Being No One - Niemand sein

Die Selbstmodell-Theorie der Subjektivität - Thomas Metzinger

"Die Selbstmodell-Theorie der Subjektivität ist eine philosophische Theorie darüber,was ein Selbst ist, eine Theorie darüber, was es eigentlich bedeutet, dass geistige Zustände 'subjektive' Zustände sind und auch darüber, was es heißt, dass ein bestimmtes System eine 'phänomenale Erste-Person-Perspektive' besitzt. Eine der Kernaussagen dieser Theorie ist, dass es so etwas wie Selbste in der Welt nicht gibt: Selbste und Subjekte gehören nicht zu den irreduziblen Grundbestandteilen der Wirklichkeit. Was es gibt, ist das erlebte Ich-Gefühl und die verschiedenen, ständig wechselnden Inhalte unseres Selbstbewusstseins - das, was Philosophen das 'phänomenale Selbst' nennen. Dieses bewusste Erleben eines Selbst wird als Resultat von Informationsverarbeitungs und Darstellungsvorgängen im zentralen Nervensystem analysiert." (Metzinger 2005 S.5)

Being No One

Consciousness, The Phenomenal Self and the First-Person Perspective
Berkeley Graduate Council Lectures 2/2005 - Thomas Metzinger

Being No One with Thomas Metzinger
University of California Television (UCTV)

Beispiel für "Meinigkeit": Die Gummihand-Illusion

"Die Grundidee ist nun, dass Selbstbewusstsein in wesentlichen Aspekten eine Integrationsleistung ist: Alle repräsentationalen Zustände, die in das gegenwärtig aktive Selbstmodell eingebettet werden, gewinnen die höherstufige Eigenschaft der phänomenalen Meinigkeit hinzu." (Metzinger 2005 S.15)
"Subjektiv erlebte 'Meinigkeit' ist also eine Eigenschaft einzelner Formen phänomenalen Gehalts, zum Beispiel der mentalen Repräsentation eines Beins, eines Gedankens oder eines Willensaktes." (Metzinger 2005 S.16)

"Sie sind nicht davon überzeugt, dass es 'Ihr Ich' gibt (Wem gehört es eigentlich dann?), sondern davon, dass es Sie selbst gibt. Das stimmt ja auch. Sie kennen Ihre Lebensgeschichte, haben vielleicht eine Idee, was für ein Mensch Sie sind. Was das bedeutet, kann man sich mithilfe der Gummihandillusion klar machen. Dabei legt der Proband seine Hand unter den Tisch oder unter eine Abdeckung. Sichtbar vor ihm auf dem Tisch liegt eine Hand aus Gummi. Wenn nun jemand die verdeckte Hand des Probanden berührt und dieser zugleich sieht, wie die Gummihand vor ihm immer wieder gleichzeitig berührt wird, fühlt er die Berührung in der Gummihand. Das Gehirn hat die eingehenden Sinnesdaten auf eine möglichst natürliche Weise interpretiert und sein Modell der Wirklichkeit aktualisiert. Und das heißt in diesem Fall: Es rechnet die Gummihand zum eigenen Körper hinzu. Das Gehirn erschafft ein bewusstes Modell des Körpers, das ist der grundlegende Teil dessen, was ich das 'phänomenale Selbstmodell' nenne." Quelle: Interview mit Thomas Metzinger bei dasGehirn.info, veröffentlicht: 31.03.2015, www.dasgehirn.info/wahrnehmen/ich/mein-tunnel-durch-die-wirklichkeit

Versuchspersonen erleben ein künstliches Glied als einen Teil ihres eigenen Körpers. NewScientist - The rubber hand illusion - Footage courtesy of Ecole Polytechnique Federale de Lausanne.

Beispiel für "Meinigkeit": Außerkörperlichen Erfahrungen

Außerkörperlichen Erfahrungen (AKEs; auch in der deutschsprachigen Literatur häufig als "OBEs" = Out of body experiences bezeichnet) lassen sich künstlich herstellen. NewScientist - Virtual out-of-body experience - Footage courtesy of Ecole Polytechnique Federale de Lausanne

Robotic reimbodiment using an fMRI interface

VERE project - Virtual Embodiment and Robotic Re-Embodiment
This Integrated Project aims at dissolving the boundary between the human body and surrogate representations in immersive virtual reality and physical reality. Dissolving the boundary means that people have the illusion that their surrogate representation is their own body, and act and have thoughts that correspond to this. The work in VERE may be thought of as applied presence research and applied cognitive neuroscience, and it would also significantly add to scientific knowledge in these areas. www.vereproject.eu

Ein Tunnel durch die Wirklichkeit

"Was wir im Kopf haben ist nicht die Wirklichkeit, sondern ein Tunnel durch die Wirklichkeit, ein sich durch die Zeit hindurch ständig veränderndes Bild der Welt. Dieses Bild hat einen Mittelpunkt: Das Ego, der Teil des Bildes, in dem sozusagen das Sehen der Welt noch einmal mit hineingeschmuggelt wird." Lesenswertes Interview mit Thomas Metzinger bei dasGehirn.info. Veröffentlicht: 31.03.2015, www.dasgehirn.info/wahrnehmen/ich/mein-tunnel-durch-die-wirklichkeit

Mehr Informationen

Quellen

  • Die Selbstmodell-Theorie der Subjektivität
    Eine Kurzdarstellung in sechs Schritten
    (Metzinger 2005)
    Vollständig überarbeitete und stark erweiterte Version eines Buchbeitrags (Metzinger 2000a), der zuerst unter dem Titel "Philosophische Perspektiven auf das Selbstbewusstsein: Die Selbstmodell-Theorie der Subjektivität" erschienen ist, in: W. Greve (Hg.), Psychologie des Selbst, Weinheim
    www.philosophie.uni-mainz.de/metzinger/