Meister Eckhart

Gott wirkt, und ich werde

"Meister Eckhart geht es um die Überwindung des alltäglichen Bewußtseins und Betriebs. In der Tiefe des eigenen Selbst begegnet der Mensch Gottes Kraft. In der Einigung mit dieser Kraft wird Gott in allem geboren, was der Mensch denkt und schafft. Im Vollzug des eigenen Lebens holt der Mensch ein, was verborgen in ihm angelegt ist - Gott wirkt, und ich werde."
Dietmar Mieth
Meister Eckhart, Mystik und Lebenskunst, Verlagstext

Meister Eckhart (1260 - 1328) war ein bedeutender Theologe und Philosoph des christlichen Mittelalters. Eckhart wird den Stömungen der "deutschen Mystik" zugerechnet. Allerdings unterscheidet er sich durch die philosophische Ausrichtung seiner Lebenslehre von der damaligen christlichen Versenkungs- oder Erfahrungsmystik.

"Wer das Leben fragte tausend Jahre lang: 'Warum lebst Du?', könnte es antworten, es spräche nichts anderes als: 'Ich lebe darum, daß ich lebe.' Das kommt daher, daß das Leben aus seinem eigenen Grunde lebt und aus seinem Eigenen quillt; darum lebt es ohne Warum darin, daß es sich selber lebt. Wer nun einen echten Menschen, der aus seinem eigenen Grunde wirkt, fragen würde: 'Warum wirkst du deine Werke?', sollte er richtig antworten, er würde nichts anderes sagen als: 'Ich wirke darum, daß ich wirke.'"
Meister Eckhart, Predikt 5 B, NL 71,32-73,3

"'Ich bin', spricht Gott,'der Erste und der Letzte' (Geh. Offenb. 22,13). Unterschiedenheit gibt es weder in der Natur Gottes noch in den Personen entsprechend der Einheit der Natur. Die göttliche Natur ist Eins, und jede Person ist auch Eins und ist dasselbe Eine, das die Natur ist. (...) Darum: Im Einen findet man Gott, und Eins muß der werden, der Gott finden soll."
Meister Eckhart, Vom Edlen Menschen, Quint S. 145

"Ich behaupte: Es gebe ein Eines in der Seele, von dem Erkennen und Lieben herkommen. Nur wer dieses Eine erkennt, der begreift, worin die Seligkeit besteht. Es kennt weder ein Davor noch ein Danach. Es harrt keiner von außen zufällig erfolgenden Ergänzung, denn es kann weder etwas hinzu gewinnen noch etwas verlieren. Es ist so arm, dass es nicht weiß, dass Gott in ihm wirkt. Ja, es ist selber das selbe, das sich selbst genießt wie Gott sich genießt. Auf diese Weise kann der Mensch Armut besitzen."
Meister Eckhart, Predigt 52 "Über die Armut an Geist"

Buchtipp

Der große spekulative Denker und Philosoph, Metaphysiker, Theologe und Ethiker Meister Eckhart (um 1260–1328) fasziniert bis heute – durch die Radikalität seines Denkens und die Kraft seiner Sprache. Kurt Flasch bietet in diesem Buch eine neue Gesamtdarstellung von Eckharts Leben und Lehre vor dem Hintergrund des intellektuellen Umfelds seiner Zeit. Die Forschungen der letzten Jahrzehnte haben das Bild Meister Eckharts verändert. Dieses Buch versucht eine Bilanz. Es führt ein in Meister Eckharts Denken und lädt ein, seine Werke zu lesen und seine Aussagen mitzudenken. Kurt Flasch behandelt dabei klar und prägnant alle Werke Eckharts und bezieht sie, wo möglich, auf ihren biographischen Hintergrund und auf die geschichtliche Welt, aus der Eckhart kam und gegen die er sich stellte. Die wichtigen Lebensstationen Paris, Erfurt, Straßburg oder Köln kommen ebenso zur Darstellung wie Eckharts tragisches Schicksal – der Tod in Avignon, der Inquisitionsprozess und die Verurteilung durch seine Kirche. Kurt Flaschs Buch ist die Summe seiner über sechzig Jahre langen Beschäftigung mit Meister Eckhart und seiner Zeit. © Text und Bild C.H. Beck. Meister Eckhart - Philosoph des Christentums - von Kurt Flasch, C.H. Beck, Auflage: 1, März 2010, ISBN-10: 3406600220 ISBN-13: 978-3406600227

