Dào 道

Der Lauf des Wassers

In den altchinesischen Konzepten über die Welt steht der Begriff Dào 道 für die oberste Wirklichkeit und allumfassende Wahrheit, der Urgrund von Sein und Nichtsein und innewohnendes Prinzip des Universums zur Schöpfung und Selbstorganisation.

"Das Dao 道 gebiert die Eins. Die Eins gebiert die Zwei. Die Zwei gebiert die Drei. Die Drei gebiert die 'zehntausend Dinge'." Laozi Kap. 42 (Übers. Gerstner)

"Wuji ('das Eigenschaftslose') bezeichnet einen ungestalteten Urzustand, der eine abstrakte Potentialität zur Ordnung besitzt. Durch Wandel ging daraus Taiji ('die Ureinheit') - bei Laozi bezeichnet als Eins - hervor. Taiji enthält das natürliche Ordnungsprinzip Dao, das die Ordnung des Kosmos vollkommen enthält. Taiji ist noch unsichtbar und gestaltlos, es trägt aber in sich die Ordnung zur Gestaltung. Sobald es sich durch weitere Wandlung zeigt, tritt es in Form der Polarität von Yin und Yang - bei Laozi die 2 - hervor. Yin und Yang sind wiederum die Bausteine für die acht Trigramme - bei Laozi die 3 -, deren weitere Kombination die 64 Hexagramme des Yijing bilden und aus denen schließlich die 10.000 Dinge (d.h. alle Dinge im Kosmos) hervorgehen." Schröcker, 2008

Die altchinesischen Welterklärungsmodelle gehen davon aus, dass alles im Universum miteinander in Beziehung steht und einem ständigen Wandel unterliegt. Und das auch der Mensch "... vom Wasserlauf der Natur nicht abweichen kann. Man bildet sich vielleicht ein, außerhalb oder getrennt vom Tao zu sein, und meint, daß man ihm deshalb folgen oder nicht folgen kann. Aber diese Einbildung selbst gehört zum Strom, denn es gibt keinen anderen Weg als den Weg. Ob wir wollen oder nicht, wir sind dieser Weg und gehen mit Ihm."
Der Lauf des Wassers, Watts, S. 70

Das Schriftzeichen Dào im Lìshū Schriftstil, welcher zur Zeit der Streitenden Reiche (475 - 221 v. Chr.) entwickelt wurde. Das Dàodéjīng soll im 4. Jahrhundert v. Chr. entstanden sein. Das Schriftzeichen Dào besteht aus dem Radikal 辶 (vereinfacht ⻌), welcher von 辵 chuò "gehen" abgeleitet ist und dem Zeichen 首 shǒu, das "Kopf" bedeutet.

"Das Wasser gleicht dem dao 道, das man gewöhnlich durch 'Weg' übersetzt, besser aber wohl durch 'Lauf', um das Prozessuale zum Ausdruck zu bringen. Bei 'Lauf' kann man sowohl an das Laufen eines Menschen wie an den Lauf des Wassers, des Lebens, der Dinge bzw. an den 'Lauf der Welt' denken."
Der Philosophische Daoismus, Wohlfahrt, S. 19

"Der Weg, von dem am Anfang des Laozi die Rede ist, ist aber auch kein Weg, den wir mit eigener Kraft 'wegen' (richten, regulieren, bahnen) oder machen können. Es sei denn, dieses Machen wäre ein Machen ohne zu machen, ein Tun ohne zu tun, ein wei wu wei. Wohl ist dieser Weg ein Weg, den man gehen kann, aber so, dass er sich beim Gehen von selbst macht, ohne Absicht, so wie das Wassers sich von selbst seinen Lauf sucht. Der beständige, ständig sich ändernde Weg ist ein wegloser Weg, ein Weg ohne Weg. Er ist ein Weg, der sich wegen und während des Gehens vielleicht von selbst macht, in dem wir den Weg Weg sein lassen. Beim Gehen ist dieser Weg weg, wir vergessen ihn unterwegs, so geht es am besten. Dieser Weg vollendet sich - von selbst so beim Gehen, ...  Hören wir auf, nach 'dem Weg' zu suchen, zu fragen, ihn zu planen oder gar gewaltsam zu bahnen. Machen wir uns auf  den Weg. Frei-gelassen finden wir uns in offener Weite, den Weg unter unseren Füßen."
Zhuangzi, Wohlfahrt, S. 57

Quellen

  • Der Daoismus und seine Philosophie
    Vortrag von Reinhold Schröcker
    2008 an der Taiji & Qigong Schule Freising
  • Weltbilder des alten China
    Vortrag von Reinhold Schröcker
    2007 an der Taiji & Qigong Schule Freising
  • Eine Synopse und kommentierte Übersetzung des Buches Laozi sowie eine Auswertung seiner gesellschaftskritischen Grundhaltung
    Ansgar Gerstner, Dissertation Universität Trier, 2001

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Der Lauf des Wassers: Eine Einführung in den Taoismus (Broschiert)
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Ein Dao, von dem man reden kann, ist nicht ein beständiges Dao. Ein Name, den man nennen kann, ist nicht ein beständiger Name. Das Namenlose ist der Anfang von Himmel und Erde.
Laozi Kap. 1 (Übers. Gerstner)