen menschlichen Erkennens. Eine wesentliche Fragestellung ist dabei, ob eine vom Erkennen unabhängige Realität existiert. Ausgehend von empirischen Untersuchungen in der Biologie und der Neurophysiologie lieferten in den 60er Jahren die Neurobiologen Humberto Maturana und Francisco Varela einen alternativen Beitrag zur Erkenntnistheorie. In ihrem Werk "Der Baum der Erkenntnis" erläutern Maturna und Varela ihre Interpretation der biologischen Evolution und entwickeln daraus eine biologische Theorie des menschlichen Erkennens. "Wir werden nämlich eine Sicht vortragen, die das Erkennen nicht als eine Repräsentation der 'Welt da draußen' versteht, sondern als ein andauerndes Hervorbringen einer Welt durch den Prozeß des Lebens selbst." Maturana, Varela; 2009; S. 7

Zentrales Element der Biologie des Erkennens ist die Theorie der Autopoiese: "Unser Vorschlag ist, daß Lebewesen sich dadurch charakterisieren, daß sie sich - buchstäblich - andauernd selbst erzeugen. Darauf beziehen wir uns, wenn wir die sie definierende Organisation autopoietische Organisation nennen (griech. autos = selbst; poiein = machen)." Maturana, Varela; 2009; S. 51

Die autopoietische Einheit ist gegenüber einem äußeren Milieu operational geschlossen und unabhängig, d.h. es gibt keinen direkten Austausch zwischen den Systemen. Eine Veränderung in der autopoietischen Einheit kann durch das Milieu nur im Rahmen einer strukturellen Kopplung ausgelöst werden. Für das Erkennen bedeutet dies, dass auf eine Wirklichkeit außerhalb der Einheit nicht zückgegriffen werden kann. Die autopoietische Einheit bringt also selbst hervor, was als Realität erfahren wird. 

"Bei den Interaktionen zwischen dem Lebewesen und der Umgebung innerhalb dieser strukturellen Kongruenz determinieren die Perturbationen der Umgebung nicht, was dem Lebewesen geschieht; es ist vielmehr die Struktur des Lebewesens, die determiniert, zu welchem Wandel es infolge der Perturbation in ihm kommt. Eine solche Interaktion schreibt deshalb ihre Effekte nicht vor. Sie determiniert sie nicht und ist daher nicht 'instruierend', weshalb wir davon sprechen, daß eine Wirkung 'ausgelöst' wird. Wir wollen damit darauf hinweisen, daß der Wandel, der aus den Interaktionen zwischen dem Lebewesen und seiner Umgebung resultiert, zwar von dem perturbierenden Agens hervorgerufen, aber von der Struktur des perturbierenden Systems determiniert wird." Maturana, Varela; 2009; S. 106

"Das Nervensystem 'empfängt' keine 'Information', wie man häufig sagt. Es bringt vielmehr eine Welt hervor, indem es bestimmt, welche Konfigurationen des Milieus Perturbationen darstellen und welche Veränderungen diese im Organismus auslösen. Die populäre Metapher vom Gehirn als Computer ist nicht nur mißverständlich sondern schlichtweg falsch." Maturana, Varela; 2009; S. 185

"So ist die Tatsache des Lebens selbst - die ununterbrochene Aufrechterhaltung der Strukturkoppelung als Lebewesen - nicht anderes als Erkennen im Existenzbereich. Als Aphorismus formuliert: Leben ist Erkennen (Leben ist effektive Handlung im Existieren als Lebewesen)." Maturana, Varela; 2009; S. 191

"Erkennen hat es nicht mit Objekten zu tun, denn Erkennen ist effektives Handeln; und indem wir erkennen, wie wir erkennen, bringen wir uns selbst hervor." Maturana, Varela; 2009; S. 262

Kernaphorismen

  • Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun
  • Alles Gesagte ist von jemanden gesagt

"Die Erfahrung von jedem Ding 'da draußen' wird auf eine spezifische Weise durch die menschliche Struktur konfiguriert, welche 'das Ding', das in der Beschreibung entsteht, erst möglich macht. Diese Zirkularität, diese Verkettung von Handlung und Erfahrung, diese Untrennbarkeit einer bestimmten Art zu sein von der Art, wie die Welt uns erscheint, sagt uns, daß jeder Akt des Erkennens eine Welt hervorbringt. ... Dies alles kann in dem Aphorismus zusammengefaßt werden: Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun." Maturana, Varela; 2009; S. 31