Buchtipp

Kein anderer christlicher Denker wurde so häufig mit östlichen Traditionen in Zusammenhang gebracht wie Meister Eckhart. Von Rudolf Otto bis Shizuteru Ueda gilt er als Musterbeispiel für eine grundsätzliche Einheit westlicher und östlicher Heilslehren. Wenn Eckhart wenig vom historischen Jesus spricht, um so mehr aber von der Einheit des Menschen mit Gott, scheint er in der Tat Sankaras Lehre der Zweitlosigkeit näher als der herkömmlichen Christologie. Die vorliegende Studie zeigt, dass es sich bei Eckharts Rede von der Einheit - nicht Gleichheit - des Menschen mit Gott um eine bisher wenig erforschte, ungewöhnliche Christologie handelt. Ungewöhnlich ist u.a. dass biblische Aussagen als philosophische gelesen werden. Im Hinblick auf diese Christologie lösen sich scheinbare Gemeinsamkeiten mit Sankara in Unterschiede auf, trotz vieler Überschneidungen im einzelnen. © Text und Bild Lang. Ein Sein - Ein Erkennen; Meister Eckharts Christologie und Śaṅkaras Lehre vom Ātman; Zur (Un-)Vergleichbarkeit zweier Einheitslehren; Annette Wilke, Studia Religiosa Helvetica, Series Altera 2, Bern: Lang, 1995; ISBN-10: 3906755614 ISBN-13: 978-3906755618
Mehr Informationen zu Śaṅkara/Advaita bei michaelditsch.de

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Im Diskurs mit der Physik wird sich eine die Immanenz und Transzendenz Gottes betonende Theologie auf eine Art Einheitslehre einlassen müssen. Orientiert an zentralen Glaubensaussagen des Credo wird spekulativ ein panentheistisches Weltbild entwickelt, das ähnlich wie bei Cusanus durch den Zusammenfall der Gegensätze in der Alleinheit geprägt ist und eine gewisse Nähe zu Ansätzen der Prozesstheologie aufweist. Die Abgrenzung gegenüber pantheistischen Tendenzen zu leisten, ist dabei ein wesentliches Anliegen der Arbeit. Diese Abgrenzung gelingt, anders als bei anderen physikalisch-holistischen Ansätzen, mit Hilfe des von von Weizsäcker betonten und analysierten Zeitbegriffes. © Text und Bild LIT Verlag. Zeit und Alleinheit - Ein spekulativer Entwurf zur Vermittlung von Theologie und Physik im Anschluss an die Analyse von Zeit bei Carl Friedrich von Weizsäcker. Christoph Wand, Lit Verlag; Auflage: 1., Aufl. (30. November 2007); ISBN-10: 3825808998 ISBN-13: 978-3825808990

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Die vorliegende Abhandlung versucht eine Basis für den interreligiösen Dialog mit dem Buddhismus und Hinduismus zu schaffen. Als Anknüpfungspunkt dient dabei die negative bzw. mystische Theologie, denn in der Einsicht der Unaussprechlichkeit und Unerkennbarkeit des göttlichen Wesens eröffnet sich eine Zugangsweise zu den Religionen des Ostens. Darüber hinaus bietet die Rückbesinnung auf die reiche Tradition der negativen Theologie dem Christentum die Möglichkeit einer Neuinterpretation der eigenen Lehre im Licht der Spiritualität. Einleitend erfolgt ein Überblick über die Auseinandersetzung des Christentums seit seinem Bestehen mit anderen religiösen Systemen. Daran anschließend kommen einige der bedeutendsten christlichen Vertreter der negativen Theologie zu Wort. Ihre Aussagen werden zu den religiösen und philosophischen Spekulationen der upanishadischen und advaita-vedantischen Tradition des Hinduismus und zu den Lehren des Buddhismus, insbesondere des Madhyamaka-Buddhismus, in Bezug gesetzt, um die Ähnlichkeiten der Argumentationsstruktur zu verdeutlichen. Die Arbeit wird durch eine Zusammenschau der Gemeinsamkeit abgeschlossen. © Bild und Text Edition Verstehen. Einheit im Nichts - Die mystische Theologie des Christentums, des Hinduismus und Buddhismus im Vergleich, Katharina Ceming, Edition Verstehen, 2004

