Muße

Wie wir wieder leben lernen

"Nach dem Duden ist das Wort 'Muße' eng verwandt mit den beiden Wortfamilien 'müssen' und 'messen'. Letzteres wiederum hängt mit dem Substantiv 'Mal' zusammen, das im Deutschen nur noch verwendet wird, um die Wiederholung einer gleichen Lage zu verschiedenen Zeitpunkten anzugeben oder um die Multiplikation auszudrücken: wie manches Mal, einmal, niemals. Mit Mal (Zeitpunkt) war ursprünglich auch identisch das Mahl (Essen), das den dafür festgesetzten Zeitpunkt bezeichnete. Müssen hatte ursprünglich die Bedeutung: sich etwas zugemessen haben. Interessant ist, dass die indogermanische Wurzel 'me(d)' (abstecken, messen) in Wörtern steckt wie dem lateinischen meditari (erwägen, nachdenken, 'meditieren') und medicus (Arzt; eigentlich: klug ermessender Ratgeber). Damit wird ein weites Feld abgesteckt, das mit 'Muße' in Verbindung steht. Muße ist eine vom 'Werk'-tag abgemessene Zeitspanne. Man muss sie sich bewusst nehmen, soll sie sich nicht verflüchtigen." Vom Glück der Muße - Wie wir wieder leben lernen, Anselm Bilgri, Piper 2014, S. 101

Buchtipp

Glücklicher werden mit Muße und Achtsamkeit. Das Leben könnte so schön sein – wenn wir nur Zeit dafür hätten. Der weltliche Mönch Anselm Bilgri zeigt, wie sich die uralte benediktinische Regel "Ora et labora" auf unsere moderne Welt übertragen lässt. Sein Credo: mehr Muße wagen! Wir müssen das Gleichgewicht zwischen An- und Entspannung neu lernen, wenn wir das Leben wieder genießen wollen. Wir kennen es alle: Junge Eltern, die zwischen Job und Familie einen Balanceakt vollführen. Menschen in der Lebensmitte, die neben den eigenen Kindern plötzlich auch pflegebedürftige Angehörige versorgen müssen. Manager, die eine 60 Stunden Woche absolvieren. Am Ende steht immer der Seufzer: Wann finde ich nur endlich wieder mal Zeit für mich! Dabei sind die ersten Schritte scheinbar einfach: innehalten, in sich hineinspüren, eine Atempause einlegen. Und doch: Es kann harte Arbeit sein, sich solche Freiräume zu erobern. Als langjähriger Benediktinermönch weiß Anselm Bilgri aus eigener Erfahrung, wie wir uns auch im Alltag Inseln der Muße schaffen können. Inseln, auf denen Kreativität, Sinnlichkeit und Lebensfreude wachsen können. Denn nur wenn wir ganz bei uns selbst sind, können wir uns auf eines der größten Abenteuer einlassen, das es gibt: ein glückliches Leben! © Bild und Text Piper Verlag. Vom Glück der Muße - Wie wir wieder leben lernen, Anselm Bilgri, Piper Verlag, 2014

Buchtipp

Wir suchen, brauchen und fürchten sie: die Kraft der Muße. Haben Sie heute schon Däumchen gedreht und an die Wand gestarrt? Und dabei an nichts Bestimmtes gedacht? Falls nicht, so holen Sie es bitte bald nach. Für Gewissensbisse gibt es keinerlei Grund. Denn: Muße ist zur bedrohten Ressource geworden. Die Beschleunigungsgesellschaft mit ihrem Arbeitsdruck und dem Zwang zur permanenten Kommunikation lässt uns nicht zur Ruhe kommen. Dabei haben Gehirnforscher und Psychologen längst herausgefunden, wie wichtig Phasen absichtslosen Nichtstuns sind. Sie fördern nicht nur die Regeneration und stärken das Gedächtnis, sondern sind auch die Voraussetzung für Einfallsreichtum und Kreativität. Große Ideen brauchen vor allem eines: Zeit und Muße. Isaac Newton kam der zündende Einfall zu seiner Gravitationstheorie im Garten, als er versonnen einen Apfel betrachtete. Descartes philosophierte am besten im Bett. Doch von solch kreativen Auszeiten können die meisten heute nur träumen. Ulrich Schnabel beschreibt die Ursachen der allgemeinen Zeitnot, zeigt uns, wo wir auch heute noch Inseln der Muße finden können, und bietet eine Fülle von konkreten Anregungen und Tipps für alle, die dem permanenten Drang zur Beschleunigung widerstehen wollen. Von John Cage über John Lennon bis zu Britta Steffen - Konkrete Tipps zu einem sinnvollen Umgang mit der Informationsflut -Spektakuläre Psycho-Versuche unter Tage - Was denken und fühlen wir, wenn wir lange allein sind? © Text und Bild Blessing Verlag. Ulrich Schnabel, Muße - Vom Glück des Nichtstuns, Blessing Verlag, 2010