"Alles Gesagte ist von jemanden gesagt. Denn jede Reflexion bringt eine Welt hervor und ist als solche menschliches Tun eines einzelnen an einem besonderen Ort." Maturana, Varela; 2009; S. 31

Theorie - Die Autopoiesis

"Es gibt eine Klasse mechanistischer Systeme, in der jedes Element ein dynamisches System ist, das als eine Einheit durch Relationen definiert wird, welche es als ein Netzwerk von Prozessen der Produktion von Bestandteilen konstituieren. Diese Bestandteile wirken einmal durch ihre Interaktionen in rekursiver Weise an der Erzeugung und Verwirklichung eben jenes Netzwerks von Prozessen der Produktion von Bestandteilen mit, das sie selbst erzeugte, und bauen zum anderen dieses Netzwerk von Prozessen der Produktion von Bestandteilen dadurch als eine Einheit in dem Raum auf, in dem sie (die Bestandteile) existieren, daß sie die Grenzen dieser Einheit erzeugen. Ich nenne solche Systeme autopoietische Systeme, die Organisation eines autopoietischen Systems heißt die autopoietische Organisation. Ein autopoietisches System, das im physikalischen Raum existiert, ist ein lebendes System ..." Maturana, 1985, 141f

Evolution

Maturana und Varela beziehen in ihre Überlegungen auch die Evolutionstheorie mit ein und beschäftigen sich mit der"natürlichen Auslese" und dem "Überleben des Angepaßteren". Diese Begriffe implizieren, daß ein Milieu existiert, welches nach bestimmten Kriterien aus einer Vielzahl von vorhandenen Alternativen diejenigen auswählt, die sich weiter entwickeln dürfen. Es scheint also eine Art lenkende Kraft vorhanden zu sein, welche nach einem vorgegebenen Entwurf oder Plan die Evolution in eine bestimmte Richtung steuert. Für Maturana und Varela steht diese Deutung im Widerspruch zur strukturellen Koppelung von Milieu und Organismus.

"Es gibt kein 'Überleben des Angepaßteren', sondern nur ein 'Überleben des Angepaßten'. Die Anpassung ist eine Frage notwendiger Bedingungen, die auf viele verschiedene Weisen erfüllt werden können, wobei es keine 'beste' Weise gibt, einem Kriterium zu genügen, welches außerhalb des Überlebens zu suchen wäre. Die Unterschiede zwischen den Organismen offenbaren, daß es viele strukturelle Wege der Verwirklichung des Lebendigen gibt und nicht die Optimierung einer Beziehung oder eines Wertes." Maturana, Varela; 2009; S. 125

"Darüber hinaus sind es nicht die einem Beobachter auffallenden Variationen des Milieus, welche den evolutiven Verlauf der verschiedenen Abstammungslinien determinieren. Dieser Verlauf wird vielmehr von dem Kurs bestimmt, dem die Erhaltung der Strukturkoppelung der Organismen mit dem von ihnen definierten eigenen Milieu (Nische) folgt. Dabei kann der Wandel innerhalb dieser Nische für einen Beobachter unauffällig bleiben."  Maturana, Varela; 2009; S. 126

"Es gibt heute viele Schulen des Denkens, die das Konzept der Evolution durch natürliche Auslese, ..., in Frage stellen. ... Diese neuen Ideen werden uns jedoch von der populären Vorstellung befreien, die die Evolution als einen Prozeß versteht, in dem es eine umgebende Welt gibt, an die sich die Lebewesen zunehmend anpassen, indem sie ihre Ausnutzung der Umwelt optimieren. Wir sehen die Evolution hier als strukturelles Driften bei fortwährender phylogenetischer Selektion. Dabei gibt es keinen 'Fortschritt' im Sinne einer Optimierung der Nutzung der Umwelt, sondern nur die Erhaltung der Anpassung und Autopoiese in einem Prozeß, in dem Organismus und Umwelt in dauernder Strukturkopplung bleiben." Maturana, Varela; 2009; S. 127