Buchtipp

Der Vernunft kommt bei Eckhart fundamentalste Bedeutung zu. Sie bricht - so der Thüringer Meister - in den Grund. Ermöglicht wird sie durch das vernünftige Erkennen, das intelligere des Einen. In der Gottesgeburt wird der Mensch qualifiziert zu univokem Erkennen. Als Sohn Gottes wird der Mensch vernünftig zu weitem unbegrenztem Wissen geführt. Der Logos, das Wort ist substantiale und hermeneutische Grundlage vernünftigen Verstehens. Auch das Vergehen, die Sünde wird produktiv in dieses aufgenommen. Der Vernünftige ist der Demütige, Gelassene und Freie. Das Höchste, was dem Menschen ontologisch und in seinem Wirken und Leben zuteil wird, ist das "Draußen-wie-drinnen-Stehen". Eckhart sagt: "Lausche nun auf das Wunderbare! Welch wunderbares Stehen draußen wie drinnen, begreifen und umgriffen werden, schauen und das Geschaute selbst sein, es in sich haben und gehalten werden: das ist die Vollendung, wo der Geist voll Ruhe in der Einheit der lieben Ewigkeit bleibt." © Bild und Text LIT Verlag. Der Gang der Vernunft bei Meister Eckhart, Udo Kern, LIT Verlag, 2012


Buchtipp

Nach einer einleitenden Vorbereitung der methodologischen Fragen und des historischen Horizonts - die mystische Bewegung im Europa des 14.Jahrhunderts, die Eckhart-Rezeption über die Jahrhunderte hin, die 'Problematik' um die Einordnung von Eckharts Lehre in Philosophie oder Mystik - arbeitet die Untersuchung (abweichend von zahlreichen anderen Eckhart-Interpretationen) Eckharts Hinführung zur Gottesgeburt im Inneren der Seele heraus. Dabei zeigt sich einmal mehr, daß in der abendländischen Philosophie und hier insbesondere in der deutschen Mystik Parallelen zur indischen Weisheit und yogischen Lebenspraxis bestehen, die dem heutigen Bedürfnis nach Bewußtseinserweiterung, Integralität und existentieller Selbstverwirklichung voll Rechnung tragen. 'Ruhe', 'Sammlung' und 'Gelassenheit' als die drei Aspekte auf dem Weg zur Gottesgeburt weisen über die Kopfarbeit am Beginn weit hinaus in die Bereiche yogischer Enthaltsamkeit, meditativer Konzentration auf die Einheit mit dem Absoluten und des 'Loslassens' allen Verlangens bei gleichzeitigem Sicheinlassen in das göttliche Geschehen, das sich von seinem Wesen her jeglicher Machbarkeit entzieht (Gnade). © Bild und Text Aquamarin. Meister Eckhart - oder Der Weg zur Gottesgeburt im Menschen - Eine Einführung, Eckard Wolz-Gottwald, Aquamarin, 2013. Mehr Informationen zu Jnana Yoga bei michaelditsch.de

