Shiva Nataraja

Der kosmische Tänzer

Im Hinduismus ist Shiva eine der wichtigsten Manifestationen des höchsten oder göttlichen Prinzips. Shiva erscheint in vielfältigen Formen und mit vielen Namen. Eine der bekanntesten Darstellungen ist der Nataraja (König des Tanzes), welchen Shiva als kosmischen Tänzer zeigt, der die zyklische Erschaffung und Zerstörung des Universums symbolisiert.
"Massgeblich beeinflusst hat unser Bild des tanzenden Shiva jedoch eine andere Interpretation, der gemäss die tanzende Figur die fünf wichtigsten Handlungen des Gottes verkörpert: Erstens zeigt sich Shiva als Schöpfer des Universums, wobei sich die Schöpfung zum Klang der Trommel vollzieht. Zweitens ist er der Erhalter des Universums, was er mit seiner erhobenen, schützenden Hand bezeugt. Die Flamme auf seiner Linken symbolisiert drittens die Zerstörung. Viertens bannt Shiva die Unwissenheit durch seinen Fuss, der einen Dämon unterwirft. Fünftens versinnbildlicht sein linkes erhobenes Bein die geistige Befreiung von der Illusion." Shiva Nataraja, Museum Rietberg S. 22

Nataraja und moderne wissenschaftliche Erkenntnis verknüpft der indische Neurologe Vilayanur S. Ramachandran: "... haben wir uns von der Vorstellung verabschiedet, dass es eine Seele gibt, die unabhängig von unserem Geist und Körper ist. Allerdings ist diese Vorstellung nicht erschreckend, sondern befreiend. Wenn ich der Meinung bin, dass ich etwas ganz Besonderes in dieser Welt bin, und von meinem einzigartigen Standpunkt aus die kühne Erforschung des Kosmos unternehme, ist der Gedanke an meine Vernichtung unerträglich. Doch wenn ich mich als Teil von Schiwas großem kosmischen Tanz begreife und nicht als bloßen Zuschauer, dann muss ich meinen unausweichlichen Tod nicht mehr als Tragödie ansehen, sondern kann ihn als glückliche Vereinigung mit der Natur verstehen."
Vilaynur S. Ramachandran - Die blinde Frau, die sehen kann - Rowohlt TB S.259

Buchtipp

Alles über die Gottheit Shiva und Einführung in die indische Religion. Shiva, "der Gütige", ist nicht nur einer der vielen Götter. Er ist der Gott der Götter, der Urgrund alles Seins, die letzte und einzige Wirklichkeit. Die Welt und alle ihre Geschöpfe entspringen seiner ekstatischen Meditation. Die unendliche, immer wandelnde Vielfalt der Schöpfung ist seine Shakti, seine weibliche Schöpferkraft. So sehr liebt er sie, so sehr betört und fasziniert sie ihn, dass er sich vollständig in sie hineinergießt. Auf diese Weise west Shiva in allen Wesen. Wie ein Kind, das sich in seinem Spiel verliert, verliert sich Shiva in seiner Lila, seiner tanzenden Shakti. So kommt es, dass viele Geschöpfe - insbesondere jene, die in menschlicher Gestalt auf Erden leben - ihr wahres Shiva-Wesen vergessen. Ihr Spiel wird todernst. Gefangen sind sie in Illusion und Wahn (Maya). Doch dann kommt Shiva, ihr eigentliches Selbst daher und befreit sie von dem Wahn, und lässt sie wieder in die universelle Wonne eintauchen. Text und Bild Koha Verlag
Shiva: Der wilde, gütige Gott
Wolf Dieter Storl, Koha Verlag (1. September 2002)
ISBN-10: 3929512904 ISBN-13: 978-3929512908

Quellen

  • Shiva Nataraja: Der kosmische Tänzer
    Johannes Beltz (Herausgeber)
    Verlag Museum Rietberg; 1., Aufl. (18. November 2008)
    ISBN-10: 3907077385 ISBN-13: 978-3907077382
  • Die blinde Frau, die sehen kann
    Rätselhafte Phänomene unseres Bewußtseins
    Ramachandran, Blakeslee
    Rowohlt Taschenbuch, 4. Auflage 2009

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