"Die Evolution ist ein natürliches Driften, ein Ergebnis der Erhaltung von Autopoiese und Anpassung. Wie im Fall der Wassertropfen ist keine äußere lenkende Kraft notwendig, um die von uns gesehene Vielfalt und Komplementarität zwischen Organismus und Milieu zu erzeugen. Wir müssen auch keine lenkende Kraft annehmen, damit wir die Richtung der Variationen innerhalt einer Abstammungslinie erklären können. Und schließlich ist es auch nicht so, daß im Verlauf der Evolution irgendeine besondere Qualität der Lebewesen optimiert wird." Maturana, Varela; 2009; S. 129

Buchtipp

Der alten darwinistisch geprägten Biologie zufolge überlebt ein Lebewesen nur dann, wenn es sich möglichst perfekt seiner Umwelt anpasst. Es wäre damit sklavisch abhängig von einer objektiven Außenwelt. Für Maturana und Varela gibt es jedoch keine „objektive“ Wirklichkeit. Wenn Grunderfordernisse des Lebens erfüllt sind, haben lebende Systeme alle Freiheit, sich ihre Welt selbst zu schaffen, anstatt bloß auf Vorgegebenes zu reagieren. Für den Menschen gilt das natürlich in besonderem Maße. Das Subjekt ist somit entscheidend an der Schöpfung seiner nur scheinbar objektiven Wirklichkeit beteiligt. Die neue Bezeichnung von Leben, wie es die Neurobiologen Humberto Maturana und Francisco Varela definiert haben, ist Autopoiesis, was soviel heißt wie: sich selbst schaffen. Die in der Menschheitsgeschichte von Weisen, Mystikern und Philosophen erkannte Einheit von Subjektivität und Objektivität, von Ich und Welt, von Bewusstsein und Sein, wird von Maturana und Varela klar bestätigt und mit naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen belegt. © Bild und Text Fischer Verlag. Der Baum der Erkenntnis - Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens; Humberto R. Maturana, Francisco J. Varela; Fischer; 2009

Buchtipp

Diese Auswahl der Arbeiten des chilenischen Neurophysiologen Humberto R. Maturana bietet einen radikal neuen Entwurf einer Theorie lebender Systeme, in deren Rahmen die menschlichen Erkenntnisleistungen (Wahrnehmung, Lernen, Gedächtnis, Denken, Sprache usw.) sowohl systemmatisch-logisch als auch empirisch-neurobiologisch begründet werden. Maturanas Theorie "autopoietischer" Systeme überwindet die gängigen Maschinenmodelle von Mensch und Tier und bietet eine aussichtssreiche Basis für die empirische Forschung sowohl der biologischen als auch der Human- und Sozialwissenschaften. © Text und Bild Vieweg. Erkennen - Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit, Humberto R. Maturana, Vieweg, 1985

Buchtipp

This classic book, first published in 1991, was one of the first to propose the "embodied cognition" approach in cognitive science. It pioneered the connections between phenomenology and science and between Buddhist practices and science - claims that have since become highly influential. Through this cross-fertilization of disparate fields of study, The Embodied Mind introduced a new form of cognitive science called "enaction," in which both the environment and first person experience are aspects of embodiment. However, enactive embodiment is not the grasping of an independent, outside world by a brain, a mind, or a self; rather it is the bringing forth of an interdependent world in and through embodied action. Although enacted cognition lacks an absolute foundation, the book shows how that does not lead to either experiential or philosophical nihilism. Above all, the book’s arguments were powered by the conviction that the sciences of mind must encompass lived human experience and the possibilities for transformation inherent in human experience. This revised edition includes substantive introductions by Evan Thompson and Eleanor Rosch that clarify central arguments of the work and discuss and evaluate subsequent research that has expanded on the themes of the book, including the renewed theoretical and practical interest in Buddhism and mindfulness. A preface by Jon Kabat-Zinn, the originator of the mindfulness-based stress reduction program, contextualizes the book and describes its influence on his life and work. © The MIT Press. The Embodied Mind, Revised Edition; Cognitive Science and Human Experience; By Francisco J. Varela, Evan Thompson and Eleanor Rosch; Foreword by Jon Kabat-Zinn; The MIT Press; 2017