"Sammlung hat zunächst die Aufgabe, den in die weltlichen Dinge zerstreuten Geist zu einigen, so daß er zu seiner inneren Ruhe finden kann. Ziel der Meditation ist jedoch nicht nur, das Denken zu konzentrieren. Es soll weiter zu einer höheren Bewußtheit, zur Einheit mit dem Absoluten gehoben werden. Sammlung darf so nie nur Festhalten an Weltlichem bedeuten. Würde es dem Menschen gelingen, alle seine Gedanken zu sammeln und sich nur noch auf Eines zu konzentrieren, so wäre das Bewußtsein immer noch auf einen Punkt in der raum-zeitlichen Welt gerichtet. Der Mensch würde im Bereich des herkömmlichen Denkens verbleiben, der ja gerade in dieser 'inneren Übung' überstiegen werden soll. Es gilt, die Sammlung in einer Weise durchzuführen, daß der Mensch emporgetragen wird, 'in eine ewige Ewigkeit hinauf, über alle Dinge' 40. Der Aspekt der 'Sammlung' ist somit nur die eine Seite der Medaille. Er ist notwendig eins mit seinem Gegenteil, dem 'Loslassen' oder der 'Gelassenheit', und ist nur in diesem Zusammenhang im richtigen Lichte zu verstehen. Nur ein gesammelter Geist, der gleichzeitig gelassen ist, kann eine innere Einheit der Ruhe erreichen, so daß von der Seele gesagt werden kann, 'je enger sie ist, um so weiter ist sie'. Von daher verwundert es nicht, wenn Eckhart für das Verständnis seiner Lehre neben der 'Sammlung' die 'Gelassenheit' voraussetzt und aus der heiligen Schrift zitiert: 'Niemand kann mein Wort hören noch meine Lehre, er habe den sich selbst gelassen' 41. Diese Gelassenheit, in der der Mensch von sich selbst, von seinem eigenen 'Ich' losgelassen hat, ist eine der zentralen Forderungen des Meisters. 'Er (der Mensch) soll zuerst sich selbst lassen, dann hat er alles gelassen' 42. Die Forderung der 'Ich'-Gelassenheit steht im Mittelpunkt, da der Mensch gleichzeitig mit dem 'Ich' auch alles Weltliche, ja die ganze Welt gelassen hat. Meister Eckhart fordert dieses Loslassen bis zur letzten Konsequenz. Der Mensch muß alles aufgeben, so daß er 'niemals nur einen Augenblick auf das sieht, was er gelassen hat' 43. Dem sich auf dem Weg zur Absolutheit befindenden Menschen ist kein Blick mehr erlaubt zurück auf das, was sich hinter ihm befindet. Genausowenig darf er nach vorne blicken, auf das, was er erstrebt: 'Hast du es aber auf das, was dir zuteil werden soll, abgesehen, und schielst du danach, so wird dir nichts zuteil' 44. In der Forderung der absoluten Gelassenheit ist dem Menschen jede Möglichkeit genommen, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf der verfallenen Endlichkeit, hin zur Verwirklichung der Gottesgeburt, herauszuziehen. Er muß von sich selbst, das heißt auch von allem Erstrebten, loslassen."

40 DW, I, 319,7: "in die êwige êwicheit hin ûf über alliu dinc".

41 DW, I, 170,1: "nieman enmac mîn wort hoeren noch mîne lêre, er enhabe denne sich selben gelâzen" (Luk. 9.23).

42 DW, V, 194,3f.: "Er sol sich selber lâzen ze dem êrsten, sô hât er alliu dinc gelâzen."

43 DW, I, 203,3f.: "niemermê gesihet einen ougenblik ûf daz, daz er gelâzen hât".

44 DW, III, 284, 1-3: "Meinest aber du das, daß dir werden sol, vnd hast ein sehen daruff, so wirt dir nichts".

DW - Meister Eckhart: Die deutschen und lateinischen Werke, hrsg. Im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Die lateinischen Werke, hrsg. Von Ernst Benz, Karl Christ, Bernhard Geyer, Joseph Koch, Erich Seeberg, Konrad Weiß.

Meister Eckhart - oder Der Weg zur Gottesgeburt im Menschen - Eine Einführung, Eckard Wolz-Gottwald, Aquamarin, 2013, S. 7 und S. 86 - 88


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