Sadhana Chatushtaya

Die Vierheit der spirituellen Praxis


Die Sehnsucht nach Befreiung ist der Wille, sich von den Ketten, die die Unwissenheit geschmiedet hat - vom Ich-Gedanken bis hinab zum physischen Körper - durch Erkenntnis des eigenen wahren Wesens zu befreien. (Das Kleinod der Unterscheidung, Shankara, Scherz, 1999, S. 13)


Sadhana साधन sādhana - geradewegs auf ein Ziel zugehen, erfolgreich sein
Chatushtaya चतुष्टय catuṣṭaya - vier Verbindungen, vierfach, Vierzahl, Vierheit,

Sadhana Chatushtaya or the fourfold means for salvation or the four kinds of spiritual practices, is a pre-requisite to the aspirants in the path of Jnana Yoga (Vedanta), or, for that matter, in any system of evolution towards Godhead. The four means are:

  1. Viveka - discrimination between Sat (real) and Asat (unreal)
  2. Vairagya - dispassion or indifference to sensual enjoyments herein and hereafter
  3. Shad Sampat (6 virtues):
    (a) Sama - peace of mind through eradication of Vasanas
    (b) Dama - control of sense organs
    (c) Uparati - satiety, renunciation of all works (Sannyasa)
    (d) Titiksha - forbearance
    (e) Sraddha - faith in scriptures and the Guru's words
    (f) Samadhana - concentration of mind, balance of mind
  4. Mumukshutva - Intense longing for liberation

Quelle: Sadhana Chatushtaya, Swami Sivananda, Divine Life Society, 2008, S. 9

Buchtipp

"During recent years there has been a great spiritual revival and people in India and abroad have taken seriously to the study of Yoga and Vedanta. But, in practice, it has been found that there is - in keeping with the rapid tempo of life itself in the modern world - an unpardonable hurry an neglect of essentials, in the field of the practice of Yoga, too. Seekers after Truth are impatient to enter into the Transcendental Realm of Self-realisation; practitioners of Yoga expect to enter Samadhi a week after taking up the practice 'concentration and meditation'. The all-important preparation is woefully neglected. Our ancient scriptures have given the place of greatest prominence to these preparatory steps - Yama-Niyama or the Sadhana Chatushtaya.". © Bild und Text Divine Life Society. Sadhana Chatushtaya, Swami Sivananda, Divine Life Society, 2008


Viveka विवेक viveka - Unterscheidungskraft, Unterscheidung

Unterscheidung (viveka) zwischen Beständigem und Vorübergehendem; das heißt, man übt sich konstant darin, die Welt als das zu sehen, was sie ist – ein begrenztes und veränderliches Reich, das, selbst wenn es sich als äußerst vergnüglich erweisen sollte, nie mit der transzendentalen Seligkeit verwechselt werden darf;

Vairagya वैराग्य vairāgya - Leidenschaftslosigkeit, Losgelöstheit und Entsagung

Entsagung (virâga) des Genusses an den Früchten (phala) eigener Handlungen – dies ist auch das Ideal des Karma-Yoga, der von den Aspiranten verlangt, die angemessenen Handlungen auszuführen, ohne Lohn dafür zu erwarten;

Shad Sampat षट्सम्पद् ṣaṭ-sampad - Sechs Reichtümer

Die "sechs Vervollkommnungen" (shat-sampatti):

  1. Ruhe (shama) oder die Kunst, auch im Angesicht der Gefahr ruhig und gelassen zu bleiben;
  2. Sinnesbeherrschung (dama) oder die Beschränkung der Sinne, die gewohnheitsmäßig nach Anregung dürsten;
  3. "Beendigung (uparati) oder Handlungs-Abstinenz, sofern die Handlung weder der Erhaltung des Körpers noch dem Streben nach Erleuchtung dient;
  4. Fähigkeit des Ertragens (titikshâ); speziell verstanden als die stoische Fähigkeit, von dem Spiel der Gegensätze der Natur unberührt zu bleiben – von Hitze und Kälte, Lust und Schmerz, Lob und Verurteilung;
  5. Geistige Gesammeltheit (samâdhâna) oder Konzentration; die Disziplin der einpunktigen Fokussiertheit unter allen Umständen, insbesondere während der Perioden formaler Ausbildung;
  6. Glaube (shraddhâ); ein tief inspiriertes, inneres Akzeptieren der heiligen, transzendenten Realität. Dieser Glaube, so grundlegend für alle Formen der Spiritualität, darf nicht mit mutmaßender Meinung, die nur auf der Verstandesebene operiert, verwechselt werden.

Mumukshutva मुमुक्षुत्व mumukṣutva - Streben, Wunsch, Sehnsucht nach Befreiung

Das Streben nach Befreiung (mumukshutva); das heißt, die Pflege des spirituellen Impulses. Im Mahâyâna-Buddhismus wird der Wunsch nach Befreiung zum Wohl aller Lebewesen entfacht; er stellt sich als "Erleuchtungs-Bewusstsein" (bodhi-citta) dar.

Quelle: Die Yoga Tradition - Geschichte, Literatur, Philosophie & Praxis; Georg Feuerstein;  Yoga Verlag; 2008; S. 87