Filmtipp

Wie können Körper und Geist als ganzheitliches Wesen existieren? Der Chilenische Neurobiologe Francisco Varela beschäftigte sich von seiner Kindheit bis zu seinem frühzeitigen Tod mit dieser Frage. Die Struktur des Films basiert auf Varelas nicht-linearem Denken und fokussiert auf Autopoiesis, Ethik, Bewusstsein, Meditation und Sterben. Erzählt und reflektiert wird von ihm selbst, von seinen Familienangehörigen, von führenden Wissenschaftern, engsten Freunden und Denkern wie Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama, Heinz von Foerster der Vater der Kybernetik, Evan Thompson, Anne Harrington, Humberto Maturana und anderen. Drei Kernthemen prägen den Film: die Beziehung zwischen Körper und Geist (Verkörperung), der Sinn persönlicher Verantwortung (Autonomie) und die Spiritualität. © Bild und Text t&c edition. Monte Grande - Was ist Leben? Dokumentarfilm, CH 2004, Regie Franz Reichle, weltvertrieb t&c edition

Biologie des Erkennens - ausgewählte Begriffe

Beobachter
"Ein Beobachter ist ein menschliches Wesen, eine Person, jemand, der Unterscheidungen machen und präzise angeben kann, was er als eine von ihm selbst verschiedene Entität (ein Etwas) betrachtet, der dies hinsichtlich seiner eigenen Handlungen und Gedanken in rekursiver Weise tun kann, und der stets imstande ist, all dies so zu tun, als ob er außerhalb der gegebenen Situation stünde (bzw. von dieser getrennt wäre). Alle konkreten oder begrifflichen Unterscheidungen, mit denen wir umgehen, sind von uns als Beobachtern getroffen worden: alles, was gesagt wird, wird von einem Beobachter zu einem anderen Beobachter gesagt." Maturana, 1985, S. 139

Zustandsdeterminiertes System
"Ein System, dessen Zustandsveränderungen, definiert als Strukturveränderungen ohne Identitätsverlust (d.h. ohne Auflösung der definierenden Organisation), durch die Struktur des Systems und nicht durch ein vom System unabhängiges Agens bestimmt werden. Dies ist ein universal gültiges Konstitutionsmerkmal dynamischer Systeme." Maturana, 1985, S. 140

Unterscheidung und Einheit
"Das Aufzeigen eines Wesens, Objekts, einer Sache oder Einheit ist mit einem Akt der Unterscheidung verbunden, der das Aufgezeigte von einem Hintergrund unterscheidet und damit von diesem trennt." Maturana, Varela; 2009; S. 46
"Eine Einheit (Entität, Wesen, Objekt) ist durch einen Akt der Unterscheidung definiert." Maturana, Varela; 2009; S. 46

Organisation und Struktur
"Unter Organisation sind die Relationen zu verstehen, die zwischen den Bestandteilen von etwas gegeben sein müssen, damit es als Mitglied einer bestimmten Klasse erkannt wird." Maturana, Varela; 2009; S. 54
"Unter der Struktur von etwas werden die Bestandteile und die Relationen verstanden, die in konkreter Weise eine bestimmte Einheit konstituieren und ihre Organisation verwirklichen." Maturana, Varela; 2009; S. 54

Organisation und Geschichte
"Die Dynamik eines gegenwärtigen Systems läßt sich verstehen, indem wir die Relationen zwischen seinen Teilen und die Regelmäßigkeiten in deren Interaktionen aufzeigen und so seine Organisation sichtbar machen. Um solch ein System aber vollständig zu verstehen, dürfen wir es nicht nur als eine Einheit betrachten, in der eine innere Dynamik wirksam ist, sondern wir müssen es auch seiner Umgebung, in seinem Umfeld oder Kontext betrachten, mit dem das System durch sein Funktionieren verbunden sei. Solch ein Verständnis setzt immer die Einhaltung eines gewissen Abstandes bei der Beobachtung voraus, eine Perspektive, die im Falle der historischen Systeme den Bezug auf ihren Ursprung beinhaltet." Maturana, Varela; 2009; S. 66

Ontogenese
"Die Ontogenese ist die Geschichte des strukturellen Wandels einer Einheit ohne Verlust ihrer Organisation. Dieser strukturelle Wandel findet in der Einheit in jedem Augenblick statt: entweder ausgelöst durch aus dem umgehenden Milieu stammende Interaktionen oder als Ergebnis der inneren Dynamik der Einheit. Die zelluläre Einheit 'sieht' und ordnet ihre ständigen Interaktionen mit dem Milieu immer im Sinne ihrer Struktur, welche wiederum im Zuge ihrer inneren Dynamik ebenfalls in ständigem Wandel begriffen ist. Das allgemeingültige Ergebnis hiervon ist, daß der ontogenetische Wandel einer Einheit bis zu ihrer Auflösung (Desintegration) nicht aufhört." Maturana, Varela; 2009; S. 84

Strukturelle Kopplung
"Daß sich zwei (oder mehr) autopoeitische Einheiten in ihrer Ontogenese gekoppelt haben, sagen wir, wenn ihre Interaktionen einen rekursiven oder sehr stabilen Charakter erlangt haben. Dies sollten wir gut verstehen, denn jede Ontogenese findet innerhalb eines Mediums statt, welches wir als Beobachter als ausgestattet mit einer besonderen Struktur wie etwa Strahlung, Geschwindigkeit, Dichte und so weiter beschreiben können. Da wir auch die autopoietische Einheit als mit einer besonderen Struktur ausgestattet beschreiben, erscheint es uns offenkundig, daß die Interaktionen zwischen Einheit und Milieu, solange sie rekursiv sind, für einander reziproke Perturbationen bilden. Bei diesen Interaktionen ist es so, daß die Struktur des Milieus in den autopoietischen Einheiten Strukturveränderungen nur auslöst, diese also weder determiniert noch instruiert (vorschreibt), was auch umgekehrt für das Milieu gilt. Das Ergebnis wird - solange sich Einheit und Milieu nicht aufgelöst haben - eine Geschichte wechselseitiger Strukturveränderungen sein, also das, was wir strukturelle Kopplung nennen." Maturana, Varela; 2009; S. 85

Operationale Geschlossenheit
"Wir können aber sagen, daß sie eine operationale Geschlossenheit ihrer Organisation aufweisen: Ihre Identität ist durch ein Netz von dynamischen Prozessen gekennzeichnet deren Wirkungen das Netz nicht überschreiten." Maturana, Varela; 2009; S. 100
"Das Nervensystem hat also am Operieren eines Vielzellers Anteil als ein Mechanismus miteinander vernetzter Kreisläufe, der jene inneren Zustände, die für die Erhaltung der Organisation als Ganzes wesentlich sind, konstant hält. Man kann also sagen, daß das Nervensystem in diesem Sinne durch operationale Geschlossenheit charakterisiert ist. Mit anderen Worten: Das Nervensystem ist ein Netzwerk aktiver Komponenten, in dem jeder Wandel der Aktivitätsrelationen zwischen den Komponenten zu weiterem Wandel zwischen ihnen führt. Das Operieren des Nervensystems besteht darin, einige dieser Relationen trotz fortdauernder Perturbationen - sowohl infolge ihrer eigenen Dynamik als auch infolge der Interaktionen des Organismus - invariant zu halten. Das Nervensystem funktioniert also als ein geschlossenes Netzwerk von Veränderungen der Aktivitätsrelationen zwischen seinen Komponenten." Maturana, Varela; 2009; S. 180

Verhalten
"Unter 'Verhalten' verstehen wir die Haltungs- und Standortveränderung eines Lebewesens, die ein Beobachter als Bewegungen oder Handlungen in bezug auf eine bestimmte Umgebung (Milieu) beschreibt." Maturana, Varela; 2009; S. 127

Sprache
"Wir operieren in der Sprache, wenn ein Beobachter feststellen kann, daß die Objekte unserer sprachlichen Unterscheidungen Elemente unseres Bereiches sind. Sprache ist ein fortlaufender Prozeß, der aus dem In-der-Sprache-Sein besteht und nicht in isolierten Verhaltensweisen." Maturana, Varela; 2009; S. 226

Quellen

  • Erkennen - Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit, Humberto R. Maturana, Vieweg, 1985
  • Der Baum der Erkenntnis - Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens; Humberto R. Maturana, Francisco J. Varela; Fischer; 2009

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